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von der zukünftigen Gräfin Fohrbach sprach?"

Der Major lachte laut auf. "Man kann sich bei dir nicht genug in Acht nehmen," sprach er; "ich glaube, du controlirst sogar meine Mienen."

"Weil die immer etwas zu bedeuten haben, und weil du obendrein hm! machtest, und hinter deinen Hms steckt immer etwas."

"Es steckt eigentlich nichts dahinter," entgegnete der Andere mit ernsterem Tone. "Aber wenn man so seine Brautschaften Freunden proklamirt, da muss auch Alles in Ordnung sein, glatt und eben und der Altar in Sicht."

"Nun, bei Gott!" erwiderte einigermassen verdriesslich der Graf, "ich sehe auch keine grossen Steine mehr im Wege. Eugenie und ich –"

"Ihr seid einig, das wissen wir," sagte der Major mit einer Handbewegung gegen seinen Freund. "Mama werden auch über den mangelnden Reichtum der Braut hinweg sehen, auch sind der Herr Kriegsminister ein guter Vater; aber vergiss nicht, dass deine Heirat in hohen Kreisen etwas missliebig angesehen wird, und wenn Seine Excellenz einen tüchtigen Wink erhält, so könnte es kommen, dass man dich avancirte, zum Major machte und als Anhängsel zu irgend einer Gesandtschaft schickte."

"Zum Henker! Du siehst immer schwarz!" rief der Graf. "Ich weiss wohl, du meinst, der Herzog machinire gegen mich. Nun, ich glaube wohl, dass er trotz allen fehlgeschlagenen Versuchen noch nicht den Mut verloren hat."

"Ich sehe nicht schwarz, lieber Freund," erwiderte der Major. "Aber ich kenne mein Terrain, und leugnen wirst du mir nicht, dass der Herzog auf Tod und Leben in das schöne Mädchen verliebt ist. Sie ist arm, aber von sehr gutem haus; ihn selbst verheiratet sehen, ist der sehnlichste Wunsch der Herzogin. Meinst du, es sei am Ende nicht möglich, dass sich der Herzog seiner Mutter declarirte und Eugenie zu seiner Frau machte, da sie ihm nichts Anderes sein will?"

Graf Fohrbach blickte mit dem Ausdruck eines grossen Schreckens auf das Gesicht seines Freundes, ob dort nicht ein lächelnder Zug den Scherz verrate. Aber die Züge des Letzteren blieben vollkommen gleich und ernst.

"Ich habe keine bestimmte idee," sagte er, "dass dies so kommen könnte, aber wie die Verhältnisse nun einmal liegen, sollst du als Verliebter die Sache nicht so leicht nehmen, sondern alle Schrauben anziehen, um baldigst zu einem Ziele zu gelangen. – Mich hat," fuhr der Major nach einer Pause fort, während der Graf Fohrbach nachdenkend zum Fenster hinausgeblickt, "die Wette, welche dir der Herzog neulich proponirt, verletzt, ja erschreckt. Mach' mir keine Einreden in Betreff Eugeniens. Ich kenne die grosse und auch feste Seele dieses Mädchens; aber sie steht auf glattem Boden. Ja, ich sage es offen, nur ein Narr proponirt dergleichen Wetten ohne irgend welche Aussicht auf Erfolg. Und ein Narr ist der Herzog gerade nicht."

"Nun, diese Aussichten sind gering," versetzte nach einem tiefen Atemzuge lächelnd der Graf. "Da lies dies Billet; ich erhielt es gestern von Eugenien."

Der Major nahm das dargereichte zierliche Briefchen, entfaltete es und las: "Wie leid tut es mir, dass ich deinen Wunsch so ohne alle Schwierigkeiten erfüllen kann! Ich bin für den Maskenball zu einer der Ecuyèren Ihrer Majestät ernannt, und da ich mit den beiden andern Damen Achselbänder in einer der Farben des angenommenen Wappens tragen soll, weiss, grün und Gold, so ward es mir leicht, die erste Farbe für mich zu wählen. O, wie sie mir lieb ist, da ich weiss, dass du sie gerne siehst!" – "Ja, das ist recht schön und es freut mich," sprach der Major, nachdem er gelesen.

"Und das ist noch nicht Alles," entgegnete der Graf, indem er sich dem Freunde näherte und die stimme dämpfte, als fürchte er unsichtbare Ohren in dem leeren Zimmer. "Eugenie will mit der Frau Herzogin sprechen, und, im Falle diese uns gnädig gesinnt ist, ebenfalls an ihrem hut eine weisse Schleife tragen."

"Nun, Gott gebe seinen Segen dazu," sagte der Major. Dann zog er seine Uhr hervor und fuhr fort: "Nimm mir nicht übel, Eugen, ich habe einen Fremden anzumelden. Wenn du noch ein bischen verziehen willst, so setz' dich nieder und nimm ein Buch, es dauert nicht lange."

Der Graf hatte sein Billet sorgfältig wieder eingesteckt und erwiderte lachend: "Ich danke dir herzlich; nur die Lust, mit dir ein paar Worte zu sprechen, hielt mich hier zurück. Ohnedies habe ich ja morgen wieder die Ehre, ein Sklave dieser Räume zu sein. Desshalb will ich mich heute meiner Freiheit freuen. lebe' wohl!"

"Heute Abend sehen wir dich?" fragte der Major.

"natürlich, deine Frage veranlasst mich, das Schloss schleunigst, zu verlassen. Gott der Gerechte! Man könnte mich am Ende wieder zu einer Whistpartie da behalten wollen!"

Mit diesen Worten ging er fort, der Major blieb allein zurück, nahm eine sehr wichtige Miene an, rückte Schärpe und Säbelkuppel zurecht, und erwartete aufund abschreitend die lispelnde Meldung des Kammerdieners.

Als der Graf das Schloss verlassen hatte und über den Hof dahin schritt, ging er sehr langsam und