ganze geschichte?" fragte der Graf nach einer langen, langen Pause.
"Ich denke nur, was er mir sagte," erwiderte der Jäger mit feierlicher stimme. "Ich will mein Leben dafür lassen, dass er im Duell gefallen. Denn so hat er ja gewollt, dass man glaube."
"Ja, er hat so gewollt," sprach Graf Fohrbach nachdenkend, "sein Lauf war zu Ende, wie er mir auf jenem denkwürdigen Maskenballe sagte, und er soll einen ehrenvollen Tod gestorben sein."
"Von der Hand des –" fragte der Major mit bedeutsamem blick.
Worauf der Andere entgegnete: "Herr von Dankwart ist bei allen seinen kleinen Schwächen ein Ehrenmann, das ist nicht zu bestreiten."
"Allerdings nicht," meinte der Major. "Aber er wird die ganze geschichte hartnäckig leugnen."
"Nehmen wir an, aus Diskretion, wie ich vorhin sagte," erwiderte Graf Fohrbach, "die Welt wird doch an das Duell glauben, und so hat es der Unglückliche gewollt. Er ruhe sanft. – Doch lass uns das Ende deiner geschichte hören," wandte sich der Graf nach einigem Stillschweigen an seinen Jäger.
"Ich holte Leute aus dem dorf," fuhr dieser fort, "und brachte ihn nach Königshofen zurück. Ich liess ärzte kommen, obgleich ich wusste, dass das unnütz war. Darauf brachte ich ihn in seinen Wagen und kehrte langsam nach der Residenz zurück."
"Und wo ist er jetzt?"
"In seinem haus. Ich habe ihn dem alten Kammerdiener übergeben, der darauf vorbereitet zu sein schien. Denn obgleich er trostlos und verzweifelt tat, sagte er doch unter Tränen, er habe das wohl vorher gewusst."
"Und die Briefschaften, die dir der Baron gab?"
"Warf ich auf die Post bis auf einen Brief, den er mich beauftragte, Punkt neun Uhr Seiner Excellenz dem Herrn Polizeipräsidenten eigenhändig zu übergeben, wozu vielleicht Euer Erlaucht so gnädig sind, mir später Urlaub zu erteilen."
Der Graf Fohrbach wechselte mit dem Major einen blick, dann erwiderte er dem Jäger: "Allerdings, du sollst überhaupt den heutigen Nachmittag und Abend für dich haben, und erst morgen früh," setzte er mit Betonung hinzu, "den Dienst bei mir wieder in deiner gewohnten Pünktlichkeit und – Treue antreten."
"Wie danke ich Ihnen für dies Wort!" sprach der Jäger, tief erschüttert. Dann verliess er auf einen Wink seines Herrn Kabinet und Salon.
"Es ist ein trauriges und doch gutes Ende für den Baron," sagte Graf Fohrbach nach einer Pause. "Wir müssen übrigens seinen letzten Willen erfüllen und das Gerücht verbreiten helfen, er sei im Duell gefallen. Herr von Dankwart wird das heftig leugnen, aber nachher, wenn er sieht, dass man ihm doch nicht glaubt, wird er am Ende gezwungen, das Rencontre achselzuckend zuzugeben."
"Verlass dich auf mich," entgegnete der Major, "es soll auf ihm hängen bleiben. Aber sage mir, Eugen, wie verstehe ich das? Hat der Baron wirklich etwas mit der Polizeidirektion zu schaffen gehabt? Auf dem letzten Hofball sprach man von einer Brautschaft zwischen ihm und der Tochter des Präsidenten."
"Ich hörte auch davon, glaubte aber nicht daran."
"Muss man," meinte der Major, "heute noch den Tod des baron geheim halten oder kann man nach Tisch darüber sprechen?"
"natürlich wollen wir darüber sprechen, um so mehr, da Herr von Dankwart da ist. Wir werden überhaupt nicht die Einzigen sein, die die Sache erfahren haben."
"Schön," versetzte der Andere, indem er sich zum Weggehen anschickte; "ich verlasse dich jetzt. Es ist vier Uhr und du hast doch etwas Sammlung notwendig."
"Und Toilette!" lachte der Graf, während er seinem Freunde die Hand reichte.
"Adieu denn bis nachher!"
"Adieu, Major!"
Mit kurzen Worten wollen wir dem Leser noch sagen, dass das heutige Diner bei Seiner Excellenz dem Kriegsminister äusserst glänzend war, dass bei demselben die Verlobung zwischen Eugenie und dem jungen Grafen proklamirt wurde, und dass der Major einen hierauf bezüglichen gar schönen Toast ausbrachte. Das unglückliche Ende des baron war übrigens schon bekannt geworden und man schrieb dasselbe allgemein einem Duell mit Herrn von Dankwart zu. Es half auch nichts, dass dieser auf's Feierlichste das Gegenteil versicherte, ja dass er sich anheischig machte, ein Alibi beweisen zu wollen. Man zuckte die Achseln, man verbeugte sich lächelnd, sobald aber Herr von Dankwart den rücken gewendet und anderswohin getänzelt war, so sagte man: "Das ist erstaunlich; wer hätte das gedacht!"
"Und der Baron war ein immenser Pistolenschütze," meinte ein Anderer, und ein Dritter setzte hinzu: "Was mich bei Herrn von Dankwart nur wundert, ist einzig und allein, wie man nach einer so furchtbaren Katastrophe – am gleichen Tage mit d e r Ruhe sein Diner einnehmen kann."
"Erstaunlich!"
"Erstaunlich!" wiederholten Alle, und Herr von Dankwart wurde von da an mit weit grösserer Ehrfurcht betrachtet, als dies bisher geschehen.
Auch der Präsident war bei dem Diner gewesen, war aber sehr still und nachdenkend und verkehrte fast nur mit dem Herzog Alfred, mit dem er sich längere Zeit in einer Ecke des Salons eifrig unterhielt. Gegen acht Uhr