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Ihrer Majestät," meinte lächelnd der Baron, "aber um jetzt da 'was vorzunehmen, müsste man einen Befehl des Präsidenten haben, mit der Gefangenen verkehren zu dürfen."

"Den würde Ihnen der künftige Schwiegerpapa gewiss nicht abschlagen."

"Scherz bei Seite, gnädiger Herr! Da kann ich nichts machen. Aber wenn Sie im Auftrage Ihrer Majestät dem Präsidenten scharf zu leib gehen, so wird es Ihnen leicht, ihm einen Befehl auszupressen, der mir erlaubt, das Haus in der Schilderstrasse zu besuchen."

"Und darf ich Sie ihm nennen."

"Versteht sich von selbst; machen Sie von meinem Namen jeden beliebigen Gebrauch."

Diese Unterredung hatten beide Herren im Durchschreiten der langen Gallerie gehalten, waren aber dabei jeden Augenblick stehen geblieben und hatten jetzt das Ende derselben erreicht. In dem Moment, als sie dieselbe verlassen wollten, fast unter der Ausgangstüre, stiessen sie auf den Grafen Fohrbach, der am arme des Herrn von Steinfeld eilig eintrat. Beim Anblick des Herzogs und des baron trat der Graf mit einem seltsamen Ausdruck im gesicht auf die Seite und schien einige Sekunden unschlüssig, ob er näher treten oder sich entfernen solle. Augenscheinlich hatte der Graf den Herrn von Brand aufgesucht, hielt es aber bei der Anwesenheit Seiner Durchlaucht nicht für geeignet ihn anzureden. Letzterer lächelte auf eine eigentümliche Artes war das ein Lächeln, welches eine tiefe Röte auf dem gesicht des Adjutanten hervorrief, was übrigens der Baron, der sich hastig von dem arme des Herzogs losgemacht hatte, nicht zu bemerken schien. Wie von einer plötzlichen, sehr wichtigen idee getrieben, trat er auf den Herrn von Steinfeld zu, der aber befremdet einen halben Schritt zurücktrat.

Es war diese Begegnung übrigens für alle vier ein peinlicher Moment, welchem der Herzog dadurch entging, dass er eine leichte Verbeugung machte und seinem Begleiter sagte: "Erwarten Sie mich in der Nähe, Baron, ich hoffe Ihnen das bewusste Papier sogleich zu überbringen."

Graf Fohrbach blickte dem Herzog nach, bis derselbe im Nebenzimmer verschwunden war. Dann wandte er sich an den Baron, der wohl vorhersehend, was jetzt kommen würde, ruhig stehen geblieben war.

"Wir haben Sie aufgesucht, Herr von Brand," sagte der Adjutant nach einer Pause in einem Tone, dem man deutlich anhörte, dass sich der Sprecher zwang, ihn so ruhig als möglich zu halten.

"Beide Herren haben mich aufgesucht?" erwiderte der Baron auf die verbindlichste Art von der Welt. "Also führt Sie eine gemeinsame Angelegenheit zu mir? Und es trifft sich das für mich sehr angenehm, denn ich war ebenfalls im Begriff, beide Herren aufzusuchen. – Gewiss, Graf Fohrbach; b e i d e Herren." Die Haltung, welche der Baron bei den letzten Worten angenommen hatte, sowie die Art, wie er seine Worte betonte, waren so gänzlich verschieden von seiner sonstigen Weise, dass sie unmöglich ihren Eindruck auf die Andern verfehlen konnten.

"Es ist hier eigentlich nicht der Ort zu Erklärungen," sagte Herr von Steinfeld, "und müssen wir Sie bitten, uns in eins der leeren Nebenzimmer zu folgen."

"Auch zu dem, was ich mitzuteilen habe," erwiderte der Baron beipflichtend, "sind die Säle eigentlich nicht passend und würde ich den beiden Herren folgen, wohin es ihnen beliebte, doch vernahmen Sie selbst den Befehl Seiner Durchlaucht, welcher mich hier an diesen Platz fesselt."

"Und die Befehle des Herrn Herzogs werden pünktlich befolgt," erwiderte Graf Fohrbach ironisch.

Doch schien der Baron das nicht verstehen zu wollen, denn er fuhr ruhig fort: "Sollten Sie es aber vorziehen, in einer spätern Stunde über mich zu verfügen, so füge ich mich, Wo es immer sei, Ihren Wünschen."

"Ich würde es als eine gefälligkeit ansehen, wenn Sie jetzt einen Augenblick für uns hätten," sagte der Graf. "Du bist ebenfalls frei," wandte er sich an den Herrn von Steinfeld, "wer weiss, wozu man später commandirt wird! Es ist hier nebenan ein kleines Kabinet, wo wir von Lauschern sicher sind."

Der Baron Brand verbeugte sich und einer Handbewegung des Adjutanten folgend, die ihn nötigte, voran zu gehen, verliess er die Gallerie und betrat das bezeichnete Kabinet. Die Andern folgten ihm.

In diesem Kabinete war man freilich von den Lauschern sicher. Es bildete eine Ecke des Schlosses und hatte auf diese Art keine Seitenzimmer. Die Wände desselben waren mit dunkelroten Seidentapeten bedeckt, wodurch es, nur von zwei Wachskerzen erhellt, ziemlich dunkel erschien. In dem Kamine von polirtem Stahl brannte ein mächtiger Holzstoss und in kleinen Fauteuils vor demselben liessen sich der Graf, sowie Herr von Steinfeld nieder. Der Baron dagegen zog es vor, stehen zu bleiben und lehnte sich mit dem rücken so gegen das Kamingesims, dass weder der Schein des Feuers in demselben, noch der der Wachskerzen auf sein Gesicht fiel. Rings umher war alles so still, dass es der von ferne sehr gedämpft herüber dringenden Töne der Musik bedurfte, um sich zu erinnern, dass man in der unmittelbaren Nähe eines Ballfestes sei.

Es dauerte übrigens längere Zeit, ehe Einer von den Dreien das Wort ergriff. So sehr es den Grafen gedrängt, den Baron aufzufinden, den er mit Recht im Verdacht hatte, bei der geschichte der Achselbänder mitgewirkt zu habendenn er erinnerte sich wohl jenes Berichtes, den er damals im