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besonders darauf achtete, so gingen mehrere schöne Händedrücke für diese undankbare Welt verloren.

An der tür sagte der Baron von Brand zu dem Hausherrn: "Ich hätte bald vergessen, Sie zu fragen, lieber Graf, wie Sie es morgen bei dem Begräbniss der fräulein von M. halten?"

"O, ich schicke einfach einen geschlossenen Wagen hin."

"Kutscher und Bedienten?"

"Natürlicher Weise; je grösser die Pracht, desto mehr bezeugt man sein Beileid. – Gute Nacht! – Gute Nacht!" –

Der Wagen des Majors fuhr zuerst ab, er selbst darin mit dem Assessor und dem Herrn von Dankwart; doch muss man durchaus nicht glauben, es habe der Letztere sich des angebotenen Mittelplatzes bedient; im Gegenteil, er setzte sich unter vielen wichtig ausgesprochenen, im grund aber sehr unwichtigen Redensarten in die rechte Ecke des Coupé's und versicherte, man könne sagen was man wolle, die in hiesiger Residenz gebauten Wagen seien alle unerträglich, ein Uebelstand, dem er aber abhelfen werde, indem er gerade im Begriffe sei, einen neuen Unterwagen zu construiren, so vortrefflich, ja sinnreich erdacht, dass er notwendiger Weise bei der Ausführung die allgemeine Bewunderung erregen müsse.

Als Artur im zweiten Wagen mit dem Baron durch die Strassen fuhr, und dieser über gleichgültige Dinge sprach, fiel dem Maler abermals die Aehnlichkeit mit der stimme auf, die er heute Abend an jenem Durchgange gehört.

"Es ist sonderbar," sagte er, "wie sich zwei Organe gleichen können; heute Abend zog ich in den Strassen der Stadt umher und hätte unter anderen Verhältnissen darauf schwören wollen, Sie, Baron, da gehört zu haben."

"Ei der Tausend," entgegnete Herr von Brand, "und wo war das, wenn ich fragen darf?" Dabei zog er ein Sacktuch hervor, und der ganze Wagen füllte sich mit dem eigentümlichen Parfum des schon erwähnten coeur de rose.

"natürlich ist es eine Täuschung," fuhr der Maler fort, "es war in der Gegend des Marktplatzes, wo die alten merkwürdigen Häuser stehen, für uns Künstler ein interessanter Platz. Es ist dort ein Durchgang."

"So, ein Durchgang? – Ich erinnere mich nicht."

"Das glaube ich wohl," sagte Artur lachend. "Dieser Durchgang führt namentlich zu einer sonderbaren Kneipe, wo sich herumziehende Musikanten, Gaukler von der Messe, und allerhand Leute von noch weniger ausgesprochenem, aber doch einträglichem Gewerbe zusammen finden."

"Ah! das muss nicht uninteressant sein!" meinte der Baron. "Waren Sie schon da?"

"In dem haus selbst nie."

"Das ist schade, sonst könnten Sie mich einmal hin führen; man sieht da lustige und pikante – – Scenen; ich liebe dergleichen. – Wie heisst die Kneipe?"

"Zum Fuchsbau," entgegnete Artur.

"Habe den Namen nie gehört," versetzte lachend der Baron, "will mir ihn aber merken."

Damit war der Wagen an dem haus Artur's angekommen; der Kutscher hielt die Pferde an, der junge Maler öffnete den Schlag, sprang heraus und wünschte dankend eine gute Nacht.

Als der Baron seine wohnung ebenfalls erreicht, verliess er das Coupé, welches nach den Stallungen fuhr, während er in den Torweg seines Hauses trat. Hier war er eben im Begriff, die Klingel zu ziehen, als er bemerkte, dass ihm Jemand von der Strasse nachgefolgt war, der, dicht in einen Mantel gehüllt, ganz nahe vor ihn hintrat.

Der Herr von Brand wich bei dieser plötzlichen Begegnung einen Schritt zurück und griff mit der Hand in seine Brusttasche, vielleicht absichtslos, vielleicht aber hatte er auch dort eine Waffe verborgen.

Der Andere, welcher diese Bewegung sah, rief laut lachend: "Gut Freund! Baron; lassen Sie nur stekken! – Teufel auch! ich glaube, Sie hätten nicht übel Lust, eine Pistole gegen mich zu wenden."

Der Baron, welcher augenblicklich diese stimme zu erkennen schien, sprach im Tone der höchsten Ueberraschung: "Wie? Sie sind es, gnädigster Herr? – Ich muss gestehen, ich hätte Euer Durchlaucht nicht zu der Zeit hier erwartet."

"Daran sind Sie selbst Schuld; man findet Sie ja nie, und wo Sie oft sind, habe ich nicht immer Lust hinzugehen."

"Ah! zum Grafen Fohrbach!"

"Ganz recht! ganz recht! – Haben Sie Zeit für mich zu zwei Worten?"

"Die ganze Nacht. – Aber wollen Euer Durchlaucht nicht zu mir hinauf spazieren?"

"Nein, nein, ich will nach haus. – Kommen Sie einen Augenblick in die Strasse, es ist gleich abgemacht." – Damit fasste er den Baron unter dem Arm, und Beide traten aus dem Torwege hinaus, um bei der Häuserreihe in langsamem Schritt auf und ab zu gehen.

"Sie wissen," sagte der Unbekannte, "ich habe es mit vieler Mühe durchgesetzt, dass Eugenie von S. zum Ehrenfräulein ernannt wurde."

"Schön," entgegnete der Baron, indem er mit dem kopf nickte; "sie wird im schloss wohnen. – Euer Durchlaucht haben da die beste gelegenheit, sich ihr zu nähern."

"Teufel auch! wenn mich das nur was nützt! – Sie soll sehr streng sein und wird hier bald einen Anhang von Leuten haben, die mir gerade nicht besonders