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Und Marianne setzte mit leiser stimme hinzu: "Madame wasser ist ganz auf die Seite meiner Schwägerin Berta getreten."
"Um sie auszuhorchen und viel Böses über uns zu hören, denn –!" rief der alte Herr. Doch machte ihn ein blick seiner Frau verstummen.
Diese hatte ihren Kopf drohend erhoben, als sie sich so unterbrochen sah, und sagte dann, nachdem sie leise auf die Briefe getrommelt: "Die wasser schreibt mir, es sei doch ein bischen stark von Eduard gewesen, das bewusste Kind der person in sein eigenes Haus zu bringen. Was man über dieses Kind denke, habe er schon daraus entnehmen können, dass sämmtliche Dienstboten des Hauses – vortreffliche Dienstboten, wie die wasser sagt – darauf hin augenDer Kommerzienrat lachte krampfhaft hinaus, er – "Ich habe es von jeher für meine Pflicht gehal
Ihre
verwittwete Tutelarrätin."
"Ein vortrefflicher Brief das," meinte der Kommerzienrat. "Aber da du einmal bei der Korrespondenz bist, so lass uns auch hören, was deine teure Freundin Louise schreibt."
Die Bitte des Gemahls wäre eigentlich überflüssig gewesen, denn Madame Erichsen hatte schon unaufgefordert das andere Billet eröffnet und las:
"Liebe Lotte! Du hast uns auf nächste Woche zu einer Soirée eingeladen und, wie ich höre, sollen viele Leute kommen. Nimm mir nicht übel, aber ich würde das an deiner Stelle nicht tun. Die traurigen Geschichten deines Hauses sind noch zu neu und die Leute sagen, das entwickle sich noch immer mehr. Wie i c h denke, liebe Lotte, weisst du, aber wir Beide können nun einmal die Welt nicht anders machen. Ich schreibe dir eilig, damit du deine Einladungen noch nicht machst. Wenn die Menschen nur nicht so böse wären! Aber glaube mir, Viele haben die probe der lebenden Bilder und die geschichte mit der Doktorin F. noch lange nicht vergessen. Dass ich am allerwenigsten auf Stadtgeklatsch etwas gebe, brauche ich dir wohl nicht zu sagen; auch wundert mich gar nichts mehr, denn die Menschen sind zu bösartig, und wenn ich auch gewiss nicht dazu beigetragen habe und beitragen werde, dergleichen Klatschereien zu verbreiten, so kann ich dir doch nicht verschweigen, dass in der Tat das Gerede geht, du beabsichtigest, um der ganzen Gesellschaft zu zeigen, dass du dich um ihre Meinung gar nicht kümmerst, uns deine neue Schwiegertochter zu präsentiren, die sogenannte Braut des Herrn Artur. Soll ich dir nochmals wiederholen, dass dergleichen Verleumdungen auf mich nicht den geringsten Eindruck machen? Ich halte das für überflüssig; denn du weisst, wie sehr ich bin und bleibe
deine treue Freundin
L o u i s e ."
Die Hand der alten Dame zitterte leicht, während sie die Briefe zusammenfaltete und vor sich hinlegte.
"Und das schreiben deine bewährtesten Freundinnen, Mama?" fragte schmerzlich Marianne.
"Es ist doch ein wahres Sprichwort," bemerkte zornig der alte Herr, "Gott bewahre mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden will ich schon fertig werden. Und die sogenannten Feinde unseres Hauses, eigentlich nur die Feinde von Mama," setzte er mit Nachdruck hinzu, "wie haben sie sich benommen, seit diese traurigen Geschichten ruchbar wurden! Ich will nur an den Doktor und namentlich an die Doktorin F. erinnern. – Gesteh' es mir, Charlotte," wandte er sich an seine Frau, "die neuliche Unterredung mit der haben selbst dich ergriffen und gerührt."
"Warum s e l b s t m i c h ?" fragte strenge die Rätin, ohne dabei einen Zug ihres Gesichts zu verändern.
"Ah! selbst dich, – das kann man in dem Falle doch wohl sagen," meinte behutsam der alte Herr. "Du hattest doch ein Vorurteil gegen die Doktorin."
"Ja, ich hatte es," erwiderte nach einer Pause die Rätin. Und als sie nach diesen Worten in ihr Sacktuch hinein hustete, klang dieser Husten viel weicher, auflösender als sonst.
"Nun, wenn ich recht verstanden habe," entgegnete etwas heiterer Herr Erichsen, "so war das ein gutes Wort, das Mama eben aussprach."
"Und Mama hat so Recht darin," sagte liebevoll Marianne, indem sie sich dem Sopha näherte. "Glauben Sie mir, die Doktorin F. ist eine herrliche, vortreffliche Frau."
Die Rätin schaute ihre Tochter mit einem einigermassen argwöhnischen Blicke an.
"Und höheren Orts sehr gelitten," fügte wichtig der Kommerzienrat bei. "Ich weiss bestimmt, dass sie zuweilen in die kleinen Cirkel der Frau Herzogin kommt."
Die Rätin schaute ihren Mann an.
"Und mir ist das sehr angenehm," fuhr Marianne fort, "denn ich bin überzeugt, die Doktorin wird denen die Geschichten unseres Hauses auf wahre und gute Art auseinandersetzen."
Der blick der Rätin, den sie jetzt auf ihre Tochter warf, war nicht mehr argwöhnisch, ja man hätte glauben können, sie nicke mit dem kopf, doch war dies, wenn es wirklich geschehen, so undeutlich, dass man es nicht recht behaupten konnte.
"Was übrigens die höhere Gesellschaft anbelangt," sagte der Kommerzienrat, indem er sich in die Brust warf, "so kennt man dort das Haus Erichsen, und wenn wir gewollt hätten, würde es uns ein Kleines gewesen sein, uns dort hinein zu lanciren, zum furchtbaren Aerger deiner Freundin wasser und deiner treuen Louise.