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durch die Apartements machen."

Im grossen Saal ward unterdessen beharrlich getanzt, im kleinen Salon anhaltend geplaudert, und im gelben Zimmer ziemlich stark gespielt worden. Herr von Dankwart, der, wie wir wissen, so glücklich gewesen war, zum Spiel der beiden Excellenzen gezogen zu werden, hatte sich dort behauptet und würde diesen Platz, so nahe bei den fürstlichen Personen, um Alles in der Welt nicht verlassen haben. Doch spielte er dabei ziemlich zerstreut, was ihm schon hie und da eine kleine Rüge eingetragen hatte.

"Das ist zu stark!" rief jetzt der Hofmarschall mit einem zornigen blick auf den kleinen Mann; "Sie sind wirklich über alle massen zerstreut, da haben Sie wahrhaftig meinen Buben gestochen."

"Allerdings," fügte lächelnd der Oberststallmeister, der mit dem Blinden spielte, bei. "Herr von Dankwart ist in der Tat mit seinen Gedanken anderswo. Was beschäftigt denn so Ihren Geist?"

"Er wird in Gedanken bei den vortrefflichen Abbildungen sein, die ein berühmter Künstler von ihm gemacht," sagte plötzlich eine klangvolle stimme hinter den Schultern des kleinen Herrn.

Worauf dieser rasch herumfuhr und mit zornigem Blicke einen Mann hinter sich stehen sah, der ein einfaches, aber auffallendes Kostüm trug, und obgleich nicht maskirt, ihm doch unbekannt war.

Der Fremde lächelte, als er diese Worte gesprochen hatte, dann stützte er die Rechte an die Seite und die Linke auf den weissen Griff eines Tscherkessendolches, den er am Gürtel trug.

"Hm! hm!" machte der Hofmarschall ein klein wenig verlegen, und Seine Excellenz der Oberststallmeister biss sich mit einem halb unterdrückten Lächeln auf die Lippen.

"Ein Maskenscherz," sagte nun Herr von Dankwart mit einem sehr erkünstelten lachen.

"Durchaus kein Maskenscherz," fuhr der Fremde fort. "Es sind in Wahrheit sechs Portraits, jedes so sprechend ähnlich, wie ich nie etwas gesehen."

"Also Sie haben sie gesehen?" fragte lauernd der kleine Mann.

"Es kann sie Jedermann sehen, der den Eigentümer besucht."

"Und wer ist dieser Eigentümer?" rief Herr von Dankwart mehr und mehr aufgeregt.

"Ich habe keine Ursache, das zu verschweigen," entgegnete der Andere ruhig. "Baron von Brand macht kein geheimnis daraus, diese sechs wertvollen Abbildungen zu besitzen."

"Aber was ist denn das mit den sechs Abbildungen?" fragte boshafter Weise der Hofmarschall.

"Eine Schändlichkeit, eine Niederträchtigkeit!" brauste endlich Herr von Dankwart auf, "die man höheren Orts nicht ungeahndet lassen wird. Wissen Sie, meine Herren, ein elender Maler, ein Sudler, den ich mit mehreren schlechten Bildern abzuweisen für notwendig hielt, hat sich nun dafür gerächt, indem er niederträchtige Karrikaturen auf mich gemacht. Nun, ich teile dies los mit den bedeutendsten Männern aller Zeitalter, bin auch nicht kleindenkend genug, jenen unbedeutenden Pfuscher dafür zu fassen. Aber mit dem Herrn von Brand, der sich, wie ich schon seit einigen Tagen gehört, ein boshaftes Vergnügen daraus macht, die schlechten Blätter bald Diesem, bald Jenem zu zeigen, werde ich ein ernstes Wort reden."

"Darauf ist Herr von Brand gefasst und sehr begierig, dies ernste Wort zu vernehmen."

Der kleine Mann mass den ihm zur Seite Stehenden, der übrigens in sehr ruhigem Tone sprach, von Oben bis Unten, und sagte dann nach einer Weile: "Und wer sind Sie, der sich hier unberufen eindringt?"

"Nicht unberufener als mancher Andere," erwiderte der Fremde. "Uebrigens bin ich einer Ihrer Verehrer, Herr von Dankwart. Ich staune Sie an, denn Sie haben Grosses geleistet."

Der Angeredete beantwortete dieses zweifelhafte Kompliment mit verächtlicher Miene und einem Achselzucken.

"Ja, Sie haben Grosses getan; Sie haben es in der kurzen Zeit Ihres Hierseins verstanden, sich durch Ihr anmassendes Betragen, durch Ihren unergründlichen Hochmut, durch Ihre beispiellose Grobheit bei Hoch und Niedrig verhasst zu machen. Und das ist keine Kleinigkeit bei der allgemeinen Liebe und achtung, welche Ihre Herrin geniesst, von deren Glanze, wenn auch unverdienter Weise, etwas auf Sie überging."

Obgleich diese Worte mit grossem Ausdruck gesprochen wurden, so hatte der Fremde seine stimme doch dabei gedämpft, so dass sie nur von den Mitspielenden verstanden wurde. Doch sprang Herr von Dankwart bleich vor Zorn von seinem stuhl auf und sagte mit zitternder stimme: "Ihren Namen, Herr, ich muss Ihren Namen wissen! Danken Sie es diesem Orte, dass ich nicht anders mit Ihnen verfahre. Aber wenn Ihre Unverschämteit nicht von Feigheit begleitet ist, so werden Sie mir Ihren Namen sagen."

"Coeur de rose!" lachte nun plötzlich der Fremde mit ganz anderer stimme, "Sie und ich haben meinen Namen vorhin schon ausgesprochen, und der B a r o n v o n B r a n d wird Ihnen gern den Gefallen tun, ihn nochmals vor diesen beiden Herren zu nennen."

Die Excellenzen hoben erstaunt die Augen empor, und wenn sie auch die stimme des baron erkannten, und desshalb wussten, dass er es sei, war es ihnen doch nicht möglich, auch nur einen Zug des ihnen wohlbekannten Gesichtes zu entdecken.

"Eine vortreffliche Maske!" rief der Oberststallmeister.

Und der Hofmarschall setzte argwöhnisch hinzu: "Ja, recht vortrefflich; Herr von Brand versteht das meisterhaft, zweierlei Gesichter zu zeigen."

Herr von Dankwart tat einen tiefen