geheissen, sondern auch seine Frau im höchsten Grade mir verdächtigt hat."
"Hol' ihn der Teufel! Aber wie gesagt, Präsident, wir müssen einlenken. Wissen Sie, man wird von Oben herab nie befehlend in Ihre Geschäfte eingreifen, aber man erwartet dagegen, dass Sie etwas tun, um allerhöchste Wünsche, deren Ueberbringer ich bin, zu erfüllen."
Der Präsident überlegte zaudernd.
"Ich möchte um Alles in der Welt nicht melden, dass sich Euer Excellenz lange bedacht," sprach ernst der Herzog. "Und tun Sie gleich, was Sie tun wollen: ich möchte gern so bald wie möglich anzeigen, dass Alles in Ordnung sei."
"Dass ich den Arrest aufgehoben, der auf den Bewohnern jenes Hauses liegt?"
"natürlich vor allen Dingen, dass Sie die Baronin freigegeben. Mit dem andern volk können Sie machen, was Sie wollen."
Der Präsident schüttelte leicht den Kopf und erwiderte: "So wie Euer Durchlaucht meinen, geht das nicht. Vielleicht kennen Sie das grosse Wort: Gleichheit vor dem gesetz. Ich muss entweder Alle behalten oder Alle freigeben, und in letzterem Falle erklären, die Polizei habe sich geirrt. – Das wäre schrecklich."
"So tun Sie einmal das Schreckliche; für die unglückliche Frau wird es auch besser sein, wenn man sagen kann, es sei ein Irrtum vorgefallen. – Ah! dies schöne Weib!" setzte er leise mit einem Seufzer hinzu, "wie wurde sie zu solch' unvorsichtigen Geschichten getrieben! Ich wollte nur, ich hätte mich ihrer angenommen."
Der Präsident hatte mit sich selbst gekämpft, endlich aber rief er aus: "In Gottes Namen! Wenn ich nur einen meiner Räte im Gewühl finde, den ich hinschicken kann!"
"Das bedarf's gar nicht," sagte freudig der Herzog. "geben Sie mir zwei Zeilen, der Baron Brand hat sich angeboten, die Sache heute Abend noch zu arrangiren. Kommen Sie, da ist Papier und Feder."
Mit einem unterdrückten Seufzer setzte der Präsident einige Zeilen auf, unterschrieb und hielt sie dem Herzog hin. Ehe er sich aber das Papier aus seiner Hand nehmen liess, sagte er: "Bevor der Baron Brand, der mir, natürlich in einem andern Kostüm, als Unterhändler ganz recht ist, die geschichte besorgt, möchte ich demselben noch ein paar Instruktionen geben."
"Aber, Präsident, keine Contre-Ordre!" meinte der Herzog lachend.
"Wo denken Sie hin?" erwiderte der Präsident, und fuhr nach einer kleinen Pause, während welcher er das Papier in der Hand auf- und abbewegte, fort: "Ein Dienst ist des andern wert, Euer Durchlaucht. Hier haben Sie den Befehl, aber dafür führen Sie mich durch das gelbe Spielzimmer und den Salon, wo die Herrschaften sind, in freundlichem Gespräch."
"Arm in Arm mit dir!" sagte laut lachend der Herzog, indem er das Papier nahm, "so fordre ich mein Jahrhundert in die Schranken."
Und dann gingen die Beiden dahin, wirklich Arm in Arm, bei den erstaunten Spielern vorbei, in den kleinen Salon, wo die Frau Herzogin, ihrem Sohne freundlich zunickend, meinte: es freue sie recht besonders, endlich auch den Polzeipräsidenten zu sehen. Ihre Majestät sass am Spieltische und liessen in diesem Augenblick eine Karte fallen, welche der Chef der Polizei aufzuheben das Glück hatte, um sich dann berauscht in den gelben Saal zurückzuziehen, wo ihm alsbald mehrere Stroh- oder tote Männer angeboten wurden. –––––––––––––––––––––––––––
In dem roten Kabinet hatte unterdessen der Baron von Brand, unbeweglich an dem Kamingesims lehnend, seinen beiden Zuhörern eine furchtbare geschichte erzählt – die geschichte seines Lebens. Er hatte dabei nichts verschwiegen, nichts beschönigt, er hatte sich selbst gezeichnet mit seinen schönen und herrlichen Eigenschaften, mit seinen Fehlern und Lastern. Herr von Steinfeld, der vor dem Feuer sass, hatte seine arme auf die Kniee gestützt und liess das Gesicht in beiden Händen ruhen.
"Jetzt wissen Sie Alles," schloss Herr von Brand. Und nach einem tiefen Seufzer, der seiner Brust entstieg, fuhr er sich mit der Rechten über das Gesicht.
Graf Fohrbach hatte sich während dessen langsam erhoben, war dem Erzähler näher getreten, hatte in tiefer Bewegung seine beiden hände erfasst und schüttelte sie herzlich.
"Es ist mir um Vieles leichter," fuhr dieser fort, "da es mir vergönnt war, die geschichte meines Lebens in die Herzen zweier Ehrenmänner niederzulegen, die nun gewiss Manches klarer sehen und Manches gelinder beurteilen werden. Jetzt habe ich nur noch die Bitte, meine Lage in's Auge zu fassen, sie ernstlich und prüfend von allen Seiten zu beschauen und mir ihre Meinung zu sagen."
"Schrecklich! schrecklich!" murmelte Herr von Steinfeld.
"Dass meines Bleibens hier nicht sein kann, versteht sich von selbst. Mich hält ja auch nichts zurück, als das Schicksal meiner armen unglücklichen Schwester, das, wie ich hoffe, in gute hände gelegt sein wird."
Hugo von Steinfeld schaute einen Augenblick in die Höhe, nickte stumm mit dem kopf und versank dann wieder in seine Träumereien.
"Was meine andern Verbindungen anbelangt, so sind dieselben teilweise schon gelöst. Für einige von Denen, die mir anhänglich waren, habe ich bereits gesorgt; für die Uebrigen werde ich es noch tun. Dann bin ich fertig mit der Welt