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.!"

"Und weiss dies Subjekt, dass es vor mir, dem Polizei-Präsidenten, zu erscheinen hat?"

"Man hat ihm begreiflicherweise nichts davon gesagt. Dieu nous en garde!"

"Schön," sprach der Andere mit grosser Wichtigkeit, wobei er seine Nase fest zwischen die Finger einklemmte. "Lassen Sie ihn erscheinen, bester General, ich werde auf den ersten blick sehen, wen wir vor uns haben. – Apropos! hat die Baronin von diesen Schritten Kenntniss? Das heisst, verstehen Sie mich wohl, kann sie eine Ahnung davon haben, dass der Aufentalt ihresdes Knaben," verbesserte er sich, "abermals entdeckt ist?"

"Une belle affaire, ma foi!" meinte der General, "da würden wir abermals das Nachsehen haben. Davon ahnt sie nichts. Vor kurzer Zeit noch aufgeregt, fast fieberhaft, ist sie jetzt ruhig und sicher geworden. Sie sieht sich ungestört im Besitz des geliebten Knaben." Bei diesen letzten Worten presste der General die Lippen aufeinander, dann öffnete er die tür des Nebenzimmers, und sagte dem Kammerdiener, welcher unter derselben erschien, einige Worte.

Der Polizei-Präsident war aufgestanden, machte ein paar Gänge durch's Zimmer und dann stellte er sich so in die Vertiefung des Fensters, dass der dunkle Vorhang sein Gesicht beschattete.

Jetzt öffnete sich die tür des Nebenzimmers wieder, und ein Mann trat herein, der, den Hut in der Hand, schüchtern und befangen auf der Schwelle stehen blieb. Es war eine schmächtige Gestalt, und wenn wir dem geneigten Leser zum Ueberflusse sagen, dass er einen schwarzen Frack trug, scheu und ängstlich um sich blickte, und eine Fassung dadurch erheuchelte, dass er seinen gelben Hemdkragen in die Höhe zog, so wird Niemand mehr im Zweifel sein, dass es Herr Sträuber ist, den wir vor uns haben.

"Treten Sie näher," sagte der General. "Ich liess Sie zu mir bitten, um Ihnen zu sagen, dass ich die verlangte Summe bewilligen will, Sie aber dabei auffordere, mir Ihre Aussagen im Beisein eines meiner Freunde zu machen. – Wollen Sie?"

Herr Sträuber warf einen schnellen blick auf das Fenster, an welchem der Präsident stand, doch deckte jetzt der Vorhang auch vollkommen die Gestalt desselben.

"Warum nicht!" sagte der Schuft nach einer kleinen Pause. "Doch was mir Eure Erlaucht, der Herr Graf, versprach: meinen Namen geheim zu halten, diese Bedingung wird der andere Herr wohl auch eingehen?"

"natürlich," versetzte der General. "So sprechen Sie. Sie wissen also, wo das bewusste Kind ist?"

"Ich weiss es."

"Begreiflicherweise verlangen Sie zuerst Ihr Geld und werden mir dann erst den Aufentalt nennen. Ich finde das in Ihrer Stellung nicht mehr als billig, und habe darauf gerechnet. Hier zählen Sie diese Papiere durch."

Herr Sträuber wollte einige höfliche Einwendungen machen, doch warf der General verächtlich seinen Kopf empor und sagte in bestimmtem Tone: "Sie werden das Geld zählen und dann sprechen."

"Halt!" mischte sich der Präsident aus seinem Versteck heraus in's Gespräch, "die Partie ist zu ungleich. Wenn Sie diesenHerrn auch im Voraus bezahlen wollen, so wäre doch zu verlangen, dass er sich über die Glaubwürdigkeit seiner Angaben einigermassen legitimirt. Den Teufel auch! er könnte Ihnen da für ächtes Geld eine falsche Adresse geben."

Für Leute, wie Herr Sträuber, die mit einem schlechten Gewissen behaftet, begreiflicherweise in einer fortwährenden Angst leben, ist es immer unheimlich, eine stimme zu hören, wenn man das dazu gehörige Gesicht nicht sehen kann. Umsonst versuchte er es, hinter den Vorhang zu schielen, er musste sich endlich zu einer Antwort bequemen, da nun auch der General der Ansicht des Andern beitrat.

"Und wie soll ich mich vor den Herren legitimiren?" fragte zaghaft Herr Sträuber.

"Auf die einfachste Art von der Welt. Wenn Sie wirklich dem Aufentalt des Kindes nachgespürt haben, so beschäftigen Sie sich schon längere Zeit damit und werden also ersucht, uns zu sagen, wo das Kind in hiesiger Stadt sich früher befand, und wie es an seinen jetzigen Aufentaltsort kam."

Herr Sträuber schluckte einige Mal und blickte verlegen zu Boden. Er drehte seinen abgerissenen Hut zwischen den Fingern, und wenn ihm auch die angebotene Summe recht hübsch vorkam, und bereits sehr erreichbar schien, so war ihm doch die auferlegte Verbindlichkeit nicht angenehm. Den jetzigen Aufentalt des Knaben anzugeben, darin hätte er nichts Arges gesehen, namentlich keine Verräterei, vor der er sich über alle massen scheute, aber wenn er von den früheren Vorfällen, jenen Knaben betreffend, sprach, so musste er auch die wohnung des seligen Schwemmer nennen, ja er musste eine gewisse person auftreten lassen, eine person, bei der ihn ein tiefer Schauder überflog, wenn er nur an sie dachte. Herr Sträuber beschloss, klug zu Werk zu gehen, desshalb erhob er seine Augen, blickte den General so treuherzig an, als ihm nur möglich war, und sagte: "Verzeihen mir Euer Erlaucht, Herr Graf, so war eigentlich die Bedingung nicht, unter welcher ich mich verpflichtete, aber da es dem andern Herrn wünschenswert erscheint, so stehe ich gern zu Befehl. Der Knabe, um den es sich handelt, wohnte in der E.'schen Strasse