einer Pause, während welcher er sich rings im Zimmer umgesehen, "du zeigst wenig Eifer für uns und man hat die doch in eine Position gebracht, die angenehm zu nennen ist. Es ist das aber so der Welt Lauf, dass man Wohltaten gern vergisst; aber Eines ersuche ich dich nicht zu vergessen, dass nämlich meine Hand über dir schwebt, dass ich dich halten kann oder dich tief hinab stürzen, zermalmen, in Nichts zurücksinken lassen, wie es mir gerade einfällt." Damit hatte er seine Rechte langsam ausgestreckt, sie geöffnet, und als er sie nun wieder zusammenzog, schauerte es den beiden Mädchen und es war ihnen gerade, als öffne sich zu ihren Füssen ein finsterer Abgrund, mit glattem schlüpfrigen rand, wo hinein zu stürzen es für sie nicht mehr als eines Luftauch bedürfe.
"Doch genug," sprach der Fremde in gefälligerem Tone, "ich bin eigentlich nicht gekommen, dir Vorwürfe zu machen oder dir Misstrauen zu bezeigen. Im Gegenteil, ich will dir mein Vertrauen beweisen und dich sogar um eine kleine gefälligkeit bitten, die du mir nicht abschlagen wirst."
"Ich stehe in Ihrer Hand," erwiderte Henriette, ohne aufzublicken. "Das weiss ich wohl und muss Ihren Befehlen Folge leisten. Sie können mich zwingen."
"Ich möchte aber diesmal, dass du es freiwillig tätest. Auch verlangt man nichts Schlimmes von dir."
"O wenn es mich beträfe, so würde ich mit tausend Freuden Ja sagen."
Der Mann im Mantel warf fast verächtlich die Lippen auf und versetzte achselzuckend: "Deine person betrifft es nicht, nur deinen Dienst."
Das arme Mädchen fuhr zusammen und warf einen schüchternen blick auf ihre Gefährtin.
Der Fremde hatte diesen blick wohl bemerkt, er liess langsam das eine Ende des Mantels von der Schulter herabgleiten, legte die linke Hand leicht auf den Griff seiner Waffe, die er heute wie damals trug, und sagte, während er das ehemalige Harfenmädchen scharf anschaute: "Nur unbesorgt: wir sind ganz unter uns. – Höre mich an."
"Ich höre," entgegnete Henriette mit gesenktem kopf.
"Heute Abend ist ein Maskenball hier im schloss. Der Hof wird gegen zehn Uhr da sein, um welche Zeit ein kleines Maskenspiel beginnt, welches von den hohen Herrschaften arrangirt wurde. Vorher aber wird sich die Frau Herzogin mit ihren Damen noch einen kleinen Spass machen und vermummt erscheinen. Natürlicherweise ist auch deine Herrin dabei. Dort liegt ein teil ihres Kostüms." Er zeigte auf den Schleier mit den silbernen Sternen. "Bei dem Maskenfeste aber ist fräulein Eugenie von S., eine der Ecuyèren Ihrer Majestät. Ich sehe dort ihren Anzug, das dunkelblaue Oberkleid mit den weissen Achselbändern. – Ist's nicht so?"
"So ist es," brachte Henriette mühsam hervor.
"Nun wohl – höre mich an: So viel ich weiss, wirst du dich gegen zehn Uhr zum Umkleiden deiner Herrin in eine der Garderoben neben dem grossen Saal begeben. Gut, daran wird nichts geändert. Ehe du aber den dunkelblauen Anzug dortin bringst, wirst du die weissen Achselbänder von demselben lostrennen und dafür diese hier aufnähen." Bei den Worten zog er ein kleines Paketchen unter dem Mantel hervor, riss die Papiere ab und reichte dem auf's Höchste überraschten Mädchen zierlich gemachte Achselbänder, in Blau, Grün mit Silber. – "Das Ganze ist eine Ueberraschung für fräulein von S." fuhr er nach einer Pause lächelnd fort, "du musst nicht denken, dass hinter meinen Befehlen immer etwas Gefährliches stecke. Wie gesagt, nur ein Scherz, eine Ueberraschung. Du wirst also wohl begreifen, dass deine Herrin davon nichts ahnen darf und hast es denn auch so einzurichten, dass sie die neuen Achselbänder erst dann sieht, wenn sie vollkommen angezogen ist."
"Aber wie ist das möglich?" fragte das Mädchen, während es die hände zusammenfaltete. Trotz der Versicherung des Unbekannten glaubte sie doch nicht, dass die Verwechslung der Farben so gar wenig zu bedeuten habe, und zitterte wenn sie daran dachte, dass aus diesem Tausch Schlimmes für ihre Herrin entstehen könnte.
"Wie es zu machen ist, dass fräulein von S. die Farben nicht früher entdeckt?" meinte der im Mantel lächelnd. "Auf die einfachste Art von der Welt. Um die Achselbänder zu schonen, umnähst du sie mit seinem Papier, welches du nur loszureissen hast, sobald fräulein von S. vollständig angezogen ist. Hast du mich verstanden?"
"Ja," sagte das schmerzlich bewegte Mädchen.
"So höre noch Eins: Wenn du diese Sache gut besorgst, so wird es mich freuen und ich will dein Schuldner sein. Hüte dich aber, Jemanden, es sei, wer es wolle, davon zu sprechen, auf welche Art der Tausch der Achselbänder vor sich gegangen."
"Aber man wird mich darüber befragen, auf das Genaueste befragen."
"Daran zweifle ich nicht. Und du wirst antworten: diese Achselbänder seien heute Abend geschickt worden mit dem Befehl deiner eigenen Herrin, sie statt der weissen an das Kostüm zu heften."
Die Kammerjungfer schüttelte betrübt den Kopf. "Wenn dem so wäre," sprach sie, "so müsste ich doch mit dem gnädigen fräulein darüber sprechen, wenn sie nach haus käme und müsste ihr die neuen Achselbänder zeigen."
"Allerdings," versetzte der Fremde, "das