die Begegnung zu freuen. "Es ist auch sonst noch ein Bekannter von uns hier," flüsterte sie ihm zu, "Matias, aber er liegt noch immer krank an seiner Wunde darnieder. Freilich geht's ihm besser, doch hat ihn die Nachricht, dass man den Wirt zum Fuchsbau eingesteckt und dass er, den er so sehr geliebt, elend umgekommen sei, wieder auf's Neue sehr darniedergeworfen."
"Sag' ihm meinen Gruss," antwortete Franz, "und zu gleicher Zeit, dass die Nachricht von ihm falsch sei. Er ist wohl verschwunden, aber nicht elend umgekommen."
"Das wird ihn erheitern," versetzte das Harfenmädchen. "Jetzt aber lebt wohl, eure Pferde sind angespannt."
"lebe wohl!" sagten Henriette und der Jäger, und Beide drückten der Andern herzlich die Hand. Letzterer liess seine Geldbörse darin zurück, indem er sagte: "Es ist für Matias, er soll sich pflegen, und wenn er das Vergangene vergessen kann, so wird es mir vielleicht möglich sein, später mehr für ihn zu tun."
Dahin flog der Wagen, Jäger und Kammerjungfer sprachen lange nichts mit einander, aber in dem Wirtshaus ertönte gleich darauf wieder lustig wie früher Harfe und Gesang. –
Was nun den Fuchsbau anbelangt, nach dessen finsteren Räumen uns der geneigte Leser schon öfters freundlich begleitet, so wurde er vom staat angekauft und zu einem Arbeitshause für weibliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft eingerichtet, welche durch bösen Lebenswandel der wachenden Gerechtigkeit Veranlassung gaben, sich um ihr Privatleben zu bekümmern. Leider können wir aber nicht verschweigen, dass sich noch vor Ablauf eines Jahrs, von dem Zeitpunkt an gerechnet, an welchem unsere wahrhaftige geschichte schliesst, einige unserer Bekannten dort ein Rendezvous gaben, und zwar Madame Becker, Madame Wundel und deren Tochter Emilie, leider jedoch nicht zu Kaffee und Punsch, wohl aber zu wasser und Brod und sehr dünner Erbsensuppe. Das uns wohl bekannte Gemach mit der braunen Decke und den gleichen Holzwänden gehörte zur wohnung des Aufsehers, doch liebte dieser das Gemach nicht besonders. Er behauptete, es sei unheimlich da, und wenn er bei fest verschlossenen Fenstern und Türen zuweilen am Kamin sitze, so spüre er hinter sich einen Zugwind, von dem er durchaus nicht ermitteln könne, woher er komme. Desshalb vermied er endlich die Zimmer, verschloss es am Ende gänzlich und sprach nur achselzuckend davon.
Der Wirt zum Fuchsbau war allerdings eingesteckt worden, auch hatte man ihm für einige Zeit ein wohl verwahrtes Quartier verschafft, ihm aber weiter nichts anhaben können. Herr Scharffer leugnete hartnäckig, beweisen konnte man ihm nur, dass er zweideutige Gesellen beherbergte, auch der Diebshehlerei nicht fremd gewesen, und so kam er mit einem halbjährigen gefängnis davon. Er verliess dasselbe mit noch stärkerem Backenbart, im Uebrigen aber sehr abgemagert.
Nicht so gut erging es dem Herrn Sträuber. Nach und nach kamen die meisten seiner kleinen Liebhabereien und Phantasien an den Tag. Seine Taschendiebereien und Gelüste nach den Ohrringen wehrloser Kinder hätten ihn aber wohl nur auf ein paar Jahre in's Zuchtaus gebracht; doch wie auf dieser Welt Eins dem Andern folgt, so erschien nach und nach die Korrespondenz, welche er im Auftrag des Meister Schwemmer für den schwunghaft betriebenen Kinderund Menschenhandel geführt. Darauf wurde das verhältnis dieser beiden würdigen Herren selbst näher beleuchtet, und Herr Sträuber vermochte es im Laufe der Untersuchung nicht, sich von der Anschuldigung frei zu machen, als habe er in Gemeinschaft mit der Dame Schwemmer, dem natürlichen Laufe vorgreifend, den Ehegemahl der Letzteren früher zu den Freuden und Leiden des Jenseits verholfen. Es war eine Strafanstalt für schwere Verbrecher, welche eine ihrer stillen Zellen dem Herrn Sträuber öffnete. Er musste den schwarzen Frack und die baumwollenen Handschuhe für immer ablegen, sein vornehmer Anstand und seine feine Bildung verschwanden gänzlich unter dem groben Sträflingsgewand, und da sein hochfliegender Geist sich lange nicht herablassen wollte, die Handgriffe des Wollspinnens zu erfassen, so war die verdriessliche Folge hievon, dass er Dunkelarrest, Hunger und Prügel kennen lernte – sehr unangenehme Zutaten zum Gefängnissleben.
Mademoiselle Terese hatte bei jener Teatervorstellung, die so traurig für die unglückliche Marie geendet, zum letzten Mal getanzt. Sie war um ihren Abschied eingekommen, hatte ihn auch erhalten und reichte nun dem Herrn Berger ihre Hand. Dass sie den Entschluss, mit ihrem Gemahl ein kleines Stück Sklavenleben aufzuführen, im weitesten Umfange verwirklichte, kann uns der geneigte Leser auf's Wort glauben. Doch schien sich Herr Berger nicht übel dabei zu befinden, wenigstens nahm er körperlich zu und wurde aus einem dürren, grämlichen mann, ein wohlbeleibter, freundlicher Herr. Terese dagegen blieb sich gleich und behielt ihre schöne Taille.
Die Hochzeit des Paares war wenige Tage, nachdem Artur abgereist, mit ausserordentlichem Glanze gefeiert worden. Die Tänzerin hatte befohlen, dass eine Deputation ihrer ehemaligen Kolleginnen dabei sein müsse, vor allen Dingen aber Schwindelmann, Herr Hammer, Richard und Schellinger. Fritz, der Teaterfriseur, war nicht so glücklich gewesen, eine Einladung zu bekommen, hatte es aber doch nicht unterlassen, das Haar der schönen Braut, wohl zum letzten Mal, wie er seufzend gesagt, an ihrem Hochzeitstage zu ordnen. Dass Terese in ihrem weissen Atlaskleide den Spitzenschleier im grünen Myrtenkranz, wie eine Fürstin aussah, versteht sich von selbst. Herr Berger hörte auch mit Wohlgefallen, wie man ihre prächtige Gestalt bewunderte und ihn glücklich pries. Auch der Hochzeitsschmaus ging sehr lustig vorüber, und