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Euer Excellenz demgemäss auf morgen Abend zu einer Partie Whist einzuladen, und zwar à trois mit einem toten Mann."

So las der Präsident, und Alle schauten sich verwundert an; der Kommissär schüttelte den Kopf und Seine Excellenz meinten: "glaube' das der Henker!" denen, indem er bemerkte: "Das ist jedenfalls ein Ausweg; ich bitte, ich beschwöre Sie, Herr Präsident, warten Sie bis morgen Abend. Wie ich den Baron kenne, bin ich überzeugt, er stellt sich. Desshalb machen Sie um Gotteswillen heute Abend und morgen keinen Lärm; lassen Sie ihren Leuten drunten sagen, Sie hätten dem Baron wegen eines Duells einen Hausarrest ankündigen wollen, er sei aber verschwunden. Kehrt er morgen Abend zurück, so machen Sie, was Sie wollen, kehrt er nicht zurück, so haben Sie immer noch Zeit, die Sache bekannt werden zu lassen."

"Was meinen Sie, Braun?" fragte der Präsident, nachdem er einen Augenblick überlegt hatte. "Der Karren ist so wie so verfahren, und wenn er wirklich wiederkäme, so hätten wir in der Tat die ganze blamable geschichte nicht zu erzählen."

Der Polizeikommissär zuckte die Achseln und pflichtete ebenfalls nach einiger überlegung Seiner Durchlaucht Meinung bei.

"So sei es denn also," sprach bestimmt der Präsident, indem er das Billet wieder zusammenfaltete. "Aber wir, die wir hier beisammen sind, geloben uns bis morgen Abend ein feierliches Stillschweigen. Was diesen alten Herrn da anbelangt," fuhr er mit einem Wink auf den Kammerdiener fort, "so ist es meine Ansicht, denselben scharf unter Aufsicht zu halten. Braun, lassen Sie desshalb ein paar vertraute Leute im haus. Und nun," sprach er achselzuckend und mit einem tiefen Seufzer, "sind wir fertig, und wenn Euer Durchlaucht also befehlen –"

"Mir tut die verdriessliche geschichte wahrhaftig leid," entgegnete dieser, während er seinen Hut nahm. "Aber seien Excellenz versichert, dass ich Ihnen mit meinem ganzen Einfluss zur Seite stehen werde. Tun Sie mir dagegen die Liebe, bester Präsident, und erzählen mir beim Nachhausefahren, was es denn eigentlich mit dem Baron für ein Bewandtniss hat. – Horreur! der Chef einer Räuberbande, haben Sie gesagt?"

Während Seine Excellenz trübselig mit dem Kopf nickte, gingen die Beiden der Treppe zu, doch ehe sie hinabstiegen, meinte der Präsident: "Was er nur mit seiner Einladung hat sagen wollen? Zu einem Whist à trois mit einem toten mann. Ich verstehe das nicht." –

"Aber ich verstehe es," sprach tief aufseufzend der alte Kammerdiener drinnen im Zimmer; dann sank er auf einen Stuhl nieder und verbarg sein Gesicht in beide hände.

Fünfundachtzigstes Kapitel.

Des Jägers Bericht.

Während geschah, was wir in den letzten Kapiteln erzählten, war der Winter ziemlich vorüber gegangen, und das beginnende Frühjahr zeigte sich schon in einzelnen schönen, heiteren TagenTagen, an welchen das Land von der Sonne erwärmt, einen erdigen, aber angenehmen Duft ausströmen lässt, wo die Grashalme sich zu strecken scheinen, und die Zweige den innigsten Trieb zeigen, sich baldigst mit Knospen zu bedecken. Um diese Zeit werden die Glashäuser und Frühbeete nach und nach von ihrer Umhüllung befreit, man lockert die Rosen auf, die während des Winters mit Erde bedeckt, ruhig schlummerten, man gibt auch den in ihren gläsernen Käfigen eingesperrten Pflanzen Luft, indem man schon auf längere Zeit die Fenster offen lässt und Sonnenlicht und frische, erquickende Luft über ihre sehnsüchtig zitternden Blätter dahinströmen lässt.

So war man auch in dem kleinen Garten beschäftigt, welcher den Pavillon umgab, in dem Graf Fohrbach wohnte. Obgleich es drei Uhr Nachmittags war, standen doch die Fenster seines Salons offen, und die hereinströmende, jetzt schon wieder etwas kühle Luft vermischte sich wehend mit der warmen, die das lodernde Feuer des Kamins umspielte.

Der Graf war nicht in seinem Salon, sondern befand sich im Ankleidezimmer, dessen tür aber ebenfalls geöffnet war; er lag in einem Fauteuil, hatte diesen so gedreht, dass die kühlere Luft von draussen, geschwängert mit den oben erwähnten Frühlingsdüften, über sein Gesicht hinstrich. Neben ihm in der Sophaecke sass der Major von S. Beide rauchten vortreffliche Cigarren, doch verscheuchte der Graf den Dampf, den er von sich blies, augenblicklich wieder mit der Hand, um alsdann wieder einen tiefen Zug Luft zu sich zu nehmen.

"An einem solchen Tage," sagte er, "wenn man so recht merkt, dass der Winter hinter uns liegt, fühlt man sich doch wie dem gefängnis entsprungen. Hinter uns finstere, schwarze Mauern, die bisher fest verschlossenen Tore weit geöffnet, und vor uns Freiheit, sowie herrliche, göttliche Luft."

"Das wirst du diesmal ganz besonders finden," meinte der Major lächelnd, "bricht doch für dich nächstens ein Frühling an, so süss und berauschend, wie man ihn in diesem Leben nur ein einziges Mal geniessen kann. Habe ich das doch auch erlebt!"

"Wenn ich daran denke," entgegnete der Andere, indem er einen Moment seine Augen mit der Hand bedeckte, "so hört mein Herz auf zu schlagen, und ich kann nur mühsam Atem holen. Ist es dir auch so ergangen?"

"Gerade so," erwiderte der Major lachend. "Und ich will nur hoffen, dass sich deine Erinnerungen an diese Zeit nie trüben mögen. Doch