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was gestern und heute geschehen, will ich zur Rechtfertigung meines auffallenden Betragens nicht verschweigen, dass ich den Herrn Baron von Brand früher gekannt und genau gekannt, ehe ich in den Dienst Euer Erlaucht trat."

"Ich weiss das, er hat dich mir ja empfohlen."

"Dass er öfters mein Wohltäter wurde, dass ich ihn achtete und liebte. – O, sehr liebte, denn er war ein guter Herr. Euer Erlaucht werden mir verzeihen, aber ich muss die Wahrheit sagen, sollte auch für mich daraus erfolgen, was da wolle! Ich kannte alle seine Verhältnisse."

"Das habe ich mir gedacht," erwiderte der Graf nach einer Pause. "Aber gleichviel, Franz. Für mich ist der Baron von Brand nur der Baron von Brand, und was dich betrifft, so gehen mich deine früheren Verhältnisse nichts an."

"Das lohne Ihnen Gott," versetzte der Jäger; "und er w i r d Sie dafür belohnen." Er murmelte diese Worte nur, doch verstand sie der Graf vollkommen. Dann streckte sich der Jäger lang in die Höhe, unterdrückte einen tiefen Seufzer und fuhr fort: "Auf die Bitte des Herrn Baron von Brand erlaubten mir Euer Erlaucht, denselben begleiten zu dürfen. Zu diesem Zweck erwartete ich gestern Abend den Herrn Baron um neun Uhr vor dem E'schen Tor mit dem Wagen. So hatte er es mir befohlen."

"War es ein Reisewagen?" fragte der Graf.

"Nein, ein leichtes Coupé, aber mit vier Pferden bespannt. – Es mochte fast halb zehn Uhr sein, da hörte ich, dass sich ein Wagen dem Tor näherte, und zwar so schnell, als zwei tüchtige Pferde nur zu laufen im stand sind. Es war das die Equipage Seiner Durchlaucht des Herrn Herzogs Alfred. Trotzdem es sehr dunkel war, erkannte ich den Kutscher, der seine Pferde neben dem Coupé parirte. Der Herr Baron von Brand sprang heraus, und der Wagen, mit dem er gekommen, kehrte augenblicklich in die Stadt zurück. Der Herr Baron begrüsste mich freundlich, befahl, auf der Chaussee nach der ersten Station zu fahren, und stieg eilig in den Wagen."

"Wie war er gekleidet?" fragte aufmerksam der Graf.

"über dem gewöhnlichen Anzug trug er einen weiten Radmantel und auf dem kopf hatte er einen runden Hut."

"Und war bewaffnet?"

"Ja, Euer Erlaucht, mit zwei Pistolen."

Der Graf warf seinem Freunde einen bezeichnenden blick zu und sagte hierauf: "Und sonst war Niemand dabei?"

"Niemand. – Ich stieg auf den Bock und wir fuhren davon. Die Postillone, denen ein gutes Trinkgeld versprochen war, liessen tüchtig laufen, so dass wir bald die Station erreichten. Dort wurde umgespannt und wir fuhren weiter."

"Aha! nach Königshofen," sagte kopfschüttelnd der Major. "Es ist das der gewöhnliche Ort."

"In Königshofen," erzählte der Jäger weiter, "begab sich der Herr Baron in das dortige Wirtshaus, liess sich ein Zimmer geben, befahl mir darauf zu Bette zu gehen, ihn aber heute Morgen vor Tagesanbruch zu wecken. Ich verabschiedete die Postillone, mochte aber nicht schlafen gehen, vielmehr schritt ich Stunden lang um das Haus herum, und bemerkte wohl, dass in dem Zimmer des Herrn Baron immerfort ein helles Licht brannte. Er war ebenfalls nicht zu Bette gegangen, denn als ich, dem Befehle gemäss, vor Tagesanbruch seine tür öffnete, sass er an seinem Tische und siegelte Briefschaften zu. Ah! du bist schon da! rief er mir entgegen; die Zeit ist schnell verstrichen. – Ich habe mich bemüht, Erlaucht, seine Worte in meinem Gedächtnisse festzuhalten; es schien mir das wichtig," sagte der Jäger in bestimmtem Tone. – "Der Tag fing an zu grauen," fuhr Franz darauf in gewöhnlichem Tone fort, "und der Herr Baron wollten seine Toilette machen, doch hatte er Alles mitzunehmen vergessen. Ich sorgte so gut als möglich dafür, und nachdem ich ihm das Haar einigermassen arrangirt, zog er sein Schnupftuch hervor und roch daran. Ich wollte, sprach er alsdann, dass ich nicht vergessen hätte, gestern Abend noch ein paar Tropfen aufzuträufeln. Ich liebe den Geruch und er hätte mir so manche Erinnerung noch einmal frisch vor die Seele geführt."

"Coeur de rose," sagte nachdenkend der Graf. "Wer hätte das gedacht, als wir uns hier vor einigen Monaten über sein Odeur lustig machten! Doch weiter!"

"Er gab mir einige Briefe, um sie auf die Post zu werfen. Die Pistolen nahm er selbst unter den Mantel, dann verliessen wir das Haus, gingen durch Königshofen durch und stiegen hinter dem dorf die Anhöhe hinaus."

"Der Weg führt nach einer einsamen Waldlichtung, ich kenne ihn wohl," sprach nachdenkend der Major.

"Und was dachtest du von allem dem?" fragte der Graf seinen Jäger.

"Fast das Gleiche fragte mich der Herr Baron, als wir den Wald hinauf gingen. Ich antwortete ihm, er könne wohl ein Duell vorhaben, doch sehe ich weder Gegner noch Sekundanten. – Die kommen Alle von der andern Seite, entgegnete er mir. Und du bist wohl klug genug, einzusehen, dass hier eine Sache vor sich geht, die mit grosser Heimlichkeit betrieben werden muss."

Der Major wechselte mit