, er und der Herzog nannte diese Ursache eine ganz geringfügige! Der Präsident befühlte seine Nase, er klapste leicht mit dem Finger daran, hob sie aber alsdann hoch empor, als ihm der Baron einen Fauteuil hinrollte, in den er sich, obgleich sehr würdevoll, niederliess.
Jetzt erinnerte sich Seine Durchlaucht Höchstihres Sekretärs und sagte dem Herrn Beil, indem er sich lange in dem Fauteuil ausstreckte: "Sie können jetzt gehen, ich habe nichts mehr für Sie."
Dieser hatte sich so aufgestellt, dass ihn der Präsident nicht sehen konnte, und bei dem Befehl des Herzogs zog er sich augenblicklich hinter die Portièren in's Vorzimmer. Doch hatte er das Gemach noch nicht lange verlassen, als der Kammerdiener des baron hereintretend meldete: "Die auf der Treppe aufgestellten Polizeibeamten weigerten sich, den Sekretär seiner Durchlaucht passiren zu lassen."
"Wie ist das, Excellenz?" fragte der Herzog scheinbar erzürnt den Chef der Polizei. "Man will meinen Sekretär nicht passiren lassen? Haben Excellenz," fügte er mit schneidendem Tone bei, "vielleicht den Befehl dazu gegeben oder ist die Sache Missverständniss? Ich denke wohl das Letztere, Herr Präsident, und bitte, dass dasselbe so bald als möglich aufgeklärt werde."
Der Chef der Polizei war einigermassen betreten, beeilte sich aber, dem Herzog mit einer tiefen Verbeugung zu erklären, dass hier selbstredend ein Missverständniss obwalte, doch werde er augenblicklich den Befehl geben, dem Sekretär seiner Durchlaucht den Weg frei zu lassen.
"Bravo! vortrefflich!" flüsterte leise der Baron.
"Ueberhaupt muss ich mir erlauben," fuhr der Herzog fort, "Euer Excellenz zu bemerken, dass ich es, mildestens gesagt, für etwas stark halte, mit Polizei die Treppe eines Hauses zu besetzen, wo ich mich gerade befinde. Wenn Sie das nicht fühlen, Herr Präsident, so erlaube ich mir, es Ihnen zu sagen."
"Euer Durchlaucht werden zu Gnaden halten," entgegnete Seine Excellenz, "aber ich versichere Sie, ich hatte keine Ahnung davon, den Herrn Herzog hier zu finden. Gewiss, keine Ahnung," setzte er mit einem Seitenblick auf den Baron hinzu; "es hat mich wahrhaftig überrascht. Doch werde ich mich beeilen zu tun, was ich in der Tat Euer Durchlaucht schuldig zu sein glaube." Nach einer tiefen Verbeugung ging er alsdann in das Vorzimmer, und man hörte ihn mit lauter stimme befehlen: "Der Sekretär Seiner Durchlaucht passirt, auch sollen sich die Leute von der Treppe vor das Haus zurückziehen." Dass er dagegen einem der Polizeikommissäre zuflüsterte, in das Vorzimmer zu treten und sich in die Fensternische zu stellen, hörte man nicht.
"Nun schnell meine Instruktion!" – flüsterte drinnen der Herzog.
"Ist fast unnötig, bei der mir bekannten hohen Intelligenz Euer Durchlaucht: Verzeihen Sie mir, aber Entfernung so bald wie möglich!" Bei diesen Worten rauschten die Türvorhänge, und als der Präsident hierauf eintrat, sagte der Herzog gähnend und wie gelangweilt: "Es ist heute Abend verdriesslich bei Ihnen, Baron, ich ziehe mich zurück. Sieht man Sie morgen?"
"O ja. ich hoffe, Sie werden mich sehen, gnädigster Herr," versetzte der Baron und fügte lächelnd bei: "wenn bis dahin mein Hausarrest vorüber ist."
"Das versteht sich doch wohl von selbst," sprach der Herzog. "Nicht wahr, Herr Präsident? Und auf alle Fälle, wenn man Sie nicht loslässt, so engagire ich den Major, hieher zu kommen. Vielleicht auch wird uns Seine Excellenz selbst das Vergnügen machen, einer Partie Whist à trois zu assistiren."
Der Baron lächelte so sonderbar, als er darauf entgegnete: "Eine charmante idee, Whist à trois – mit dem toten mann." Hierauf fuhr er sich mit der Hand über die Stirn und fuhr in gefälligem Tone fort: "Ehe Euer Durchlaucht gehen, erlaube ich mir noch eine Bitte auszusprechen: Darf ich zwei Zeilen schreiben und Sie damit belästigen? Die Adresse ist Ihnen sehr bekannt."
"Mit Vergnügen," erwiderte der Herzog. "Ihr Kammediener soll unterdessen meinen Wagen vorfahren lassen."
Während der Herzog in's Vorzimmer ging, schrieb der Baron einige Zeilen, doch streckte Seine Durchlaucht gleich darauf den Kopf durch die Portièren herein und rief lachend: "Ich bedarf eines Befehls Euer Excellenz, um fortfahren zu können. Teufel, Baron! Sie sind gut bewacht."
"Ich selbst fange an das zu glauben," entgegnete dieser, indem er sein Billet faltete und es dem Herzog übergab. "Gleich nachher er sein Billet faltete und es dem Herzog übergab. "Gleich nachher zu übergeben," sprach er mit scharfer Betonung.
Der Präsident hätte gar zu gern die Adresse gesehen, da er vermutete, der Brief sei an eine allerhöchste person gerichtet.
"Ich lasse Sie also allein," sagte der Herzog, "allein mit unserem grössten Tyrannen. Allein seien Sie menschlich, Herr Präsident; vergessen sie das Sprichwort nicht: eine Hand wäscht die andere, das heisst, wenn ich kann, so helfe ich dem Baron aus der Patsche, denn weswegen er heute Ihre Aufmerksamkeit erregt, dafür kann ich Ihnen morgen ebenfalls empfohlen werden."
"Das wäre erschrecklich," meinte Seine Excellenz. "Aber es ist," sprach bestimmt der Herzog. "Zum Henker! man muss uns jungen Leuten nicht alle