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verwandelt, die ihm alles, Das, was er fürchtete, in den schrecklichsten, üppigsten Bildern vormalten. Ihm träumte wieder, es schleiche Jemand durch das Haus und komme an ihre Zimmertüre. Diese wurde langsam geöffnet und von Licht und Glanz überflossen empfing sie den Geliebten, den wirklich und einzig Geliebten. Das sah man an dem innigen blick ihres feuchten Auges, an dem Lächeln um ihren leicht geöffneten Mund, an dem Zittern ihrer Hand, die sie ihm entgegen streckte und mit der sie ihn alsdann hastig zu sich in's Zimmer zog. – Ah! –

Es gibt einen leichten, unruhigen Schlaf, aus dem man sich emporreissen kann, erwachen durch die Kraft des Willens: so auch der Schläfer hier, als ihm dies geträumt. Er tat einen tiefen Atemzug, er öffnete gewaltsam die Augen, er erwachte, er horchte, wie er oft in der Nacht tat. Spielten denn seine Träume in die Wirklichkeit über, wie sich vorher seine Gedanken in Träume verwandelt? Konnte er sich diesmal täuschen? – Schlich nicht Jemand draussen auf dem Gange?

Im Nu war Herr Blaffer aus dem Bette und stand mit verhaltenem Atem an der Stubentüre. Oh! der Buchhändler war nicht so leicht zu überlisten! Schon lange schloss er seine tür nicht mehr fest, damit das Geräusch des Schlosses ihn nicht verrate, wenn er auf den gang blicken wollte. Allabendlich löschte er sein Licht aus und dann zog er den Türflügel so viel zurück, dass er durch die entstandene Spalte hinaus schauen konnte.

So war es auch heute Abend geschehen, und als er zitternd vor Erwartung davor stand, sah er genau dasselbe, was ihm wenige Augenblicke vorher geträumt. Sie stand an ihrer Stubentüre und von Licht und Glanz übergossen empfing sie den Geliebtenden wirklich und einzig Geliebten. Das sah man an dem innigen blick ihres Auges, an dem Lächeln um ihren leicht geöffneten Mund, an dem Zittern ihrer Hand, die sie ihm entgegen streckte und mit der sie ihn alsdann hastig zu sich in's Zimmer zog. Darauf schloss sich die tür wiederund der Riegel wurde vorgeschoben. – Nein, er auf dem dunkeln Gange träumte nicht mehr, wie er wohl gehofft, wie er glaubte, denn er schlug sich so lange vor die Stirn, bis sie ihn schmerzte, er presste die Hand krampfhaft auf die Brust und fühlte sein Herz schlagen. Er wollte vorwärts stürzen und die tür mit einem Fussstoss eintreten. Aber er besann sich eines Bessern; der da drinnen war vielleicht stärker als er, und da er Rache nehmen wollte, blutige Rache, so musste er sich eine Waffe suchen. Wo war etwas der Art im haus? Er dachte eine Sekunde nach, dann trat er in's Zimmer zurück, warf sich mit fiebrischer Hast in die Kleider und schlich auf den blossen Füssen die Treppen hinab nach dem Magazine, dessen tür er geräuschlos öffnete. Dort in einer Ecke neben der Wage lag das grosse Packmesser. Als er das kalte Heft desselben ergriff, durchschauerte es ihn unheimlich; er fuhr mit der andern Hand an die glühende Stirn und wischte sich die Schweisstropfen davon ab. Auch bedeckte er einen Moment lang seine Augen, denn trotz der tiefen Finsterniss, die ihn umgab, gaukelten allerlei formlose Gestalten um ihn her. Das war sein empörtes Blut, welches ihn auch Funken und Blitze sehen liess, die seinen Augen zu entspringen schienen. Dabei hatte er das Gefühl, als wanke der Boden unter ihm, und als er nun doch vorwärts strebte, dem Ausgang und der Treppe zu, schwankte er hin und her, und musste sich an den Wänden halten und zuweilen einen Augenblick ausruhen, um nicht niederzustürzen. Von seinen verwirrten Sinnen blieb nur ein einziger klar und tätigdas Gehör. In seinen wildesten Gedanken, mitten in den qualvollsten Anstrengungen des kraftvollen Vorwärtsstrebens lauschte er angestrengtund jetzthörte er abermals schleichende Tritte. Ja, das war er, dem das Mädchen die tür geöffnet; er m u ss t e es sein. – Und doch! Er sammelte einen Augenblick seine zerstörten Gedanken, um sich zu erinnern, wo er sich befinde, und als ihm klar wurde, dass er im Magazine sei, wusste er auch sogleich, dass die Tritte, die er hörte, aus seinem eigenen Schlafzimmer herunter tönten und nicht aus dem ihrigen. Er horchte angestrengter. Er vernahm ein leises Klirren; – ja, er irrte sich nicht: droben wurde ein schweres Schloss geöffnet. – Herr des himmels! das seiner Kasse. Er zuckte aus seiner horchenden Stellung empor, er strebte die tür zu erreichen, und als er gerade auf den gang hinaus wollte, vernahm er, dass droben ein Fenster geöffnet wurde. Unwillkürlich wandte er den Kopf und blickte auf die untern Fenster, die von dem Magazin auf den Hof gingen und mit denen seines Schlafzimmers correspondirten. Da sah er, wie sich von oben ein Körper langsam herab bewegte: es war ein Mann, der sich an einem Stricke herunter liess. – "Räuber! Räuber!" schrie Herr Blaffer, so laut er konnte. Dabei stürzte er gegen das Fenster, riss es auf und da in diesem Augenblicke der Körper eines Menschen, eines Diebes, gerade vor demselben schwebte, so stiess er demselben mit aller Kraft das grosse Packmesser in den Leib, so dass er augenblicklich den Strick losliess und dröhnend zu Boden fiel.

Leider liess sich Herr Blaffer darauf