kann, natürlicherweise, um sich wegen der genommenen Massregeln" – setzte er in leichtem Tone hinzu – "gegen mich zu entschuldigen."
"Vortrefflich. Deuten Sie mir aber nur gefälligst das Wie ein wenig an."
"Vor allen Dingen," erwiderte der Baron, indem er auf Beil wies, "steht dort der Sekretär Euer Durchlaucht, – ein junger, talentvoller Arzt," sagte er flüsternd, "den ich vielleicht morgen notwendig brauche."
"Schön, schön," bemerkte lachend der Herzog, "also mein Sekretär, den ich natürlicherweise nach haus schicke, sobald der Präsident da ist. Aber nun die weitere Instruktion."
"Seine Excellenz, der Herr Polizeipräsident!" meldete der Kammerdiener mit zitternder stimme.
"Aeusserst angenehm!" rief der Baron sehr laut, dann sagte er eilig und flüsternd zum Herzog: "Sie sind indignirt, gnädiger Herr, Polizei auf der Treppe des Hauses zu finden, das Sie mit Ihrem Besuch beehren, und entfernen sich so bald als möglich." Nach diesen Worten wandte er sich rasch herum und eilte dem Präsidenten mit dem Ausruf entgegen: "Ah! wie glücklich macht es mich, Euer Excellenz so spät bei mir zu sehen! Doch nicht unerwartet," setzte er etwas pikirt scheinend hinzu – "Euer Excellenz haben sich, wie mir mein Kammerdiener sagte, schon vor mehr als einer Stunde drunten anmelden lassen."
Dass der Polizeipräsident die wohnung des baron, gestern noch sein zukünftiger Schwiegersohn, heute – o, es war schrecklich, nur daran zu denken! – mit einem beklemmenden Gefühl betrat, war gewiss sehr zu entschuldigen. Doch obgleich sein Herz heftig schlug, obgleich seine Augen etwas zwinkerten und seine untere Kinnlade ein wenig bebte, ging er doch aufrechten Hauptes, mit hoch emporgehobener Nase diesem grossen Momente entgegen. Er wusste, wem er im nächsten Augenblick entgegen treten würde; die vier Polizeibeamten hatten ihre Schande nicht verschweigen können und wehklagend berichtet von dem Flüchtlinge, den sie in jener Nacht verfolgt, hatten sein Aeusseres beschrieben und dass er bei dem Garten des Polizeipräsidenten verschwunden sei. Entsetzlich genug für Seine Excellenz! Denn Jener hatte darauf seine wohnung betreten und hatte des Präsidenten eigene Tochter auf den Hofball geführt! Aufgestachelt durch all das, hatte der Präsident den Wirt des Fuchsbaues einsetzen lassen, der übrigens Alles hartnäckig leugnete; ebenso Herrn Sträuber, der sich nicht lange bitten liess, so vollständig zu beichten, als man nur wünschen konnte. Auch hatte Letzterer Zerknirschung und Reue geheuchelt, hatte jammernd versichert, wie glücklich er sich fühle, dass jenes elende Leben aufhöre, und dass ihm nun endlich gelegenheit gegeben würde, in der stillen Zelle eines Gefängnisses über seine Vergangenheit nachdenken zu dürfen. Herr Sträuber war ein Mann von Umsicht und Phantasie, ihm war es nicht unbekannt, dass man bei einem unumwundenen Geständnisse den Inkulpaten der Gnade zu empfehlen pflege, er wusste ferner, dass es ihm mit einiger Heuchelei gelingen könne, selbst im Zuchtause nach und nach zu einer würdigen Stellung zu gelangen, vielleicht Aufseher irgend einer Werkstätte zu werden. Dann dachte er auch: die Gefangenschaft wird nicht ewig dauern, und wenn ich heraus komme, werden die kleinen Kapitälchen, bei den Damen Bekker und Schwemmer angelegt, unterdessen auch ihre Zinsen getragen haben. Dies machte ihn biegsam und nachgiebig, und diese Nachgiebigkeit hatte ihm sogar die Gunst des Präsidenten verschafft.
Dieser, der wohl wusste, dass es bei der Gewandteit des baron gefährlich sei, und auch für ihn als Vater unangenehm, sich mit demselben in Erörterungen einzulassen, hatte sich vorgenommen, ihm mit einem kurzen: "Im Namen des Königs!" entgegenzutreten. Desshalb stierten seine Augen gerade aus, desshalb war seine Nase so drohend gerichtet, und schon wollte er den Mund öffnen, als er zu seiner grossen Bestürzung den Herzog erblickte, der sich in einen Fauteuil geworfen hatte, lachend ein Bein über das andere schlug und Seiner Excellenz auf's Allerfreundlichste einen guten Abend bot. Der Präsident in seinem Amtseifer befand sich im Zustande eines Rennpferdes, dem plötzlich die Bahn versperrt ist und das nun mit den Zügeln gewaltsam zurückgerissen werden muss. Sein Zügel aber war die Nase, die er beim Anblick des Herzogs hastig ergriff, ziemlich unsanft herabdrückte, also parirte und zu gleicher Zeit vor dem Angehörigen des königlichen Hauses eine Verbeugung zu stand brachte.
Ja, in der Tat, der Präsident war unangenehm überrascht, den Herrn Herzog hier zu finden, auch klang das lachen Hochdesselben etwas herausfordernd, ebenso der Ton, mit dem er ihm seinen guten Abend bot. Auf die Bemerkung des baron von vorhin eingehend, sagte er alsdann: "In der Tat, Euer Excellenz waren vortrefflich angemeldet. Alle Wetter! so viel Lärmen um Nichts! – bitte' tausendmal um Verzeihung!" korrigirte er sich, "ich will damit sagen, es sei eigentlich Luxus, eine so grosse Macht aufzubieten wegen so geringfügiger Ursache. Denn wir kennen genau den Zweck Ihres Besuchs; nicht wahr, Baron?"
"Vollkommen," entgegnete dieser, wobei er seine Cigarre dem Herzog hinhielt, der die seinige damit anzündete. "Excellenz rauchen nicht?" wandte er sich hierauf verbindlich an den Chef der Polizei.
Dieser war mehr und mehr überrascht; er hatte geglaubt, ja sich damit geschmeichelt, sein erscheinen mit bewaffneter Macht werde eine unsägliche Bestürzung bei dem Baron hervorbringen, und jetzt tat derselbe, als sähe er durchaus nichts Aussergewöhnliches darin, ja