bei Bekannten ein Wort fallen lassen, ich hätte morgen ein ernstliches Rencontre."
"Mit Herrn von Dankwart?"
"Sie brauchen meinetwegen keinen Namen zu nennen. Das Faktum ist genügend. Haben Sie mich verstanden, Hugo?"
Dieser schaute, ohne eine Antwort zu geben, den Baron lange und mit einem festen Blicke an, dann sagte er mit leiser stimme, während er seine Hand ergriff und drückte: "Ja, ich glaube, Henry, dass ich Sie verstanden habe."
"Nun denn – und was weiter?" entgegnete fast lustig der Baron. "Auch Sie haben sich nicht vor einer Kugel gescheut und vor jedem Duell gedacht: es kann ausfallen wie es will!"
"Das habe ich nie gedacht," versetzte kopfschüttelnd der Andere. "Ich hoffte, das gestehe ich Ihnen, und S i e hoffen nicht mehr."
"Ich h o f f e auch, denn ich zweifle nicht –"
"An dem Ausgang dieses sogenannten Duells. – Sie kennen das blutige Ende desselben."
"Vielleicht. Und wenn dem so wäre?" fuhr Herr von Brand nach einer Pause in schrecklich ruhigem Tone fort. "Wenn mir nur noch vierundzwanzig Stunden gegeben wären – eine kurze Frist, in der ich mich zu entscheiden habe, ob ich, was wir so nennen, mit Ehren von diesem Schauplatz abtreten soll, oder in Schande und Schmach fortleben? – Keine Einrede, Hugo, hören Sie mich: Ich habe eine Schwester," sprach er mit bewegter stimme; "die Welt weiss das freilich noch nicht, aber lassen Sie den Baron Brand – Veranlassung geben, dass man sich eifrigst, aber unerbittlich um sein früheres Leben bekümmert, o so wird man Fäden finden, glauben Sie mir, die bis zu jener Zeit zurückreichen, wo ich Hand in Hand mit meiner Schwester ging. Die Welt wird erfahren, dass es der Bruder ist, den man des sorgfältigen Aufhebens für wert erachtet, das wird ihre Zukunft vergiften, die ihres Kindes. Und soll ich Ihnen noch weiter sagen, Hugo, wen es unglücklich machen muss, wenn ich die letzten mir bewilligten vierundzwanzig Stunden nicht auf's Sorgfältigste anwende? O, Sie müssen das einsehen. Jener Pistolenschuss – den im Duell meine ich – zerreisst alle Fäden, und mag dann mein Schwiegervater in spe," setzte er schrecklich lachend hinzu, "seine Nase noch so bedächtig herabziehen, er wird auf einen stillen Grund stossen und auf einen stillen Mann, dem es unmöglich ist, ihm Rede und Antwort zu stehen."
"Schrecklich!" sprach Herr von Steinfeld tief ergriffen. "Entsetzlich, Henry, so enden zu müssen!"
"Enden? das ist eben die Frage," entgegnete der Baron in leichtem, gefälligem Tone; "ich habe mich heute stark mit dem göttlichen Hamlet beschäftigt und mir, wie der Dänenprinz selbst gesagt:
'– Sterben – schlafen –
Schlafen! Vielleicht auch träumen! – Ja, da liegt's;
Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen,
Wenn wir den Drang des Ird'schen abgeschüttelt,
Das zwingt uns still zu steh'n. – – – –'
Wissen Sie, Hugo, wenn man seine Papiere ordnet, kommen einem seltsame Gedanken, und es ist mir oft wie ein Trost, wenn ich denke, dass doch vielleicht jenseits Fesseln brechen und andere angelegt werden, dass sich vielleicht das Sklavenleben, dem wir hier entgehen, drüben in grossartigem Massstabe fortsetzt, denn mag es sein, wie es will, eine Fortdauer ist doch schön, und was uns allein vor dem tod zurückbeben macht, ist der Gedanke gänzlicher Vernichtung, der ja auch unserer Eitelkeit so ganz unfasslich erscheint. – Aber jetzt genug der Plaudereien und verzeihen Sie mir, Hugo, wenn ich Sie bitte, mich allein zu lassen. Bis morgen also!"
"Gewiss, Henry, bis morgen! Versprechen Sie mir das?"
"Auf alle Fälle," entgegnete der Baron mit sehr freundlichem Tone. "Morgen sollen Sie mich wiedersehen."
Noch einmal drückte ihm der Andere herzlich beide hände, dann verliess er schweigend das Zimmer.
Der Baron schaute ihm einige Augenblicke in tiefe Gedanken versunken nach, dann sprach er zu sich selber: "Es durchschauert mich ein winterliches Gefühl; es ist mir, als stünde ich auf hohem Berge, ein stolzer Baum, als flatterte ein Blatt um das andere von meinen Zweigen herab und als hörte ich entfernt das Sausen des Sturms, dem ich nicht ferner widerstehen kann. – Doch weg mit diesen finstern Bildern!" Damit ging er an den Tisch, läutete abermals mit der Glocke, und als der Kammerdiener eintrat, sagte er: "Herr Beil soll kommen."
Es dauerte nicht lange, so trat der Gerufene ein; es war mit kleinen Veränderungen noch immer der alte Beil von früher. Diese Veränderungen bestanden in einem sehr geordneten Anzuge und einem gewissen Ernst, der sich auf seine Züge gelagert hatte; er schritt ziemlich würdevoll einher, trug verschiedene Papiere in der Hand und hatte ganz das Ansehen eines diensttuenden Sekretärs. Als solcher fungirte er auch in der Tat. Der Baron wünschte ihm freundlich einen guten Abend, liess sich dann in seinen Fauteuil nieder, worauf ihm der Andere einige der mitgebrachten Papiere vorlegte. Herr von Brand sah dieselben bald flüchtig bald aufmerksam durch, blickte jetzt nachsinnend an die Decke empor und nickte dann mit