mit angenehmen Erinnerungen, promeniren, reiten, kurz Sie tun, was Ihnen beliebt."
"Was an Ihrer Behauptung Wahres ist, mon cher, das wollen wir sehen. Ich habe mir nämlich vorgenommen, Ihnen einige Konfidenzen zu machen."
"Dem alten Freunde!" erwiderte der Präsident halb gerührt, wobei er seine Nase tief herab zog und aufwärts blinzelte.
"Dem alten Freunde – ja!" sagte der General, und fuhr dann mit sehr scharfem Tone fort: "eigentlich mehr noch dem Polizei-Präsidenten."
Der Andere liess erstaunt seine Nase los, welche sich frei fühlend, augenblicklich in die Höhe schnellte. Seine Augen drückten grosses Erstaunen aus, wesshalb der General hinzusetzte:
"Comprenez, mon enfant, dem Polizei-Präsidenten – par ce qu'il est mon ami." Hierauf hüstelte er in sich hinein, polirte dann den Deckel seiner goldenen Schnupftabaksdose und bot seinem Gegenüber ein Prise an.
Doch bedankte sich der Präsident, denn er hatte einen wahren Abscheu vor dem Schnupfen, ja, seine Nasenflügel zitterten scheinbar entrüstet ob dieser Zumutung.
Dagegen aber schnupfte der General für Zwei, und nachdem er sich den Tabak aus dem dünnen Schnurrbart gewischt, Cravatte und Morgenrock gesäubert, sagte er: "Eh bien, ich bin ein alter Soldat und gehe gerade darauf los. Nur bitte ich, mon cher, dass Sie mir einige Aufmerksamkeit schenken mögen. – Sie wissen, es gibt in jeder Familie einen Haken, den man nicht gern anschaut, an dem man sich stosst, den man nicht wegbringen kann, und der unsern guten lieben Nebenmenschen Veranlassung gibt, alles Böse daran aufzuhängen."
Der Präsident nickte schweigend mit dem kopf.
"Meistens," fuhr die alte Excellenz fort, "sind es Anverwandte, die einem Kummer bereiten, oder gottlose Kinder, falsche Freunde, Ungnaden von ober herunter, aber alles das habe ich nicht. Ueberhaupt kann ich in meiner Carrière von Unglück nicht sprechen, j'ai fait rapidement mon chemin, mein Vermögen liess mich alles mitmachen, ich lebte glücklich und zufrieden, bis mich der Teufel plagte und ich eine Frau nahm."
"Oh!" machte der Präsident. "Sie spassen, General."
"Soll mich – wenn ich spasse! D'honneur! Es ist das mein blutiger Ernst. Sehen Sie, Präsident, damals hätten wir Beide nicht so weit von einander stehen sollen. Ich weiss, dass Sie es immer gut mit mir meinten; Sie wären aufrichtig gewesen und hätten mir gesagt: Mon vieux, crois-mois, lass das Heiraten bleiben. Nun, man hat mir wohl dergleichen unter die Nase gerieben, aber Mademoiselle war sehr schön, ich ein verblendeter alter Narr – enfin! Darüber lässt sich nichts mehr sagen, ich habe meinen Willen durchgesetzt, voilà tout."
Der Präsident wusste nicht, was er bei dieser Erklärung für eine Miene machen sollte. Er fühlte wohl, dass der General in manchen Dingen Recht habe, aber wenn Jemand sich selbst Grobheiten sagt, so kann man ihm doch unmöglich darin beistehen. Der Chef der Polizei fühlte ein Jucken oben an seiner Nase, und um diesen Kitzel zu befriedigen, senkte er sie tief herab, – das Beste, was er tun konnte, denn dies gab ihm ein Aussehen von Nachdenken, von gerührter Teilnahme, wesshalb ihm denn auch der General die Hand auf den Arm legte und fortfuhr:
"Lassen Sie sich das gar nicht anfechten, teuerster Freund. Wie gesagt: Wir sind darüber hinaus. Nichts von Leidenschaften, nichts von Klagen, nur eine ruhige Besprechung."
"So sei es," entgegnete der Präsident, und dabei streckte er dem General mit einer ziemlich wehmütigen Geberde seine Hand entgegen. "Also eine Besprechung."
"Zum Freunde, aber auch zum Chef der Polizei."
"Beide hören."
"Sie kennen meine Frau, – eine schöne Frau, vraiment, die Welt sagt auch, eine geistreiche, liebenswürdige, charmante Frau, kurz, die Welt, die sonst gern Böses spricht, macht mit meiner Gemahlin eine seltene Ausnahme."
"Und diesmal, glaube ich, hat die Welt Recht," wagte der Präsident zu sagen.
Ein bitteres Lächeln flog über die Züge des Generals; nichtsdestoweniger aber fuhr er ruhig fort: "Da aber von eben dieser bösen Welt eine Familie, ein Haus nie ungerupft davon kommt, so ist auch in dem meinigen ein böses Prinzip, ein finsterer Geist, Schatten neben Licht – und dieser Schatten bin ich."
"Wie kann man nur so etwas denken!" sprach scheinbar entrüstet der Präsident, und knipste dann seine Nase, so dass sich dieselbe wie erschrocken abwandte. "Nur nicht dergleichen Grillen, lieber Freund! Die Welt kennt Sie, achtet und liebt Sie."
"Amen!" sagte hämisch der General. "Das ist mir auch von der Welt sehr gleichgiltig. Doch gehen wir weiter. Meine Frau also, dieser Engel der Sanftmut, Aufrichtigkeit, Ehrbarkeit und was man Alles will, hat mir von jeher Veranlassung zu – nun, wie soll ich sagen? – zu Misstrauen gegeben. Anfänglich kämpfte ich es nieder: Ich schämte mich vor mir selber. Was mir Alles verdächtig erschien, kann ich nicht sagen – ein blick, ein Wort, ein Brief, eine seltsame Bekanntschaft, Vieles war vielleicht folie et pure imagination de ma part, mais – mir