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Stunde angenehm verplaudert, und der es so vortrefflich verstanden, seine guten Lehren humoristisch in artige Gleichnisse einzukleiden, und der selbst Püffe und Katzenköpfe auf ungezwungene und fast angenehme Art zu geben wusste, so dass man ihm gar nicht einmal darüber böse sein konnte. Ach! sogar dieser Püffe erinnerte sich August sehnsüchtig, und er hätte gern dergleichen wieder ausgehalten, dann wäre ja der gute Herr Beil wieder bei ihm gewesen. – Aber er hatte seinen Besuch noch nicht angezeigt, denn drunten die Gasflamme brannte hell wie immer, bestrahlte den eisernen Kandelaber und warf einen weiten Lichtkreis vor sich auf den Boden. – Doch halt! was war das? Plötzlich war das Licht verlöscht, und August hatte doch Niemand gesehen, der sich demselben genähert. Wie schlug ihm sein Herz! Er eilte an die Kammertüre und horchte in's Haus hinab. Drunten war Alles stille; der Buchhändler hatte sich zur Ruhe begeben, und als August aufmerksamer lauschte, hörte er ihn aus seinem Schlafzimmer leise husten. Er wartete noch eine lange, lange halbe Stunde, dann liess er sich an dem Treppengeländer hinab gleiten. Er hatte dieses Manöver oft ausgeführt, wenn er sich verschlafen hatte und von dem Prinzipal nicht gehört sein wollte. Unten angekommen, schlich er leise zur Haustüre, drehte den Schlüssel zweimal, schob die schweren Riegel zurück und kehrte nun, gehorsam dem erhaltenen Befehl, mit verhaltenem Atem in seine Dachkammer zurück.

Jede Minute, die er hier oben zubringen musste, däuchte ihm eine Ewigkeit. Er hielt das Ohr an die tür und lauschte angestrengt in's Haus hinunter. – Alles ruhig und still, sogar Herr Blaffer hüstelte nicht mehr; wahrscheinlich war derselbe eingeschlafen. Doch jetzt vernahm August ein Geräuschaber nein, es kam nicht unten vom haus herauf, es kam vom dach her. Was konnte das sein? Ja, in der Nebenkammer, wo ehedem die Schwester geschlafen, vernahm er es jetzt. Dort schlich etwas auf dem Boden, dort tappte es an der Wand fort und suchte die tür zu finden. Das konnte doch nicht Herr Beil sein, der sollte ja, was natürlich war, unten zur Haustüre herein kommen. Und doches war keine Täuschung möglichihm gegenüber an der anderen Kammertüre bewegte sich etwas. Vorsichtig wurde auf die Klinke gedrückt, und sie hob sich ganz geräuschlos. Doch ehe die tür geöffnet wurde, hatte August die Geistesgegenwart, sein Licht auszulöschen. Darauf lugte er wieder auf den gang hinaus, während sein Herz so heftig klopfte, dass er fürchtete, die Schläge müssen seine Gegenwart verraten; dabei hatte er ein eigenes Gefühl in den Haarwurzeln; es war ihm, als drehe sich jedes einzelne Haar langsam herum. Er dachte an Räuber, Mörder und Gespenster. An die letzteren zumeist; denn das, was ihm gegenüber jetzt die tür geöffnet hatte und über den gang dahin schwebte, konnte unmöglich ein menschliches Wesen sein. Er hörte keinen Tritt, er sah nur einen Schatten gegen die Treppe schweben und dann auf dem tieferen Dunkel derselben verschwinden. – Was war das? Hätte er nicht den Herrn Beil erwartet und sich also gefürchtet, Lärmen zu machen, so würde er unfehlbar durch sein Geschrei das Haus erweckt haben. So aber eilte er an das Fenster zurück, betrachtete sich nochmals die finstere Gaslaterne und sah dann auf die Strasse, ob sich nicht eine Spur von dem erwarteten Freunde entdekken liesse. Wer aber beschreibt seine Ueberraschung, als er sich wieder umwandte und unter der tür der kammer ein helles Licht gewahrte, welches ihm so blendend in die Augen fiel, dass er nicht im stand war, den Träger desselben zu erkennen. Sollte das vielleicht Herr Beil sein? – Aber warum dann so still und stumm in das Zimmer treten? Die Nerven des armen Lehrlings waren so aufgeregt, dass er, anstatt eine Frage zu tun, die hände vor das Gesicht presste und auf einen Stuhl niedersank.

Die Laterne an der tür oder vielmehr der Träger derselben bewegte sich in's Zimmer herein und eine stimme, die nicht wie die des Herrn Beil klang, aber auch keine ganz fremde für den Lehrling war, sagte ihm: "Sie haben Ihr Wort gehalten; ich danke Ihnen dafür."

"Gott sei Dank!" dachte August, indem er die hände langsam herabsinken liess, "das spricht doch jetzt und schleicht nicht mehr so gespensterhaft im haus umher." Er wagte es auch aufzublicken, und da nun der Eingetretene die kleine Blendlaterne, welche er in der Hand trug, von sich abhielt, so erkannte August mit Erstaunen die Züge des Herrn Brander, welcher ihm den Besuch des Freundes angezeigt hatte.

"Sie wundern sich, mich hier zu sehen," sagte dieser. "Das kann ich mir denken. Aber es anders zu machen war unmöglich. Herr Beil ist verhindert und ich komme, Ihnen das zu sagen."

"dafür bin ich Ihnen sehr verbunden," erwiderte kleinlaut der Lehrling. "Doch erlauben Sie mir eine Frage. Warum kamen Sie nicht zur Haustüre herein und die Treppen herauf und zogen es lieber vor, über das Dach in's Haus zu klettern?"

"Hörten Sie Jemand über das Dach in's Haus klettern?" fragte aufmerksam der Andere.

"So leise Sie auch gingen, so hörte ich Sie doch und sah auch, wie Sie die Treppe hinab schwebten."

"Ah! er ist schon da