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: "Ah! auch Sie erkennen mich nicht einmal! Auch Ihnen, schöne Auguste, ist mein Bild so wenig gegenwärtig," lachte das reizende Mädchen laut auf und rief einmal über das andere Mal: "Prächtig! suberb! magnifique! – Baron, ich kann Ihnen nicht verschweigen, Sie haben sich da einen gefährlichen Nebenbuhler erschaffen."

"Diese Aeusserung könnte mich unglücklich machen, Auguste," sagte zärtlich der Baron. "Und darauf können Sie sich verlassen, schöne Unbeständige, dass der Nebenbuhler nach dem heutigen Abend verschwinden und nie mehr zum Vorschein kommen soll."

"Also eifersüchtig auf sich selbst!" lachte das schöne Mädchen.

"Ja, auf mich selbst," entgegnete er feurig. "Auf Jeden, der es wagt, Sie anzusehen, auf das Licht, das in Ihrem schönen Auge glänzt, auf die Luft, die Sie einatmen, auf diesen goldenen Reif, der das Glück hat, Ihren reizenden Arm zu umschliessen." Dabei küsste er ihn vielmal, das heisst den Arm, nicht den Reif. "Und eifersüchtig bin ich," fuhr er mit einem leisen Seufzer fort, "auf die Blume in Ihrem Haar, ach! und auf die Spitzen, jene feinen, neidischen Gewebe, welche beseligt sind, Ihnen so nahe sein zu dürfen."

"Welche Wortverschwendung!" versetzte Auguste heiter und fröhlich. "Aber jetzt seien Sie vernünftig, Baron. Ja, wenn Sie sich einen Augenblick zu mir hersetzen und verständig sein wollen, so will ich Ihnen dagegen gestehen, dass es mich rechtnein, das will ich gerade nicht sagenaber dass es mich freut, Sie noch vor dem Balle zu sehen. Aber setzen Sie sich!"

Der Baron tat wie ihm befohlen, und obgleich die beiden Fauteuils ziemlich weit von einander standen, so wusste er doch durch eine kühne Schwenkung seinen dem ihrigen näher zu bringen. "Dass ich ehrlich bin, müssen Sie mir zugestehen, Auguste. So mein Kostüm preisgeben! Wie hätte ich Sie intriguiren können!" Er beugte sich zu ihr hinüber, und während er seinen Arm so auf die Lehne des Fauteuils stützte, dass er mit seinen Fingerspitzen bald den kühlen, glatten Goldreif, bald ihren warmen, vollen Arm berühren konnte, blickte er ihr von unten herauf so forschend in die Augen, dass sie die ihrigen niederschlug.

Nach einer Weile sagte sie: "Ich hätte Sie doch erkannt, Baron. Freilich, Ihr Kostüm ist schön, Ihr Gesicht gänzlich fremd, aber Ihr Wesen, Ihre Art zu sprechen, können Sie nicht verleugnen."

"Coeur de rose," erwiderte er lachend, "da irren Sie sich."

"Gewiss nicht," versetzte das schöne Mädchen. "Sie haben etwas Weichesetwas Gutes, wenn Sie wollen, in Ihrer Sprache, in Ihrem Auftreten, in Ihrer Art zu sein, und das ist im Widerspruch mit Ihrem wilden Kostüm, ja mit dem Blitz, der jetzt aus Ihren Augen flammt."

Bei diesen Worten erhob sich der junge Mann langsam aus seinem Stuhl, und als er aufrecht da stand, schien er gegen früher um ein paar Zoll gewachsen zu sein. Seine Haltung war eine ganz andere; er legte die linke Hand leicht und graziös auf den Griff seines Dolches und sagte mit jener ernsten, klingenden stimme, die uns bekannt ist, mit jenem Tone, der die wildesten Gesellen erzittern machte: "So hören Sie mich denn, Auguste. Ich bin in der Verkleidung nicht ohne Absicht zu Ihnen gekommenzu dir, deren Herz mir gehört. Verhältnisse, die ich dir unmöglich jetzt auseinandersetzen kann, erlauben mir nicht, dich auf dem gewöhnlichen und schicklichen Wege die Meine nennen zu können. – Auguste," fuhr er mit wildem und doch zärtlichem Ausdrucke fort, "meine Auguste, du musst Vater und Mutter verlassen und musst mit mir fliehen, noch heute Nacht fliehen; ich habe alle Vorbereitungen getroffen, am schloss halten Wagen und Pferde, im Gewühl des Balles wird es uns leicht, zu verschwinden. Willst du, meine Auguste? Willst du? Ein kurzes Wort, Ja oder Nein!"

Das auf's Höchste überraschte Mädchen hatte die nun auch in ihrem Wesen so ganz fremde und verwandelte Gestalt staunend angeschaut und hatte zitternd seine Worte gehört; aber sie zitterte nicht, weil sie dachte, es sei jetzt der Augenblick der Vereinigung gekommen mit dem mann, dem sie gestanden, dass sie ihn liebe, dem sie feurige Küsse erlaubt, dem sie einen Schlüssel anvertraut, von dem er einen grossen Missbrauch hätte machen können, sondern sie bebte, weil sie seinen Worten völlig glaubte, und aus denselben eine Absicht hervortreten sah, die mit der ihrigen durchaus nicht harmonirte, an die sie nimmermehr gedacht, zu der sie nie ihre Zustimmung geben würde. Dem B a r o n B r a n d hatte sie erlaubt, dass er sie liebe, aber vor aller Welt liebe; sie wusste, dass er reich war, dass er schöne Equipagen hatte, in allen Gesellschaften gern gesehen war; sie wäre hier in der Residenz gerne vor den Altar getreten; wie hätte man sie beneidet, wie hätte man der Baronin Brand gehuldigt! Dies schöne, glänzende Gewebe hatte er mit seinen Worten gänzlich zerstört, sie sah die goldenen Fäden davon flattern, und hatte leider nicht Verstand genug, sie zu erhaschen und ihn selbst mit kluger