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die Frage?"

"Nun, er ist zuweilen in der Nähe der Polizeidirektion gesehen worden, und Sie wissen wohl selbst, Herr, dass wir mit den Lakaien im Allgemeinen Unglück haben."

"Seid unbesorgt, mit dem da nicht. Er soll sogleich herein kommen. Ihr könnt in der Nähe bleiben; ich habe vielleicht Aufträge für Euch."

Der Wirt zog sich mit einer tiefen Verbeugung des Kopfes hinaus; gleich darauf trat Josef herein. Herr Scharffer hatte übrigens recht, wenn er behauptete, der Jäger sähe unruhig und zerstört aus. Dem war wirklich so; sein Gesicht war noch blässer als gewöhnlich, und seine Augen hatten einen seltsamen Ausdruck.

Der junge Mann stand mitten im Zimmer, er hatte die eine Hand in die Hüfte gestemmt, mit der andern winkte er dem Eintretenden lächelnd zu, wobei er sagte: "Ei, Josef, ich hätte nicht geglaubt, dich so bald wieder hier zu sehen. Du musst mir Aussergewöhnliches zu melden haben."

"So ist es auch," erwiderte Josef nach einem tiefen Atemzuge. "Ich erlaubte mir, Sie schon mehrmals aufzusuchen, Herr, aber Sie waren seit mehreren Tagen nicht mehr hier im Fuchsbau; und auch Matias liess sich niemals sehen."

"Ach ja, der arme Matias!" sagte der Andere.

"So ist es also wahr, Herr, was ich mir gedacht, als ich von jenem Einbruche und der Verwundung eines der Beteiligten sprechen gehört? Und Matias isttot?"

"Nein, aber leider schwer verwundet. Doch sprich, was hast du mir zu sagen? Dein Aussehen gefällt mir nicht, Josef; du hast Schlimmes zu berichten."

"Sehr Schlimmes, Herr."

"Nur zu, nur zu, man muss auf Alles gefasst sein. Erzähle ohne Vorrede; du weisst, ich liebe kurze Mitteilungen."

Josef verbeugte sich und holte mühsam Atem, als er sprach: "Neulich war mein Herr mit einem Bekannten spät Abends allein in seinem Kabinet."

"Wann war das?"

"Vergangenen Freitag."

"Ah! – und welcher seiner Bekannten blieb bei ihm?"

"Der Herr Maler Erichsen."

"Richtig, richtig!" murmelte der junge Mann. Er blickte auf den Boden und dachte: das war an jenem Abend, wo Erichsen seine Porträts des Herrn Dankwart vorzeigte. Den andern Morgen war er bei mir und verlangte die bewusste Schrift mit einem Abdruck meines Talisman. hören wir, was dazwischen vorfiel. – Während er so nachdachte und zu Boden schaute, hatte das dunkle Auge des Jägers aufmerksamer als je zuvor abwechselnd auf seinen Zügen, namentlich aber auf seiner Gestalt geruht. Es schien, als stellte er Vergleichungen an, und je länger er das tat, um so mehr verlängerten sich eine Züge, um so mehr nahmen sie den Ausdruck des Schreckens an. Er fuhr ordentlich zusammen, als nun der Andere sagte: "Und was geschah an dem Abend, Josef?"

"Die beiden Herren," fuhr der Jäger mit bebender stimme fort, "sprachen übereine rätselhafte person, die in der Gesellschaft umhergehe, die meisten vornehmen Häuser besuche, die sich das Ansehen eines unabhängigen, hochstehenden Mannes gäbe, die aber im Verborgenenallerlei seltsame und sonderbare Geschichten treibe."

Wäre der junge Mann nicht so vollkommen Meister seiner selbst gewesen, so hätte man auf seinem Gesicht eine Bewegung wahrnehmen müssen. Denn obgleich ihn die Worte des Jägers gänzlich unvorbereitet überfielen, wusste er doch sofort, wen dieser meinte, und desshalb waren die Worte desselben tief einschneidend wie die Schärfe einer Axt, die, mit sicherer Hand geführt, den Baum trifft. Doch verzog sich keine Miene; nur eine Sekunde lang zuckten seine Augenlider. Ja, etwas wie Verwunderung flog über sein Gesicht, als er entgegnete: "Und wer ist diese rätselhafte person?"

"Sie nannten den Herrn Baron von Brand."

"Ah! den Baron von Brand! Unser guter Bekannter, durch dessen Vermittlung du deine Stelle erhieltst."

"Derselbe, Herr."

"Er kommt öfter zum Grafen Fohrbach?"

"O – sehroft."

"natürlich sahst du ihn zuweilen?"

"JaHerr, häufig. Aber ich ging ihm aus dem Wege, ich wusste nicht, ob es ihm angenehm sei, mir zu begegnen."

"Daran tast du sehr klug. Teufel! man muss das dem Baron mitteilen."

"Ich tat es ja schon, Herr," rief der Jäger in gewaltiger Bewegung. "Ja, Herr, verzeihen Sie mir; ich kann nicht anders, ich muss Sie warnen, denn es ginge mir an's Leben, wenn Ihnen ein Unglück zustiesse!" Bei diesen Worten war der Jäger vor dem Andern auf die Kniee gestürzt, ein Paar Tränen liefen über seine bleichen Wangen herab, und obgleich der junge Mann einen Schritt zurückgetreten war, hatte Josef seine hände ergriffen und hielt sie mit den seinigen krampfhaft zitternd fest.

"He, Josef!" entgegnete der junge Mann, indem er seine hände loszumachen versuchte, "du spielst eine eigene Komödie. Lass die Narrheiten, steh' auf." Er wollte in seinen Ton eine Härte legen, was ihm aber nicht vollkommen gelang. Ja er brachte diese Worte nur mühsam, gepresst hervor.

"Stossen Sie mich nicht zurück, Herr," fuhr der Jäger leidenschaftlicher