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davon bin ich überzeugt, denn Eugenie ist ein so vortreffliches Wesen, ein so reiches und liebes Herz, dass du mit ihr glücklich werden musst."

"Und mir wirst du hoffentlich ebenfalls einige Vortrefflichkeit und Liebe nicht absprechen?"

"Ja, du hast gute Eigenschaften, und bei sorgfältiger Erziehung kann mit der Zeit noch was Rechtes aus dir werden."

Der Graf blickte lächelnd vor sich auf den Boden, stiess die Asche von der Cigarre und dachte über seine künftige Erziehung nach.

"Wie ist es denn mit dem heutigen Diner?" fragte der Major nach einer Pause, "es ist wohl sehr gross und wird eine starke Feierlichkeit absetzen? – Ah! wenn das schon vorüber wäre! Ich werde wohl einen Toast halten müssen, und das kommt mich immer entsetzlich sauer an. Sind wir in der Tat sehr zahlreich?"

"An die vierzig Couverts, glaube' ich. Papa hat's nun einmal nicht anders getan."

"Doch alle unsere genauen Bekannten?"

"Versteht sich. Nur Steinfeld wird fehlen; er ist plötzlich abgereist. Ah! ich verstehe dasder arme Kerl!"

"Warum arm?" meinte der Major. "Er liebt die Baronin noch so leidenschaftlich wie damals, als er sie zum ersten Male gesehen. Erinnerst du dich noch des Abends draussen in deinem Salon nach dem Balle drüben, als er uns jene geschichte erzählte? Damals waren sechs Jahre vorüber. Und mit welchem Feuer, welcher leidenschaft sprach er von der Begebenheit!"

"Er wird die Baronin heiraten?" fragte der Graf.

"Versteht sich von selbst. Die Scheidung wird in den nächsten Tagen ausgesprochen. Ich bin überzeugt, die Beiden werden sehr glücklich mit einander sein. natürlich wird er vorderhand nicht hieher kommen können und wollen."

"Das begreift sich. Aber der General hat sich so verhasst gemacht, dass Alles Partei für die arme Frau nimmt."

"Und er?" fragte der Major nach längerem Stillschweigen.

Der Graf zuckte die Achseln, während ein düsterer Schatten über seine vorhin so freundlichen Züge flog. "Das ist ein rätselhafter Mensch," sagte er nach einer Pause.

"Für dich und Steinfeld wohl nicht so sehr als für uns Andere," meinte lächelnd der Major. "Aber ich achte euer geheimnis. Ich mag den Baron wohl leiden. Coeur de rose ist nicht so übel."

Bei diesen Worten trat der Kammerdiener leise in den Salon, blieb dort stehen, bis die Blicke des Grafen auf ihn fielen, dann sagte er mit leiser stimme: "Soeben ist der Jäger zurückgekommen und wünscht Euer Erlaucht sprechen zu dürfen."

"Darauf bin ich begierig!" rief der Graf, indem er aufsprang. "Er soll augenblicklich hereinkommen. bleibe nur," wandte er sich an den Major, der sich ebenfalls erheben wollte. "Ich will in dieser Sache keine Geheimnisse vor dir haben. Was mir der Jäger zu sagen hat, ist für uns Alle sehr ernst und wichtig und betrifft den, von welchem wir eben sprachen."

"Den Baron von Brand?"

Der Graf nickte mit dem kopf und fuhr fort: "Er hat mich gestern um meinen Jäger gebeten; ich weiss nicht, wesshalb er zu dem Rencontre von seinen eigenen Leuten Niemand nehmen wollte."

"Zu welchem Rencontre?" fragte überrascht der Major.

"Mit Herrn von Dankwart. Es scheint, sie haben sich heute geschossen."

"Das ist seltsam," meinte der Major kopfschüttelnd; "ich habe Herrn von Dankwart gestern Abend noch gesprochen; von der betreffenden Angelegenheit versicherte er mich gerade das Gegenteil."

"Aus Diskretion."

"Und sagte, der Baron habe ihm einen versöhnenden Brief geschrieben, den er im Notfall überall zeigen könne."

"So hören wir den Jäger! Ich bin fest überzeugt, die Sache ist anders."

Hier trat Franz in den Salon, und sein Herr, der schnell nach ihm hinblickte, fuhr betroffen zurück. "Ah!" sagte er zu dem Major, "die Sache ist ernstaft. So verstört sah ich das Gesicht meines Jägers, dieses sonst so ruhigen Menschen, nie."

Und so war es auch in der Tat. Franz Karner, der auf einen Wink des Grafen langsam näher schritt, ging gegen seine Gewohnheit ziemlich gebeugt. Sein Gesicht war bleich, seine Augen rot unterlaufen, seine Lippen zuckten, und da er das wohl fühlen und doch nicht sehen lassen mochte, biss er sie fest über einander.

Der Major war ebenfalls aufgestanden und blickte bestürzt bald den Jäger, bald seinen Freund an.

"Ah! du bist zurück!" rief dieser. "Nun sprich, was ist geschehen? Ein Unglückgewiss ein Unglück!"

Der Jäger wagte es nicht, zu sprechen, und nickte stumm mit dem kopf.

"Dem Baron ist ein Unglück geschehen?" fuhr Graf Fohrbach hastig fort. "Sammle dich, Franz, und erzähle uns die geschichte ruhig dem Verlaufe nach. – Ah, Teufel! sei ein Mann!" fuhr er nach einer Pause fort, als er bemerkte, dass der blick des Andern seltsam flimmernd wurde. "So lass doch hören!"

Der Jäger öffnete langsam die Lippen, nachdem er mit der Hand über die Augen gefahren war, dann sagte er mit tiefer, fast tonloser stimme: "Ehe ich Euer Erlaucht berichte,