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die Schulter und sagte: "Ruhig, mein Freund! Lassen Sie das gut sein, wir wollen unsere Schritte schon tun. Erlauben Sie mir nur einen Augenblick, diesen Mann noch über den Hofmeister auszufragen. Das ist eine Sache, die mich von meinem Standpunkte aus höchlich interessirt."

Der General seufzte tief auf, fuhr sich mit der Hand über die Augen, und als er mit dem kopf genickt, liess er sich auf einen Fauteuil niedergleiten, wo er in tiefem Nachsinnen zusammensank.

Eilfertig hatte Herr Sträuber sein Geld eingeschoben und wandte sich mit einer tiefen Verbeugung nach der tür. "Noch einen Augenblick!" rief ihm der Polizei-Präsident nach. Was Sie von dem Hofmeister sagen, interessirt mich. Wissen Sie vielleicht den Namen desselben?

"O ja," entgegnete Herr Sträuber. "Es ist ein sonderbarer Name; ich hörte ihn, aber ich habe ihn wohl vergessen. Warten Euer Gnaden einen AugenblickHerr Axtnein! – Herr Messerauch nichtaber es ist etwas Schneidiges dabei."

"Herr Beil?" sprach erwartungsvoll der Präsident.

"RichtigBeil, so heisst er. Ja wohl, Herr Beil, darauf können Sie sich fest verlassen."

Bei diesen Worten drückte sich Herr Sträuber rückwärts zur tür hinaus und eilte, so schnell er konnte, die Treppen hinab. Erst als er auf der Strasse angekommen war, atmete er tief auf, drückte mit der Hand an das Geldpaket, das er auf der Brust verwahrt hatte, und wandte seine hastigen Schritte gegen den Eisenbahnhof. Er dachte an eine angenehme Fahrt, an frische Winterluft, vorüberfliegende Bäume und Häuser und ein gutes Nachtquartier, wo er in der warmen stube bei einem gewählten Nachtessen sitzen wolle, der Stadt, dem Fuchsbau, der Polizei, sogar i h m ein Schnippchen schlagen, und bei einem guten Glase Wein überlegen, was weiter zu tun sei.

So dachte Herr Sträuber, und ihm ahnte nicht, dass derweilen ein finsteres Verhängniss hinter ihm drein schreite, die ewige Gerechtigkeit, – diesmal in blauer Uniform mit einem dreieckigen Hut, unter welchem eine rote spitze Nase drohend hervorsah.

Der Polizei-Präsident war an den Fauteuil seines Freundes getreten und hatte mit wirklichem Mitgefühl gesagt: "Bester General, das ist in der Tat eine verwickelte geschichte. Sie wollten mich vorhin nicht zu Worte kommen lassen, als ich mich nach jenem Hofmeister erkundigte. Wie Sie hörten, tat ich dies aber doch, und die Auskunft, die ich erhielt, macht mich schaudern. So wehe es mir tut, kann ich es Ihnen doch nicht verschweigen: Jener HofmeisterBeil heisst erist der Teilnahme an einem kürzlich verübten Einbruch dringend verdächtig, und ist derselbe jedenfalls Mitglied einer weit verzweigten Diebesbande, die in hiesiger Stadt ihr Unwesen trieb, der wir aber, Gott sei Dank! auf der Spur sind, und die wir überraschen und schonungslos aufgreifen müssen. Schonungslos sage ich, und wir müssen, so leid es mir tut, mit dem Hofmeister jenes Knaben anfangen."

Hier schwieg der Präsident einen Augenblick, und erst als der General achselzuckend mit dumpfer stimme entgegnete: "Tun Sie so, Sie haben Recht," fuhr er fort:

"Dabei aber, bester Freund, könnte vielleicht der Fall eintreten, dass man auch jenen jungen Mann, der dort zuweilen hingehen soll, in dem haus anträfe."

"Sie wollen sagen: jene Frau," entgegnete zähneknirschend der General.

"Auch das wäre möglich, und es sollte mir wahrhaftig leid tun," setzte der Präsident wie sich entschuldigend hinzu. "Doch könnte man dafür sorgen, dass jene Dame nicht dort getroffen würde."

"Im Gegenteil!" rief der General mit funkelnden Augen, wobei er von seinem Stuhl in die Höhe sprang. "Man soll sie finden, au nom de Dieu! Man soll sie finden, et je m'en charge, président. Bereiten Sie Alles vor, das Haus zu durchsuchen, aber warten Sie, bis Sie von mir zwei Zeilen erhalten. Das wird gewiss heute noch geschehen. Dann aber greift, was ihr findet, ohne Schonung, und haltet fest, was da ist. In demselben Augenblicke werde ich mir allerhöchsten Ortes eine Audienz ausbittenpoint de menagéments, je vous prie!"

Er reichte dem Polizei-Präsidenten schweigend die Hand, und dieser, die Gemütsstimmung des Generals verstehend, entfernte sich schweigend.

Sechsundsiebenzigstes Kapitel.

Achselbänder.

gewöhnlich wurden jedes Jahr bei Hof zwei grosse Maskenbälle gegeben. Es war das so herkömmlich, und wenn sich vielleicht auch Niemand besonders dabei amusirte, so sah man diesen Festen doch mit einigem Interesse und Neugierde entgegen; es war eine Unterbrechung in dem beständigen Einerlei der Diners und Frühstücke, der Hofkonzerte und gewöhnlichen kleineren und grösseren Bälle. Es fiel da meistens allerlei vor, worüber man ein paar Wochen lang sprechen konnte, es gab da Kostüme zu bewundern und zu bekriteln. Selbst das Hofmarschallamt, das bei diesen Festen Arbeit und sorge genug hatte, liebte dergleichen ein paar Mal im Jahr; es war das, wie wenn das Militär in neuen Anzügen, Waffen und Fahnen paradirtso glänzte dann der Hofmarschall mit den besten Livréen, den schönsten Sälen, prächtiger Beleuchtung und dem grossen Silberzeug. Desshalb glich auch schon mehrere Tage vor diesen grossen Bällen ein teil des Schlosses, namentlich der, wo sich die Küchen befanden, einem Bienenschwarme, und wie in