1854_Hacklnder_152_43.txt

Schund! – Das zieht! – Die schönsten Uebersetzungen gehen nicht mehr und die besten deutschen Originalwerke, für die der Verleger Zeit und Kosten aufgewendet, bleiben schmachvoll liegen. Pfui Teufel! – Die besten, besten Werke!"

"Vierhundert Mittel gegen die Engbrüstigkeit und den Husten," sprach Herr Beil, indem er seine Feder tiefer als gewöhnlich in's Dintenfass tauchte. – "Gestatten Sie davon Disponenda?" fragte er den Prinzipal, indem er sein linkes Auge, welches Herr Blaffer nicht sehen konnte, gegen den Lehrling auf eine bedeutungsvolle Art zukniff, so dass dieser harmlose junge Mensch beinahe laut aufgelacht hätte.

Herr Blaffer legte nach einer kleinen Weile das Postpaket seufzend nieder und versetzte: "Wenn Onkel Tom nicht wäre, oder ein paar gangbare Dumas'sche Romane, so sollte mich der Teufel holen, wenn ich noch länger deutscher Buchhändler bliebe. Da haben wir vierzig anständige Bestellungen auf die Hütte; nehmen Sie und lassen Sie solche gut versenden." – Damit reichte er ein Paket über den Pult hinüber. – "Ich hätte, weiss Gott, nie gedacht," fuhr er nach einer Pause mit einem grinsenden lachen fort, "dass der Sklavenhandel so ergiebig wäre. Es ist doch was Schönes darum, wenn man so jeden Posttag seine vierzig Schwarze verhandelt."

"Ja, ja," entgegnete der Commis wie tiefsinnig, "dazu haben Sie auch alles Zeug, Herr Blaffer; Sie haben eigentlich Ihre Bestimmung verfehlt."

"Und welche Bestimmung, Herr Beil, wenn ich fragen darf?"

"Sie hätten Ihren Papa seliger bitten sollen, dass er Sie in irgend einem Sklavenlande geboren werden liess, da würden Sie mit der Zeit ganz artige Beiträge zu einer zweiten Ausgabe irgend einer Onkel Tom's Hütte geliefert haben."

Der Principal begnügte sich, die Achseln zu zucken und dann mit der Hand an seine Stirne zu fahren, als wollte er auf solche Art pantomimisch anzeigen, wo die schwache Seite seines Commis eigentlich zu finden sei.

Herr Beil stöberte unterdessen eifrig in den Bestellzetteln und sortirte unter den vierzig, die ihm übergeben, mit sichtlichem Wohlbehagen einige Zehn heraus, die er lächelnd über den Pult zurück schob, indem er sagte: "Sie haben sich ein wenig geirrt, Herr Blaffer; auf diesen Zetteln werden allerdings Onkel Tom's Hütten verlangt, aber von anderen Firmen."

Der Buchhändler, der unterdessen das Bestellbuch eifrig durchgesehen, würdigte diese Einwendung gar keiner Antwort, sondern schob die Zettel mit der Hand wieder zurück und versetzte anscheinend ruhig und bestimmt: "Wenn ich Ihnen Zettel zur Auslieferung übergebe, so liefern Sie aus und machen mir weiter keine unnützen Bemerkungen, denn – –"

Da der Principal seinen Satz nicht beendigte, so hielt sich der Commis hiezu für verpflichtet und sagte: "Ich bin der Herr und ihr seid die Sklaven. – Also vierzig Onkel Tom's Hütte, erster teil. – Gut!"

In diesem Augenblicke wurde leise und bescheiden an die tür geklopft.

Der Buchhändler, der dies wohl hörte, tat übrigens nicht, als ob ihn das klopfen im Geringsten anginge, Herr Beil ebensowenig, obgleich er einen Augenblick in die Höhe schaute. Nur der harmlose Lehrling, der sich am nächsten bei der tür befand, wandte das Gesicht herum und rief von "Herein!" die erste Sylbe, die zweite aber blieb ihm in der Kehle stecken, denn er erinnerte sich augenblicklich eines Verbots des Principals, nicht "Herein!" zu rufen, bis ein zwei- oder dreimaliges klopfen erfolgt sei.

Herr Blaffer hatte dafür seine guten Gründe und er pflegte zu sagen: wer zwei- oder dreimal klopft, der verlangt selten was von uns, wer aber einmal und so bescheiden anpocht, ist grösstenteils ein Bettler oder unbekannter Schriftsteller.

"Habe ich Ihnen nicht schon hundertmal gesagt," lispelte der Principal mit gedämpfter stimme, aber trotzdem sehr eindrucksvoll, "dass Sie Ihr Maul halten sollen, wenn angeklopft wird! Wie können Sie überhaupt Herein! rufen? – Wer will zu Ihnen? – Niemand! Sie –"

"Junger Sklave!" ergänzte Herr Beil, wobei er aufmerksam eine Illustration zum bewussten buch anschaute, als gälte dieser der besagte Ausruf.

Indessen klopfte es zum zweiten Male und etwas lauter.

Auch diesmal gab der Buchhändler keine Antwort; doch wurde der erste Commis von einem gewaltigen Husten überfallen, der ihm einen bösen blick des Chefs eintrug und worauf sich dieser denn nun veranlasst sah, sein gastliches "Herein!" erschallen zu lassen.

Die tür öffnete sich und der alte Mann trat herein, den wir vom Kirchhofe, vom grab seiner Tochter, hieher begleiteten und dem wir vorausgeeilt sind.

Begreiflicher Weise hatte er seinen Hut schon draussen abgenommen, und als er nun so demütig an der tür stehen blieb, strich er verlegen sein weisses Haar von der Stirne zurück, begrüsste den Principal, den Commis und sogar den Lehrling.

"Ah! Herr Staiger!" sagte der Principal, indem er ihn mit einer Handbewegung begrüsste. "Setzen Sie sich einen Augenblick dort auf die Kiste, ich muss hier eben einen wichtigen Artikel in der Buchhändlerzeitung durchlesen, der auch auf Sie einige Beziehung hat."

Bei diesen Worten warf Herr Blaffer einen schnellen blick auf seinen Commis, doch war Herr Beil anscheinend gänzlich vertieft in die Beschauung seiner Zettel.

Der alte Mann liess sich auf die Kiste nieder, nahm seinen Hut zwischen die Kniee