1854_Hacklnder_152_46.txt

näher kam, war der Maler Artur, der dem geneigten Leser bereits bekannt ist. Er überzeugte sich durch einen blick, dass sich Herr Blaffer auf seinem Comptoirstuhl befand, dann nahm er seinen Hut ab und trat in das Gemach.

"Ah! Sie sind's, mein vortrefflicher junger Freund!" rief der Principal, indem er von seinem Sitz herab hüpfte und mit vor gestreckten Händen und Knieen auf den Eingetretenen zurutschte "Ah! Sie sind pünktlich, wie ich es liebe und wie ich es selbst in allen Geschäften bin. Schlag elf Uhr. Wollen wir nicht in mein Wohnzimmer spazieren?"

"Ich meines Teils befinde mich ganz gut hier," sagte der Maler, nachdem er für die freundliche Begrüssung mit einem Kopfnicken gedankt, ohne jedoch den doppelten Händedruck besonders stark erwidert zu haben. – "Geschäfte macht man am besten im Geschäftslokal ab, und Anderes führt mich nicht daher." Bei diesen Worten trat er an den Pult, um Hut und Stock abzulegen; und als er sich darauf umwandte, entdeckte er erst den alten Mann, der den Griff der tür erfasst hatte und sich eben Hinausschleichen wollte.

Herr Blaffer sah sich genötigt, die beiden Herren mit einander bekannt zu machen. – "Herr Staiger," sprach er, "einer meiner Uebersetzer, – Herr Artur Erichsen, einer unserer talentvollsten, geachtetsten jungen Maler, ein Talent, welches so Grosses verspricht, und sich dennoch herablassen will, unser geringes Werk zu illustriren."

Artur schüttelte unmutig den Kopf über diese Worte des Buchhändlers; doch konnte einem aufmerksamen Beschauer nicht entgehen, dass er dies eigentlich nur tat, um eine augenblickliche Verlegenheit, ja eine gelinde Röte, die sich über sein Gesicht verbreitete, zu verbergen. Er kannte ganz genau den alten Mann, der vor ihm stand, und er hatte eigentlich gehofft, ihn hier zu treffen. Dass ihn der Vater der schönen Tänzerin, die er so sehr liebte, noch mit keinem Auge gesehen, machte er sich gewissermassen zum Vorwurf und ging desshalb auf den alten Mann mit einiger Befangenheit zu, wobei er ihm aber freundlich seine Hand entgegen reichte.

"Ich freue mich in der Tat, Sie zu sehen," sagte Artur; "recht sehr freue ich mich, und obgleich Sie wohl im Begriff zu sein scheinen, wieder hinweg zu gehen, so bitte ich Sie doch, da zu bleiben, indem mir Ihre Ansicht bei der Unterhandlung mit Herrn Blaffer von Wichtigkeit ist."

Herr Staiger blickte einigermassen überrascht in das freundliche Gesicht des unbekannten jungen Mannes, der, seinem Aeusseren nach, offenbar den besten Ständen angehörend, sich nicht an sein abgeschabtes Röckchen zu kehren schien und ihm so freundlich entgegen kam.

Der Buchhändler zuckte leicht die Achseln, bat den Maler, ihm gegenüber den Platz des Herrn Beil einzunehmen, und kletterte dann ebenfalls wieder auf seinen Schreibbock hinauf.

Artur blickte fragend auf den alten Mann, der hinter der tür neben der Kiste stehen geblieben war, dann wandte er sich an den Lehrling und sagte ihm ruhig und bestimmt: "Bringen Sie doch dem Herrn einen Stuhl; Sie sehen ja, dass wir sitzen und Herr Staiger uns zu Liebe da bleibt."

Der Buchhändler nickte verdriesslich mit dem kopf, und der junge blonde Mensch eilte nicht ohne ein kaum bemerkbares Lächeln in's Nebenzimmer, von wo er alsbald mit einem der besten Stühle seines Principals zurück kam.

In diesem Augenblicke trat Herr Beil in das Zimmer, wollte sich aber wieder zurückziehen, da er seinen Platz besetzt fand.

Artur blickte in die Höhe und als er den Commis sah, der ihm wohl bekannt war, nickte er ihm freundlich entgegen und sagte: "Sie werden entschuldigen, lieber Herr Beil, dass ich einen Augenblick Ihren Stuhl eingenommen, ich werde übrigens nicht lange Gebrauch davon machen, da wir bald im Reinen sein werden."

Bei diesen Worten flog an diesem Morgen das erste freundliche Lächeln über das Gesicht des Buchhändler-Commis. "Ah! Sie sind es!" versetzte er; "freut mich recht, Sie zu sehen. Warten Sie, ich will Ihnen gleich einen Bogen Papier unterbreiten, denn ich sehe, Sie haben schon den Bleistift in der Hand; sonst zeichnen Sie mir wieder allerlei Ungeheuer in mein Hauptbuch."

"Seien Sie unbesorgt," entgegnete Artur lächelnd, "ich habe mir Ihre Lektion von neulich gemerkt."

"Nun endlich zur Sache!" rief ungeduldig der Buchhändler. "Lassen Sie uns in Frieden, Herr Beil! Schauen Sie lieber diesem jungen faulen Schlingel da zu, der mit einer Langsamkeit einpackt, dass es wahrhaftig zum Erbarmen ist. – Also, Herr Staiger," wandte er sich an den alten Mann, "da Sie nun einmal da sind, ist es mir lieb, wenn Sie zuhören, auch vielleicht Ihren Rat geben. Herr Erichsen will also die Freundlichkeit haben, zu unserer Ausgabe von Onkel Tom's Hütte vortreffliche Illustrationen zu machen. Es ist mir ein Bedürfniss, Originalzeichnungen zu erhalten, denn ich hasse den Nachdruck, selbst wenn er vollkommen erlaubt ist wie hier, wo es sich nur darum handelt, englische Originale zu benutzen."

Während dieser Rede sah Herr Blaffer so salbungsvoll an die Decke des Zimmers empor, und machte ein so merkwürdig ehrlich sein sollendes Gesicht, dass sich Artur nicht entalten konnte, diese herausfordernden Züge mit einigen kecken Umrissen auf das Blatt Papier zu skizziren.

"Was meinen Sie