gewesen, um sie zu ergreifen und zu schütteln. Wo er selbst ein freundliches Wort sprach, da wich man augenscheinlich zurück und hatte nur ein verlegenes Grinsen statt aller Antwort. Die Nase des Präsidenten sank auf "Veränderlich" herab; er spürte schlechtes Wetter, und an dem Benehmen der Excellenzen in dem gelben Salon, die ihn sonst gerne zu ihrer Spielpartie zogen, fand er seine Vermutungen bestätigt. Alle Tische waren bereits besetzt, und wo sich allenfalls noch ein Platz zeigte, da wurde fast angesichts des Präsidenten ein Nebenstehender gepresst, um den leeren Platz einzunehmen.
Es ist wundersam, wie in der Welt oft des Einen Schaden dem Andern zum Nutzen wird. So ging es bei der eben erwähnten Veranlassung – dem Pressen eines Mitspielers nämlich – dem Herrn von Dankwart. Vergeblich hatte dieser längere Zeit in dem Dunstkreis der höchsten Herrschaften herum geschwänzelt, – es wollte keines, selbst nicht einmal eines der Gestirne dritten Ranges, eine Anziehungskraft auf ihn ausüben. Seine gefälligsten und geistreichsten Bemerkungen waren nur für den leeren Raum gesprochen, und als ihm endlich eine etwas kecke Annäherung an die Frau Herzogin ein pikantes Wort eingetragen hatte, sah er sich veranlasst, den Kreis der Sonnen und Planeten zu verlassen und als unglückliche Sternschuppe in's Nebenzimmer abzublitzen. Zum Glück für ihn fiel er hier an den Tisch Seiner Excellenz des Oberststallmeisters, der mit dem Hofteater-Intendanten auf den dritten Mann wartete, und nun beim Anblick des Präsidenten in der Not zum Herrn von Dankwart griff, als kluger Mann denkend, dass man immer unter zwei Uebeln das kleinste wählen müsse.
Der Präsident wusste nicht, was er von allem dem zu halten habe; er schien seine Nase befragen zu wollen, indem er sie fasste und tief herabzog, aber dieselbe blieb stumm und antwortete nur durch ein stilles Seufzen. Er wandelte nach und nach bei sämmtlichen Spieltischen vorbei, bald hier bald dort eine Bemerkung in das Gespräch werfend, doch waren die Antworten, die er erhielt, ebenfalls kalt und förmlich, ja mancher schaute sich um, ob wohl Jemand bemerke, dass der arme Präsident neben ihm stehe. So kam er auch an die andre tür des gelben Salons, wo er mit Herzog Alfred, der ihm hastig entgegen kam, zusammentraf. – "Ah!" rief dieser mit lauter stimme, "Sie habe ich lange gesucht." Dem Chef der Polizei war es bei diesen Worten zu Mut, als ginge ihm in finsterer Nacht ein Stern auf. "Gott sei Dank!" seufzte er in sich hinein, "endlich doch einmal ein Wesen, das menschlich denkt. Unter Larven die einzig fühlende Brust." Das Aussehen des Herzogs war leutselig und freundlich wie immer, und dazu sprach er mit so hörbarer stimme, dass fast sämmtliche Spielende ihre Köpfe herumdrehten. "Haben Sie einen Augenblick für mich übrig," fuhr Seine Durchlaucht fort, "so wäre es mir angenehm, wenn Eure Excellenz einen gang mit mir durch die Zimmer machten." Auf's Höchste geschmeichelt, verbeugte sich der Präsident, und Beide traten in das anstossende Gemach. "Aber, Präsident," sagte der Herzog, als sie allein waren, "was machen Sie um Gotteswillen für Geschichten!" "Dass man mich im Verdacht hat, als mache ich seltsame Geschichten, habe ich schon bemerkt," entgegnete der Chef der Polizei in kläglichem Tone. "Aber ich kann Euer Durchlaucht versichern, dass ich so wenig weiss, wessen man mich beschuldigt, als wenn ich ein neugeborenes Kind wäre."
"Der Teufel auch! Da haben Sie ein schlechtes Gedächtniss oder sind wirklich wie ein unschuldiges Kind. Meinen Sie, es könnte Ihrer Majestät und der Frau Herzogin gleichgiltig sein, wenn Sie so mir nichts dir nichts einer Dame Hausarrest geben, die mit den Herrschaften so häufig en petit comité war?"
"Ah!" machte verblüfft der Präsident, denn ihm flammte ein kolossales Licht auf. Doch sagte er schüchtern: "Ich kann Euer Durchlaucht versichern, dass ich vorher Rücksprache mit dem Gemahl dieser Dame genommen."
"In dessen Falle Sie gegangen sind!" sprach ungeduldig der Herzog. "kennen Sie den alten Fuchs so wenig? Er hat einen Skandal herbeigesucht, um sich mit Anstand von seiner Frau trennen zu können; er gab Ihnen freilich seine Zustimmung, aber eine Viertelstunde nachher verklagte er Sie bei Seiner Majestät als – roh und gewalttätig."
"Welche Immoralität! – Und bei Seiner Majestät sagen Sie?"
"Bei Seiner Majestät, und Dieselben sollen sich geäussert haben, das sei ein Akt der Rücksichtslosigkeit, wie ihm selten etwas Aehnliches vorgekommen."
"Ich bin verloren," sprach der Präsident mit schmerzlicher stimme und schielte unter seiner Nase hinweg, die betrübt herabgesunken war auf den so leeren Fleck an der linken Seite seines Frackes.
"Aber was dachten Sie eigentlich bei der geschichte? Es heisst, Sie seien einer Spitzbubenbande auf der Spur; aber ich bitte, wie können Sie dergleichen mit jener armen Frau zusammen bringen! Ah! Präsident, ich kenne Sie gar nicht mehr."
"Gott soll mich bewahren, dass ich die Baronin verdächtigen wollte! Aber das Haus ist verdächtig, und da man sie da fand, war man quasi genötigt, sie festzuhalten."
"Ich habe Sie nie als einen so furchtbaren Wüterich gekannt."
"Und dann kann ich auch Euer Durchlaucht versichern, dass der alte General die Verhaftung nicht nur gut