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mit deinen Worten getroffen und tief verletzt. – Aber das ist jetzt vorüber," setzte er schwer Atem holend hinzu. "Was hast du mir weiter zu sagen?"

"Herr Major von S. war bei meinem Herrn und Beide sprachen darüber, dass die Baronin von W. in dem erwähnten haus festgehalten würde. Der Gemahl derselben, der sie lange beargwohnt, habe seine Zustimmung gegeben, und über alles dies drückten sich beide Herren ziemlich empört aus."

"Ah! sie nahmen die Polizei nicht in Schutz?"

"Der Polizei-Präsident soll von Seiner Majestät eine Bemerkung haben hinnehmen müssen, die sehr einer Nase ähnlich gesehen habe; er sei ziemlich zerknirscht in das Vorzimmer gekommen und habe über undankbaren Dienst und drückende Verhältnisse gesprochen."

"Das gibt mir einige Hoffnung," sagte der Andere mit leiser stimme. "Du kannst mir einen Dienst erweisen, Josef. Suche in das Haus in der Schilderstrasse zu dringen, erkundige dich, was man dort macht, und bringe mir eine Antwort hieher. Willst du?"

"Mit tausend Freuden," antwortete Josef. "Aber ich würde einen vergeblichen gang tun, Herr. Ich war schon droben bei dem haus; ich versuchte es, hinein zu kommen, ich habe da einen Bekannten, aber man examinirte mich und schickte mich fort. Als ich eben weggegangen war, sah ich Sie, Herr. Sie stellten sich an den Brunnen und schauten an dem haus hinauf."

"Das ist wahr. Aber ich habe dich nicht bemerkt."

"O Herr, verzeihen Sie mir," sprach Josef kopfschüttelnd, "Sie sahen überhaupt nicht so um sich her, wie gewöhnlich auf der Strasse. Sonst hätten Sie an den gegenüberliegenden Häusern einen Menschen bemerken müssen, der sie beobachtete."

"Der mich beobachtete?"

"Auf das Genauste. Er hinderte mich, Sie anzureden, und ich konnte Ihnen nur von weitem folgen, denn der Andere schlich vor mir ziemlich dicht hinter Ihnen."

Der junge Mann fuhr sich mit der Hand über die Stirn und entgegnete: "Ja, ich war in Gedanken. Aber was wollte Jener von mir? Folgte er mir bis hieher an den Fuchsbau?"

"Bis an die Mauer, wo Sie verschwanden. Das schien ihn höchlich zu wundern, denn er betrachtete die Steine aufmerksam, suchte auch rechts und links nach einer Tür, und als er nichts fand, umschritt er das ganze Gebäude. Jetzt folgte ich ihm und hätte gern ein ernstes Wort mit ihm gesprochen, aber ich war ohne Waffen, und er, der Polizeisoldat, hatte seinen Säbel bei sich."

"So, er war von der Polizei? Das ist gerade nicht angenehm. Was denkst du, Josef?"

"Wenn ich meine Gedanken frei aussprechen darf, so sage ich, dass Ihnen Jener nicht ohne Absicht gefolgt ist, dass er davon ging um einen Bericht zu machen, und dass vielleicht in diesem Augenblicke schon der Fuchsbau umstellt ist."

"Du könntest vielleicht Recht haben, Josef," erwiderte der junge Mann ruhig, indem er die linke Hand auf den Tisch setzte, "und das wäre schlimm für dich, den man hier nicht finden darf. – Sieh mich nicht so sonderbar an, ich weiss wohl, dass es dir nicht an Mut fehlt, und kenne auch deine Treue. Aber du kannst hier, bei Gott! Niemanden helfen, nur dich selbst zu grund richten. Also geh', ich will es." Er winkte mit der Hand, und als der Jäger dieselbe ergriff und fest drückte, erwiderte er diesen Druck und sagte dabei: "Gott sei mit dir, Josef!"

Sobald dieser das Zimmer verlassen hatte, trat der Wirt ungerufen herein. Er war aufgeregt, erhitzt und stolperte in seinem Eifer fast über die Schwelle in das Gemach, so dass ihm der junge Mann entgegenrief: "Hoho! Meister Scharffer, Ihr stürzt ja daher, als wenn Ihr gejagt würdet."

"Das wird auch also kommen," erwiderte der Wirt in seiner plumpen Manier. "Wissen Sie, Herr, dass drunten der Teufel los ist?"

"Ah! Ihr seid der Mann, ihn zu bändigen," erwiderte der Andere lachend.

"Ja, da hat sich was zu bändigen!" Es sind da eben sechs Kerle in die Schenkstube gedrungen, und als wir uns weigerten, ihnen Wein zu geben, meinten sie, das wollten sie doch einmal sehen, das sei hier ein, Wirtshaus, so gut wie ein anderes.

"Da hatten sie vollkommen Recht, Meister. Und statt dass Ihr davon stürztet und aufsehen erregt, hättet Ihr bei Euren Gästen bleiben und sie angenehm unterhalten sollen."

"Da unterhalte sich Einer, wenn ihm das Herz vor Schrecken still steht. drei von den Sechsen kenn' ich. Wenn die nicht bei der Polizei sind, so will ich auf meinem Rasirmesser reiten. Einer von ihnen machte sich mit der alten Margaret zu schaffen und erkundigte sich freundlich, was das für Klingelschnüre seien, die neben ihrem Sitze herabhängen."

"Das ist allerdings verdächtig."

Der dicke Wirt hatte so hastig gesprochen, dass er ganz ausser Atem gekommen war. Während er sich den Schweiss von der Stirn wischte, tat er einen tiefen Atemzug und fuhr dann fort: "Auch kommt soeben der Johann nach Haus und meint, er habe drunten