das vollkommenste Recht, über mich herzufallen. Mein Name ist auf ewige zeiten gebrandmarkt – und das," setzte er mit gefälligem Tone hinzu, "möchte ich gar zu gern vermeiden."
"Aber der Polizei-Präsident wird gegen Sie keine Schonung kennen. Hat er nicht die gegründetste Ursache, Sie zu hassen?"
"Sie meinen schon wegen seiner Tochter, der armen Auguste?" entgegnete Herr von Brand mit einem Seufzer. "Da haben Sie allerdings Recht. Aber glauben Sie nicht, dass ich eine Schonung von ihm verlange; ich habe mich selten in meinen Berechnungen getäuscht und es sollte mich Alles trügen, wenn mir nicht in ein paar Stunden erlaubt wäre, eine kleine Lustfahrt zu machen, und wenn ich nicht morgen um diese Zeit," setzte er mit einem düstern Blicke hinzu, "eine der freiesten Seelen wäre, die sich je zwischen Himmel und Erde befunden." Hier schwieg er ein paar Sekunden, dann sagte er in gewöhnlichem Tone: "Aber ich danke Ihnen, lieber Beil, Sie haben mich an etwas erinnert, das ich fast vergessen hätte." Damit ging er auf seinen Schreibtisch zu, öffnete eine Schublade und zog ein kleines versiegeltes Paketchen heraus. "Dies," sagte er, "behalten Sie ein paar Tage bei sich und bringen es alsdann in meinem Namen an seine Adresse. Lesen Sie!"
"fräulein Auguste!" Herr Beil blickte erstaunt in die Höhe.
"Es ist so, für die Tochter des Polizei-Präsidenten. Aber," sagte er, plötzlich den Kopf herumwendend, "ich höre einen Wagen, es wird Seine Durchlaucht sein. Tun Sie mir den Gefallen, lieber Beil, treten Sie an die tür und nehmen, sobald der Polizei-Präsident erscheint – er wird nicht lange auf sich warten lassen – eine ziemlich respektvolle Stellung an. So ungefähr," sprach er lustig, "wie vielleicht an jenem Tage, als Sie sich dem Herrn Blaffer vorstellten. Ruhig!"
"Seine Durchlaucht, der Herr Herzog!" meldete der Kammerdiener mit einem sehr bleichen Gesicht, dann setzte er leiser hinzu: "Seine Excellenz, der Herr Polizeidirektor traten auch soeben in das Haus."
"Sind mir sehr willkommen," erwiderte Herr von Brand ruhig. "Aber noch Eins, Friedrich," – mit diesen Worten hielt er den Kammerdiener zurück – "leg' in's Vorzimmer auf einen Stuhl neben der tür meinen Mantel und Hut und unter denselben die neuen Pistolen, welche man mir heute Morgen gebracht."
"Pistolen?" fragte erschreckt Herr Beil.
"Duell-Pistolen," versetzte Herr von Brand, indem er die ersten Silben mit starker Betonung aussprach. "Ich habe morgen ein kleines Rencontre. Vergiss mir die Pistolen nicht, dann lass an allen Türen die Portièren herab. An Ihren Platz, Herr Sekretär!"
In diesem Augenblick trat der Herzog ein, ziemlich geräuschvoll wie immer und laut lachend. "Nehmen Sie mir es nicht übel, lieber Baron," rief er schon im Vorzimmer, "da unten an Ihrem haus sehe ich verteufelte Anstalten. Was haben Sie denn in's Kukuks Namen mit der heiligen Hermandad zu schaffen?"
"Coeur de rose! ist das nicht unangenehm!" lachte der Baron. "Aber Euer Durchlaucht sollen die Ursache gleich erfahren. Nicht wegen einer Kleinigkeit erlaubte ich mir, Sie hieher zu bitten. Sie hatten mehrmals die Gnade, mich Ihrer Erkenntlichkeit zu versichern und vorkommenden Falls Ihre Hilfe zu geloben. Ich muss dieselbe für heute Abend in Anspruch nehmen."
"Tun Sie das, bester Baron; Sie werden sehen, ob Sie einen Undankbaren an mir finden. Ich werde Ihre grossen Dienste nie vergessen, obgleich unser letzter Coup, der mit den Achselbändern, gegen uns selbst explodirt hat. Sie wissen doch bereits, dass die Verlobung zwischen Eugenie und Graf Fohrbach bestimmt ist und morgen beim Diner des Kriegsministers deklarirt werden soll, auch dass die Hochzeit in ganz kurzer Zeit stattfinden wird? O, die Undankbare!"
"Ja, sie hat ihren Vorteil nicht verstanden," entgegnete Herr von Brand mit einem ironischen Lächeln.
"Aber schnell, bester Baron!" rief der Herzog, "womit kann ich Ihnen dienen? Sie wissen, dass ich immer pressirt bin, namentlich heute Abend. Unter uns gesagt, man stellt im kleinen Cercle ein neues Ehrenfräulein vor. Die Stelle der stolzen Eugenie muss doch besetzt werden und dabei –"
"Dürfen Sie Glücklicher zugegen sein. Also keine Zeit verloren, schnell zu unserem Geschäft! Sie haben die Polizei gesehen?"
"Pfui Teufel! ja."
"Haben Euer Durchlaucht gestern oder heute keine Gerüchte über mich in der Stadt gehört?"
Der Herzog sann einen Augenblick nach. "Ja, versteht sich!" rief er alsdann, "Duell mit Herrn von Dankwart. Er widerspricht freilich, aber die Stadt ist voll davon. – Ah, Teufel! jetzt verstehe' ich. Das will man verhindern."
"So scheint es."
"Sie haben Hausarrest!"
"Ich vermute fast."
"Ah! Das leiden wir nicht. Und wollen Sie nicht mehr als meine Hilfe, um dieser Polizei unten eine Nase zu drehen?"
"Nicht bloss der Polizei da drunten allein," versetzte laut lachend der Baron, "sondern auch Seiner Excellenz, dem Präsidenten, der jeden Augenblick erscheinen