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Getreibe im Fuchsbau tief verabscheue und der bei allen Genossen im Verdacht stand, als habe er die Polizei schon mehrmals zu Haussuchungen veranlasst. Und nun hatte sein Meister dort ebenfalls Verbindungen angeknüpft!

"Nur fort," sprach jetzt der junge Mann ungeduldig. "Sagt dem Johann und Fritz, was sie zu tun haben, und dann begebt Euch an die Haupttreppe und schimpft als guter Wirt dort hinab über die Vagabunden, die Eure Türen erbrechen. Hört nur, sie machen immer weiter. Aber jetzt hinauf, Meister Scharffer, befolgt auf's Pünktlichste meine Befehle. Ich werde Euch hier erwarten."

Der dicke Wirt schien Lust zu haben, sich ein wenig in seinem Haar zu raufen, und er hob schon die hände an den Kopf empor, als er aus dem Zimmer eilte; doch liess er sie wieder sinken, schüttelte vielmehr sein Haupt, als er sich auf der Schwelle nochmals umschaute und nun bemerkte, wie der junge Mann einen Stuhl an den Tisch zog und sich ruhig darauf setzte, als ob gar nichts vorgefallen wäre.

Während Meister Scharffer die Treppen hinauf sprang, bekreuzte er sich und dachte: "Um Ende wäre es doch besser, wenn man sich der Polizei selbst überlieferte. Der da drunten im Zimmer ist offenbar der leibhaftige Teufel."

Die ausserordentliche Ruhe aber, mit welcher der junge Mann handelte, war teilweise erzwungen, um auch dem Andern Mut einzuflössen, denn als dieser verschwunden war, sprang er auf und trat unruhig an die tür, um in das Haus hinabzulauschen. Obgleich nun das Zimmer, in welchem er sich befand, von der Schenkstube sehr weit entfernt war, so vernahm er doch einen wüsten Lärm von dorter und mitunter Töne, als ob man Möbel wegrückte, Kasten niederstellte, Türen gewaltsam öffnete. – "sonderbar!" sprach der Horcher zu sich selber, "sie treiben ihre Sache auf wunderbare Art. Statt sich rasch über das ganze Haus zu verbreiten, halten sie sich in einem Teile desselben auf, wo sie noch nie 'was gefunden haben. Ich glaube, wir haben die ganze geschichte dem Herrn Blaffer zu verdanken. Wenn nur Matias schon fort wäre! – Ah! sie gehen dran, ihn wegzuschaffen." Er lauschte wieder aufmerksam und vernahm von droben das Gehen von Männern, deren schwerem Auftreten man es wohl anmerkte, dass sie eine gewichtige Last trugen. Zu gleicher Zeit hörte er, aber sehr gedämpft, ein Geräusch, wie wenn man Steine losbräche, und dann das leichte Krachen von Holzwerk. "Gott sei Dank!" sagte der junge Mann, "er wird bald drüben sein. Wenn er's nur aushält! Das Loch in der Wand kostet mich viel. Ich hatte diesen Ausweg für mich selbst aufgehoben. Aber was gilt ein Freund nicht! Und ein solcher war mir Matias hier im haus. Ich hätte ihm vielleicht folgen sollen, wer weiss, ob das nur eine Hausaussuchung ist und ob sie nicht vielleicht das Haus so umstellt haben, dass es mir auf meinem gewöhnlichen Wege schwer wird, zu entkommen. – Bah! man muss nicht das Schlimmste denken. – Dochjetzt ist Matias drüben." In diesem Augenblicke vernahm er nämlich die scheltende stimme des Wirtes, der auf der Treppe stand, die in das untere Stockwerk führte und laut hinabschrie: "Was für ein Lärmen wird in der Schenkstube getrieben? Glaubt ihr denn, man könne in dem haus treiben, was man wolle? He, Marie, ruf' den Hausknecht!" Nachdem er dies gesagt, kehrte er in das Zimmer zurück, wo der Andere unterdessen die beiden Lichter auf dem Tische ausgelöscht hatte, so dass es vollkommen finster gewesen wäre, wenn nicht eine Gaslampe auf dem Gange einige Helle in das Zimmer geworfen hätte.

"Matias ist fort, aber jetzt bitte ich Sie um Gotteswillen, Herr, suchen Sie sich einen Ausweg. Als ich droben vom Fenster auf die Strasse hinabschaute, habe ich verdächtige Gestalten bemerkt."

"Auf welcher Seite?"

"Auf der, wo sie gewöhnlich das Haus verlassen."

"Das ist ungeschickt. So muss ich den Weg durch den Keller nehmen."

"Ich glaube auch, dass der sicherer ist," sagte angstvoll der Wirt. "Nur müssen Sie dabei über die Haupttreppe hinab, bei der Schenkstube vorbei."

"Ich weiss wohl, doch hat das nichts zu sagen. Margarete wird auf ihrem Posten sein."

"Gewiss; die lässt sich eher in Stücke reissen."

"So will ich ihr ein Zeichen geben und dann vorwärts, Meister. Ihr steigt scheltend die Treppe hinab und ich folge Euch." Sowie er dies sagte, zog er an einer Klingelschnur, die neben der tür hing, und wenige Sekunden darauf verlöschte die Gaslampe draussen auf dem Gange. Von unten herauf aber erscholl ein lauter Aufschrei, die klägliche stimme der alten Kellnerin und darauf polterte Meister Scharffer die Treppen hinab, fluchend und scheltend mit aller Kraft seiner Lunge.

Der Andere ging hinter ihm drein, er setzte die Füsse so leicht auf, dass man von Beiden jedesmal nur einen einzigen Tritt hörte; sein Auge versuchte es, die Finsterniss, die auf dem ganzen haus lag, zu durchdringen. Dabei blieb er dicht hinter dem dicken Wirte, der, auf dem untern Treppenabsatz angekommen, gleich von kräftigen Armen gefasst wurde. Doch ermangelte er nicht, dies durch lautes Geschrei seinem Hintermanne kund zu tun