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dem kopf.

"Sie haben das jetzt so ziemlich studirt," sagte er hierauf, "und wissen so gut wie ich, was ich auf der Welt mein nenne. geben Sie meinem Verwaltungstalent die Ehre und gestehen mir zu, dass ich mich sehr der Ordnung befleissigt."

"Musterhaft," entgegnete Herr Beil. "Obgleich mir die Berechnungen, die hier zu grund liegen, bis jetzt ziemlich unbekannt waren, so ist doch Alles so klar auseinandergesetzt, dass ich mich leicht hinein fand."

"Und nach den gegebenen Schemas," meinte der Baron, wobei er sich nachlässig in seinen Sessel zurücklehnte, "wären Sie demnach wohl im stand, die Verwaltung eine Zeitlang selbstständig zu führen, wenn ich zum Beispiel, was leicht geschehen könnte, eine längere Reise machen und Sie zurücklassen müsste?"

"Es sollte vielleicht gehen," sprach Herr Beil. "Doch haben Sie wohl nicht die Absicht, uns in der nächsten Zeit zu verlassen?"

"Wenn Sie morgen die nächste Zeit nennen, so muss ich Ihnen mit Ja antworten. Allerdings habe ich morgen einen kleinen Ausflug vor, denke aber jedenfalls morgen Abend um diese Zeit wieder zurück zu sein. Darnach projektire ich freilich eine weitere Reise," warf er leicht hin. – "Apropos," fuhr er nach einer Pause fort, indem er den Ton der stimme und das Gespräch plötzlich änderte, "Sie haben meinen Auftrag bei Seiner Durchlaucht, dem Herrn Herzog, ausgerichtet; ich bin begierig, etwas darüber zu vernehmen."

"Ich gab Ihren Brief in der Garderobe ab und nach ungefähr fünf Minuten liess mich Seine Durchlaucht herein kommen."

"natürlich. Und Sie trugen ihm meinen Wunsch vor?"

"Fast mit den gleichen Worten, mit denen Sie mir ihn aufgetragen. Und darauf lachte seine Durchlaucht laut auf und meinte, es solle an ihm durchaus nicht fehlen; er freue sich darauf und werde pünktlich sein."

"Das wollen wir sehen," entgegnete der Baron lächelnd, wobei er auf die Standuhr blickte, die auf dem Kamin stand. "Wir haben noch eine halbe Stunde Zeit, aber auch noch Einiges zu besprechen, lieber Beil, desshalb wollen wir keine Minute verlieren. Meine Schwester ist abgereist," sagte er mit einem leichten Seufzer.

"Ich hatte noch das Glück, die Frau Baronin zu sehen," entgegnete Herr Beil, "sowie auch meinen lieben, kleinen Pflegebefohlenen. Es tat mir wahrhaftig weh, als ich ihn davonfahren sah. Man gewöhnt sich leicht an so eine kräftige und gute natur."

"Was ich gerne aus Ihrem mund höre," antwortete der Andere. "Ich bin in der Tat glücklich, dass auch das Kind an Sie so anhänglich ist; und ich hoffe, Sie sollen lange, lange Jahre bei ihm bleiben, und wenn auch nicht sein Lehrer, doch sein Erzieher sein."

"Zum ersten Posten," erwiderte Herr Beil lachend, "fühle ich mich leider nicht gewachsen, es müsste denn sein, dass er den Buchhandel studiren sollte. Darin könnte ich schon was leisten."

"Dazu ist wohl keine Aussicht vorhanden," versetzte der Baron, "aber Sie bringen mich da auf etwas Anderes, was ich gerne erfahren möchte. Welche Nachricht haben Sie von unserem Prinzipal, von Johann Christian Blaffer und Compagnie? In der Zeit, wo Sie für ihn litten, vergass ich ganz darnach zu fragen."

Herr Beil schüttelte sein Haupt und sein blick war scharf und forschend, als er sagte: "Von einer gewissen geschichte haben Sie vielleicht zufällig gehört?"

"Ganz zufällig, aber doch weiss ich den Hergang ziemlich genau. Nur was nachher geschah, erfuhr ich nicht."

"Herr Blaffer hatte seine Handlung verkauft," sprach der Andere mit ernster stimme, "Firma, Büchervorräte, Verlagsrechte und Haus."

"Weiter! weiter!"

"Er beging die Unklugheit, die ihm ausgezahlte Kaufsumme in baarem Gelde bei sich zu verwahren. Sie wurde ihm geraubt, er war ein ruinirter Mann."

"Worin man einige Gerechtigkeit entdecken könnte," meinte der Baron.

"Die ich aber nicht verantworten möchte," sagte ruhig Herr Beil. "Anfänglich war er natürlich in Verzweiflung und wie ich vernahm, so soll er sogar in einer gewissen Nacht am Kanal gesehen worden sein, kehrte aber lebend zurück."

"Ohne dass ihn ein Gespenst gewarnt," bemerkte der Baron in sehr ernstem Tone. "Nun ja, es war das nicht der Mühe wert, sich das Leben zu nehmen; ich halte Herrn Blaffer für einen spekulativen Kopf, er wird sich wieder emporarbeiten."

"Nie mehr," entgegnete Herr Beil, wobei er zu Boden blickte. "Sein Mut ist gebrochen, seine Lebenskraft vernichtet; er verlor in jener Nacht Alles."

"Ein Verlust, der auch Sie betraf, mein armer Beil," sprach der Baron. "Doch Sie werden sich zu trösten wissen."

"Ich liess alles das am Kanal zurück, oder vielmehr schon in dem haus selbst; ich hatte ja gar keine Aussichten, ich wusste, dass sie für mich verloren war. Doch hören Sie weiter! In dem Verkaufs-Vertrage bedingte sich Herr Blaffer eine kleine Stelle; es war das eine Stellung mit miserablen Bedingungen, zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Er hatte sie für unsern bisherigen Lehrling, für