."
"Ah! Sie wollen doch nicht –?" rief der Graf erschreckt aus.
"Dem natürlichen Lauf der Dinge vorgreifen?" versetzte lächelnd der Baron. "O gewiss nicht; das würde ja einen Schatten auf meinen Namen werfen und den teuren Freunden, die ich hier zurücklasse, unangenehm sein. – O nein, denken Sie das nicht; ich will nur ein wenig der Lenker meines eigenen Schicksals sein, und wenn mich dasselbe zwingt, diese Welt zu verlassen, so wird es auf die alleranständigste und unbefangenste Weise geschehen."
"Baron, Sie sprechen in Rätseln."
"Die Ihnen baldigst klar werden sollen, das verspreche ich Ihnen. Doch keine vorzeitige Trauer, Herr von Steinfeld, nicht dies erschreckte Auge, Graf Fohrbach! Denken Sie, es habe Ihnen Jemand ein vielleicht nicht uninteressantes Kapitel eines Romanes vorgelesen. Grübeln Sie nicht weiter darüber nach, schlagen Sie für heute das Buch zu; Sie sollen in einiger Zeit den Schluss des Romanes erfahren und er wird Sie nicht unbefriedigt lassen. – Aber, coeur de rose!" fuhr er nach einer Pause, nachdem er auf die Uhr gesehen, in dem uns bekannten leichten und gezierten Tone fort, "wir haben hier fast eine Stunde verplaudert und ich glaube, es ist unsere Pflicht, uns jetzt wieder dem Balle zu widmen." Damit trat er von dem Kamine weg, dehnte sich ein wenig und wollte in den Saal zurück.
"Noch Eins!" bat Graf Fohrbach, ihn zurückhaltend. "Wäre es von mir indiskret, zu fragen, ob Sie bei der geschichte mit den Achselbändern die Hand im Spiele gehabt? O, wenn es Ihnen möglich ist, so sagen Sie es mir; mein ganzes Lebensglück hängt daran."
"Seien Sie unbesorgt," erwidert lächelnd der Baron, "noch eine Stunde vor dem Balle waren die Achselbänder weiss, und ich möchte Zehn gegen Eins wetten, dass sie wieder so erscheinen, ehe der Ball zu Ende geht."
"Darnach will ich schauen!" rief entzückt der junge Mann, drückte dem Andern die Hand und eilte davon.
In diesem Augenblicke trat der Herzog von der entgegengesetzten Seite in die Gallerie und als er den Bekannten erschaute, zeigte er ihm schon von Weitem ein Papier. Näher kommend sagte er: "Das hat einige Mühe gekostet, aber es ist ganz so, wie wir es gewollt. Sie können heute noch davon Gebrauch machen. – Aber was geschieht nachher mit der armen Frau? Sie wird nicht in das Haus ihres Gemahls zurückkehren wollen. Was meinen Sie: soll ich sie unter meinen Schutz nehmen?"
"Mir wäre der von der Frau Herzogin schon lieber," versetzte lächelnd der Baron. "Wollen sich Euer Durchlaucht erinnern, dass es mir gelang, Ihnen einige kleine Dienste zu leisten und dass Sie versprachen, mir Gleiches mit Gleichem vergelten zu wollen."
"Allerdings und ich nehme mein Wort nicht zurück."
"Nun wohlan, Sie haben jetzt die beste gelegenheit dazu. Wenden Sie Ihren Einfluss dazu an, der Baronin v. W. ein anständiges Asyl zu verschaffen – bei der Frau Herzogin, am liebsten aber bei Ihrer Majestät selbst."
"Das wird schwer angehen, bester Baron."
"Aber es wird doch gehen, Durchlaucht," erwiderte der Andere bestimmt. "Sehen Sie, ich gebe Ihnen Ihre Antworten von früher zurück, und wenn Sie so sprachen, so tat ich mein Uebermögliches und die Sache ging."
"Ja, das wissen wir," versetzte lachend der Herzog. "Und ich will denn gerade so tun, auf die Gefahr hin, meinen guten Ruf zu verlieren."
"Ihr herzogliches Wort darauf, Durchlaucht?"
"Mein Wort. – Und gleich will ich die Sache in's Werk zu setzen versuchen; man muss das Eisen schmieden, so lange es warm ist." Damit eilte er nach dem Tanzsaale zurück.
Der Andere trat wieder in das rote Kabinet, wo Hugo von Steinfeld noch immer zusammengekauert vor dem Kaminfeuer sass. Der Baron berührte leise seine Schulter und als er in die Höhe fuhr, zeigte ihm derselbe das erhaltene Papier und sagte mit sanfter stimme: "Dies hier gibt mir das Recht, der Frau von W. noch heute Abend ihre Freiheit anzukündigen."
"Und dann?" fragte der Andere, wobei ein lebhafter Blitz seinen Augen entfuhr.
"Dann wird Ihre Majestät der Unglücklichen ein Asyl bei sich vergönnen, bis –"
"Ah! Baron, ich zittere!" rief Herr von Steinfeld. – "Bis –"
"Bis ihre Scheidung ausgesprochen ist, was nicht lange dauern kann, da beide Parteien vollkommen einverstanden sind und ihre Wünsche von Oben herab gewiss protegirt werden. Und dann –" setzte der Baron mit einem eigentümlichen blick hinzu.
"Dann können wir Alle, Alle vielleicht noch glücklich werden!" rief stürmisch der junge Mann. "O meine Elise, o mein armes, kleines Kind!"
Die Augen des baron funkelten auf eine sonderbare Art, als der Andere so sprach; er drückte ihm die Hand und sagte: "Wenn es Ihnen recht ist, so begleiten Sie mich nachher."
"Ah, wie danke ich Ihnen, Baron! – Gehen wir sogleich!"
"In einer Viertelstunde," erwiderte der Baron mit ruhigem Tone. "Kommen Sie, ich muss vorher noch einen notwendigen gang