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er die Augen und dann fuhr aus ihnen ein eigentümlicher Blitz über die Tänzerin. Dieser Herr trug einen braunen Ueberrock bis an den Hals zugeknöpft, so dass man nichts sah als eine weisse Halsbinde, wodurch übrigens die fahle Gesichtsfarbe ein wenig aufgefrischt wurde.

Terese hatte sich nach Clara's und ihres Vaters, sowie auch nach dem Befinden der Kinder erkundigt, auch gesagt, sie habe schrecklich viel zu tun und wisse nicht, wo ihr der Kopf stehe, während welcher Zeit ihr Begleiter in der Nähe der tür verharrte. Erst als sich Clara erhob, um denselben zu begrüssen und ihn mit einem blick auf Terese zu bitten, gefälligst näher treten zu wollen, wandte diese den Kopf herum und sprach leichtin: "Du brauchst dich hier gar nicht zu geniren, Berger, das ist Herr Staiger und meine gute Freundin Clara; wir sind hier ganz unter uns. Dort ist ein Stuhl, den kannst du dir mitbringen. – Mein Bräutigam," wandte sie sich mit einer Handbewegung an Herrn Staiger, dann warf sie den Kopf etwas in die Höhe und fuhr ernster fort: "Ich brauche dir wohl nicht zu sagen, liebe Clara, dass ich meine Brautvisiten mache. – Gott! es ist das schrecklich langweilig," setzte sie leiser hinzu.

"Ah! da gratulire ich," versetzte herzlich Herr Staiger, indem er dem Bräutigam die Hand schüttelte und demselben dabei mit einem kleinen Rucke zum Sitzen verhalf, denn Herr Berger schwebte einige Sekunden lang über dem stuhl, und schien es für passend zu halten, auf diese Art die Gratulation in Empfang zu nehmen.

"Da hast du viel zu tun," sagte Clara nach einer Pause, während welcher sie den Bräutigam und ihre schöne Freundin einen Augenblick forschend betrachtet.

"Es geht so," erwiderte Terese in nachlässigem Tone; "ich habe anfänglich gar keine Besuche machen wollen, aber Berger meint, es sei notwendig, und ich meines Teils habe mir auch die neue Verwandtschaft ein bischen ansehen wollen. – Und das war in der Tat der Mühe wert," platzte sie nach einigen Sekunden lachend heraus. "Du hättest die Gesichter sehen sollen! Berger hat eine grosse und auch, was man so nennt, eine vornehme Verwandtschaft: wohlhabende Kaufleute, ja Regierungs- und Kanzleiräte. Ich sage dir, Clara, ein Paar von diesen Damen schnitten mir Gesichter, als müssten sie Rhabarber verschlucken; aber wie du mich kennst, hat mich das ungeheuer amüsirt. Nicht wahr, Berger, ich habe mich gar nicht blöde benommen?"

"O nein," erwiderte der Bräutigam, wobei er seinen Hut herumdrehte und nun angelegentlich die obere Fläche betrachtete. – "Du hast ihnen recht gut gefallen."

"Das will ich meinen," fuhr Terese lachend fort. "Auch ich bin so ziemlich mit ihnen zufrieden; ich habe sie meiner ganzen Gnade versichert, und wenn sich deine Verwandtschaft gut aufführt, so soll sie mit mir zufrieden sein."

"Und Sie werden bald heiraten?" fragte Herr Staiger, der den Bräutigam schon eine Zeitlang teilnehmend betrachtet hatte.

Dieser schielte zu dem alten Herrn hinüber und erwiderte: "O ja, recht baldwenn Terese will."

"Das versteht sich von selbst. Man muss doch mit der geschichte einmal ein Ende machen. Ich hoffe, liebe Clara, du erhältst mich in deiner Freundschaft. Hast du einen Augenblick für mich übrig?" setzte sie leise hinzu; "ich hätte dir etwas zu sagen, was nur uns allein angeht."

"Du weisst," entgegnete Clara errötend, "dass wir ausser der kammer draussen nur dieses Zimmer haben. Wenn du mit mir dortin gehen willst –"

"O das ist gar nicht nötig," versetzte die Andere, indem sie sich erhob, "komm, treten wir an den Ofen." Das hatte sie Alles in gedämpftem Tone gesprochen, und setzte nun mit lauter stimme hinzu: "Berger, du wirst dich einen Augenblick mit Herrn Staiger unterhalten; ich habe mit Clara etwas abzumachen." Damit nahm sie diese unter dem Arm und trat mit ihr an den Ofen. Herr Berger begann, dem erhaltenen Winke gemäss, augenblicklich über das Wetter zu sprechen, und meinte, es sei noch immer recht kalt, doch da jetzt der Winter vorbei sei, habe man Hoffnung, dass, dem gewöhnlichen Laufe der Dinge nach, nun doch am Ende das Frühjahr erscheine.

Terese stützte die rechte Hand auf die kleine Kinderbettlade, die hinter dem Ofen stand, und sah ihrer Freundin so fest und forschend in die Augen, dass sie dieselben niederschlug. "Nun wie steht's mit deiner Sache?" fragte sie darauf.

Clara erhob den blick, schüttelte leicht mit dem kopf und entgegnete mit sanftem Tone: "Ich weiss von nichts, will auch von nichts wissen."

"Und er hat gar nicht einmal den Versuch gemacht, dich zu sprechen?" versetzte die Andere, wobei sie den Kopf ärgerlich in die Höhe warf. "Nicht einmal den Versuch gemacht?"

"O doch," sagte Clara nach einem kleinen Stillschweigen, wobei ihre Blicke abermals den Boden suchten. "Wie es mir scheint, machte er zuweilen den Versuch, mich zu sehen; aber ich weiche ihm aus und vermeide ihn."

"Daran tust du nicht ganz unrecht, aber du musst es nicht zu weit treiben."

"Was ist