unter deren Schutz man viel gestatten kann."
"Ah! es gibt Verhältnisse!" rief lachend der Herzog. "Was Teufel! Baron, hat man Sie endlich erwischt, – Sie Heuchler und Verräter! – fräulein Auguste, darf ich Ihnen meine Gratulation machen?"
Das Mädchen knixte und blickte sehr schüchtern zu Boden. Mama erhob ihren Kopf sehr würdevoll, wobei sie den Fächer spielen liess, und Herr von Brand stand wie auf Nadeln.
Glücklicherweise erinnerte sich der Herzog, wesshalb er eigentlich gekommen, und sprach zur Präsidentin: "Haben Sie keine idee, wo ich Ihren Herrn Gemahl treffen kann? Ich muss ihn dringend sprechen."
Abermals trat der Polizeirat, und diesmal noch schüchterner, zu der Gruppe und meldete gehorsamst, sein hoher Chef sei im runden gelben Salon und eben im Begriff, eine Whistpartie zu finden.
Zum Glück flüsterte in diesem Augenblicke Auguste ihrer Mutter etwas zu, wesshalb es dem Baron möglich wurde, dem Herzog zuzuraunen: "Nehmen Sie mich mit."
"Dank Ihnen," wandte sich dieser an den Rat und sagte dann zu den Damen: "Sie werden entschuldigen, dass ich Ihnen den Baron auf einige Minuten entführe. – Kommen Sie, ich habe mit Ihnen zu sprechen."
Beide entfernten sich und es gelang ihnen ohne Mühe, durch das Gedränge zu kommen, denn überall wurde dem Herzog auf das Ehrerbietigste Platz gemacht. Dieser schob seinen Arm unter den des Herrn von Brand, und als sie in eine Gallerie kamen, wo sich nur wenige Gäste ergingen, sagte er: "Baron, ich bin ungeheuer in Ihrer Schuld. Sie haben die Sache mit den Achselbändern vortrefflich arrangirt. Wenn ich nur eine Ahnung davon hätte, wie Sie das angefangen? Ich zweifelte daran und war nicht weniger überrascht als Graf Fohrbach, dessen Gesicht Sie hätten sehen sollen. Ah! das war komisch; haben Sie ihn nicht zufällig erblickt?"
"Nein," erwiderte der Andere mit grosser Ruhe. "Aber ich bemerkte, dass fräulein Eugenie sehr blass und angegriffen aussah."
"Das ist mir recht," bemerkte der Herzog eifrig. "Glauben Sie mir, dieser Farbenwechsel kann gute Früchte tragen."
"Meinen Sie?"
"Oho! es war das auffallend genug. Der ganze Hof erkannte augenblicklich meine Farben; ich sah viele lächelnde Gesichter. Das hat sie ungeheuer compromittirt."
"Das täte mir wahrhaftig leid."
"Teufel auch! – Bei solchem Kriege gelten alle Mittel," sprach der Herzog, und fuhr seufzend fort: "ich bin in das Mädchen rasend verliebt, und es ist nicht bloss façon de parler, wenn ich wiederholt versichere, dass ich Ihnen mit meinem ganzen Einfluss zu Gebote stehe."
"Davon hoffe ich baldigst Gebrauch zu machen," erwiderte der Baron. "Sie suchen den Polizeipräsidenten?"
"Soll ich vielleicht bei dem für Sie sprechen?" fragte lachend Seine Durchlaucht. "Apropos, ist denn wirklich wahr, was Madame uns vorhin gesagt?"
Der Baron zuckte die Achseln und warf leicht hin: "Man kann sich nie genug in Acht nehmen. – Aber wenn ich mir eine Frage erlauben dürfte: was suchen Sie bei der Polizei, gnädigster Herr?"
"Haben Sie denn noch nicht von der skandalösen geschichte gehört?"
"Von welcher?" fragte so unbefangen wie möglich der Baron.
"Nun, mit der Baronin W. Der ganze Hof, die Gesellschaft sind empört darüber. Ich suche den Präsidenten im Namen Ihrer Majestät."
"Sie sehen mich ganz erstaunt; ich weiss von nichts."
"Sie wissen so gut wie ich, dass der alte General beständige Differenzen mit seiner Frau hatte. Der Währwolf! Eine so schöne, liebenswürdige Frau! Weiss der Teufel, was sie für eine geschichte gehabt hat, denn unter uns gesagt: in dem Punkt ist es nicht ganz richtig. Genug, da ist ein Haus in der Schilderstrasse, das hat sie zuweilen incognito besucht. Nun hat aber auch – wesshalb weiss ich noch nicht – die Polizei auf eben dies Haus ein Auge. Denken Sie, Baron, man besetzt das Haus mit dem Befehl, Alles was sich dort befände, festzuhalten und arretirt zu gleicher Zeit die unglückliche Frau, die sich zufälligerweise in einem Zimmer des ersten Stocks befindet –"
"Man arretirt sie?" rief der Andere erschreckt.
"Das heisst, man verbietet ihr bis auf Weiteres, das Haus zu verlassen. Nun mag der Teufel wissen, wesshalb zu gleicher Zeit die alte Excellenz von der geschichte gehört hat. Genug, der General schlägt einen unerhörten Skandal auf und bringt die Sache direkt vor Seine Majestät."
"Das ist ja eine furchtbare geschichte! – Und was soll der Polizeipräsident tun?"
"Einfach der armen Frau gestatten, dass sie das Haus verlässt."
"Und wem gehört das Haus?"
"Das wissen die Götter. Es soll sehr elegant möblirt sein. Entre nous, die Sache hat schon ihren Haken. Aber Sie, der hinter Alles kommt, sollten das auch ergründen. Nicht wahr?"
"Wenn man mir den Auftrag dazu gäbe," entgegnete ruhig der Baron.
"Nun, den gibt man Ihnen mit tausend Freuden," sagte eifrig Seine Durchlaucht.
"Aber wer, gnädigster Herr?"
"Nun, meinetwegen Ihre Majestät; ich will das verantworten."
"Meinen tiefsten Respekt vor