seinem Freunde einen bedeutsamen blick, welch' Letzterer die Achseln zuckte und sehr ernst nach Oben sah.
"Ja, ich habe ein Duell vor, so fuhr der Baron fort, und einen gefährlichen Gegner. Ich weiss wohl, wie der schiesst, sagte er sonderbar lächelnd, fehlt auf fünfundzwanzig Schritte nie ein Ass und kann auch wohl die Kugeln auf einer starken Messerklinge teilen. – Da müsste er ja fast so gut schiessen wie Sie, gnädiger Herr, erlaubte ich mir zu bemerken, worauf er entgegnete: ganz genau wie ich, desshalb ist die Sache sehr zweifelhaft, da er den ersten Schuss hat, und befolge daher genau, was ich dir auftrage: Hier müssen wir scheiden, zieh deine Uhr hervor und richte sie nach der meinigen. – Es war sechs Uhr. – In einer halben Stunde wird wohl Alles vorüber sein. Dann folgst du dem schmalen Weg, den ich jetzt hinaufsteige, und findest oben eine Waldlichtung. Da wirst du schon selbst sehen, was zu tun ist. – Ich bat ihn, mich mitzunehmen, doch er wiederholte seinen Befehl ernst und strenge. Und er konnte sehr ernst sein, der Herr Baron," sagte der Jäger gedankenvoll. – "Er nahm also Abschied von mir, indem er mir noch vorher seine Brieftasche übergab, um die Rückfahrt für die Postillone zu bezahlen, sagte er. Dann stieg er zwischen den Bäumen aufwärts und meine Blicke folgten ihm. Euer Erlaucht werden mir verzeihen, wenn ich Ihnen gestehe, dass es mir fast das Herz zerbrach, als ich ihn so leicht und gewandt da hinaufsteigen sah, ein Herr in den besten Jahren, ja in voller Kraft der Jugend."
"Und warum folgtest du ihm nicht?" fragte fast atemlos und tief bewegt der Graf.
"Sein Befehl war gemessen, Erlaucht. Und dann kannte ich auch meinen ehemaligen Herrn. Er hätte mich niedergeschossen, wenn ich ihm gefolgt wäre, ohne dass mein Tod," setzte er trübe lächelnd hinzu, "sein Duell verhindert hätte. – Mehrmals blieb er stehen und wandte sich rückwärts gegen das Tal. Man sieht von dort oben weit in der Ferne die Residenz vor sich ausgebreitet liegen. Dahin schien er mehrmals zu schauen, aber auch auf mich fiel sein blick, und als er mich so ruhig da unten warten sah, winkte er mir noch einmal freundlich mit der Hand zu. – O sehr freundlich! – Und gleich darauf war er zwischen den Bäumen verschwunden." – –
Diese letzten Worte hatte der Jäger mit kaum verständlicher stimme gesprochen. Dann aber sagte er: "Verzeihen mir Euer Erlaucht, aber ich kann nicht anders!" – worauf er seine hände vor die Augen presste und einige Sekunden so verblieb.
Der Graf hatte seine Cigarre weggeworfen, und er sowie der Major blickten in der grössten Spannung auf den Jäger, der nun die hände langsam niedersinken liess, tief aufseufzte und fortfuhr: "Darauf befand ich mich allein in dem wald. O es waren das schreckliche Augenblicke! Und ich horchte wohl atemlos auf jedes Geräusch, wenn weit von mir entfernt irgend ein wild durch das dürre Laub raschelte, wenn ein welkes Blatt neben mir zu Boden fiel, so schrak ich zusammen, indem ich befürchtete, irgend etwas Anderes überhört zu haben. O Herr Graf, wenn man im dichten wald auf etwas lauscht, wobei das Herz mit im Spiele ist, so ist die Stille, die uns umgibt, feierlicher und ernster als die Ruhe eines Kirchhofes! Ich kenne das," setzte er mit leiserer stimme bei. – "Auf einmal knallte ein Schuss. – Gnädiger Herr, ich habe Schüsse knallen hören unter schauerlichen Verhältnissen – aber so wie dieser heute Morgen hat mich nie etwas erschüttert! Gleich darauf fiel ein zweiter. Ich riss meine Uhr heraus und als ich sah, dass es halb Sieben war, stürzte ich den Waldweg hinan. So eilig ich auch war, so blieb ich doch zuweilen zitternd stehen und lauschte. Was konnte es mich auch nützen, dass ich schnell an Ort und Stelle kam, mir ahnete ja doch, was ich finden würde? Dann spiegelte ich mir auch wohl eine falsche Hoffnung vor und blieb in der Absicht stehen, um vielleicht die Schritte der andern Partei zu vernehmen. Aber," setzte er trübe lächelnd hinzu, "ich hörte nichts dergleichen. Der Wald war entsetzlich stille, nur das Laub rauschte unter meinen Füssen, hie und da flatterte ein Vogel und von weit her sang der Kukuk sein melancholisches, einförmiges Lied."
"Endlich fandest du ihn!" rief gespannt der Graf, als der Jäger vor sich hinstarrend schwieg.
"In der Waldlichtung – Herr, wie er mir vorausgesagt."
"Allein?"
"Ganz allein."
"Und –"
"– – tot," sagte der Jäger nach einem tiefen Atemzuge. "Die Kugel war ihm durch's Herz gegangen."
"Ah! das ist entsetzlich!" rief der Major. "Du sahst Niemand? Du vernahmst also wirklich keine Schritte, die sich entfernten?"
"Ich sah nichts als die Sonne, die ihren Strahl über seine bleichen Züge warf, und ich hörte nichts als die eigenen Worte des Jammers, mit welchen ich mich neben ihn hinwarf. Denn, Herr Graf, ich hatte ihn sehr geliebt, meinen ehemaligen Herrn, den Baron von Brand." –––––––––––––––––––––––––––
"Und was denkst du über die