Hand damit zu umgarnen.
Er lauschte gespannt aus ihre Antwort, und als er bemerkte, dass, nachdem er geendet, ihre Züge kalt, ernst und förmlich wurden, flog fast unmerklich ein triumphirendes Lächeln über sein Gesicht.
"Herr Baron," sagte sie, "wenn es auch möglich wäre, dass Sie vorhin im Scherze sprachen, so sind das doch Worte, die ich nicht hören darf, und Sie werden mir erlauben, dass ich Mama rufe." Bei diesen Worten wandte sie sich gegen die Mitte des Salons, doch sprang ihr der Baron mit einem zierlichen Schritte nach, indem er lachend ausrief: "Coeur de rose! schönste Auguste, sehen Sie wohl, dass es mir gelungen, mein ganzes Wesen zu ändern? Ah! Sie haben meinen Worten geglaubt. Sehen Sie, wie ich Sie gefangen!"
Welcher von Beiden ist nun er selbst? dachte sie, mehr und mehr überrascht. Gewiss, ich tat ihm Unrecht, und ich habe mich in der Tat fangen lassen.
"Wie ist es so süss," sagte schwärmerisch der Baron, "den Zorn eines geliebten Gegenstandes zu erregen! Hat man doch alsdann das Recht, Verzeihung zu erbitten, was ich hiemit kniefällig tue." Damit warf er sich ihr zu Füssen, fasste ihre hände, doch blieb es nicht allein bei dem Küssen derselben.
"Halb zog er sie, halb sank sie hin,"
sagt bei einem nicht ganz unähnlichen Falle der Dichter. Doch können wir nicht hinzusetzen: "Und ward nicht mehr gesehen," müssen vielmehr der Wahrheit gemäss sagen, dass in diesem Augenblick die Präsidentin die Tür öffnete und überrascht auf der Schwelle stehen blieb, als sie den fremden, wild aussehenden Mann auf so seltsame Art bei ihrer Tochter traf. Als kluge Frau, die sie immer war, hustete sie bedeutsam, bei welchem Ton Auguste zusammenschrak, aber, von den Armen des jungen Mannes festgehalten, sich nicht sogleich befreien konnte.
Doch wandte sie ihren Kopf, der wieder frei geworden war, der Mutter zu und rief: "Herr Baron von Brand, für den heutigen Abend als Räuber maskirt, ist in der Tat so abscheulich, Mama, dass ich bei Ihnen Schutz suchen muss." Während sie das aber sagte, fühlte er einen leichten Druck ihrer Hand, die eben gesprochenen Worte Lüge strafend.
"Aber das sind schreckliche Geschichten," versetzte nun überrascht die Präsidentin, die ebenfalls nicht im stand war, die so bekannten Züge des baron zu entdecken.
"Coeur de rose!" lachte dieser, "ich bin verraten, gnädige Frau. Ich kann nicht mehr zurück."
Auguste schien zu erröten, und die Präsidentin hustete während eines sanften Lächelns.
Es entstand eine kleine Pause, dann sprach das junge Mädchen mit lispelnder stimme: "Ach, Mama, er ist wirklich zu abscheulich, der Baron; er hat mich auf eine so hinterlistige Art auf die probe gestellt."
"Die Sie aber siegreich wie Wenige bestanden," erwiderte der Baron nicht ohne einen Anflug von Ironie. – "Aber finden Sie meine Maskerade nicht vortrefflich?" fuhr er fort, sich an die Präsidentin wendend. "Nicht wahr, ich bin vollkommen unkenntlich? Doch verzeihen Sie, Gnädigste, vor allen Dingen muss ich mich entschuldigen, dass ich es gewagt, Sie zu überraschen; meine Gedanken sind eigentlich zu häufig in Ihrem haus und schleppen mich zuweilen willenlos mit."
"Nicht wahr," sagte Auguste etwas schüchtern, "es ist eigentlich lieb von dem Baron, dass er sich uns vorher zu erkennen gab? Er hätte uns schön in Verlegenheit bringen können."
"Doch jetzt wollen wir Andere intriguiren!" lachte er lustig. "Sie müssen mir schon erlauben, dass ich mich heute Abend zuweilen an Ihrer Seite sehen lasse. Ja, ich hätte noch einen kühneren Wunsch, aber ich wage es nicht, ihn auszusprechen."
"Immer zu, Baron," entgegnete gnädig die Mutter. "Sie sind heute Abend ein gefährlicher Mensch, dem man nichts abschlagen darf."
"Auch nicht einen Platz in Ihrem Wagen?"
"Ah, Baron, das ist viel. Was wird die Welt sagen? Wie soll ich mich da heraus reden? Sie wissen ohnedies," setzte sie mit leiser stimme gegen ihn hinzu, "dass man Sie gerne mit dem Departement der Polizei in Berührung bringen möchte."
"O ja, ich weiss das," sprach er seufzend.
"Und ich muss doch den Leuten eine Aufklärung geben können, warum ich in Begleitung eines so furchtbaren Räubers erscheine."
"Begreiflicherweise. Aber, wenn es die schöne Auguste erlaubt, so stellen Sie den furchtbaren Räuber als – den Bräutigam Ihrer Tochter vor."
"Ah, Baron, Sie erschrecken mich!" rief das Mädchen aus und schlug die Augen nieder, doch blitzten dieselben vor Freude und Genugtuung.
"Und welchen Namen trägt der Räuber?" fragte lächelnd die Mutter.
"Nun, ich dächte, meinen Namen kennten Sie vollkommen. Doch da kommt soeben der Herr Präsident; bitte, gnädige Frau, fangen Sie Ihre Vorstellungen an."
Wirklich erschien der Präsident in diesem Augenblicke im Salon, blieb aber ebenfalls auf's Höchste überrascht an der tür stehen, als er den fremden Mann bei seinen Damen stehen sah. Seine Nase wollte sich unmutig erheben, doch dachte er noch zur rechten Zeit