Freundschaft annehmen zu wollen."
"O nein, nein!" rief August, während er begierig auf das Gold schaute, "das ist ja eine grosse Summe, wie kann ich so etwas annehmen! Und durch Sie, mein Herr, einen Fremden, den ich gar nicht kenne! Wenn er selbst da wäre, so wäre es etwas ganz Anderes."
"Herr Beil kennt Ihr Zartgefühl und hatte diesen Fall vorgesehen, doch sagte er: Herr Brander – ich heisse Brander – bitten Sie meinen lieben August dringend darum, er möge mir die Freundschaft erzeigen, und diese Kleinigkeit – Kleinigkeit in meinen jetzigen Verhältnissen – mit mir teilen. Will er mir danken, so werde ich ihm gelegenheit geben, dies in den nächsten Tagen persönlich gegen mich tun zu können."
"So kommt er hieher?" rief höchlich erfreut der Lehrling.
"Er kommt," sprach gerührt Herr Brander.
"Bald?"
"Sehr bald; – jetzt, da ich Ihre aufrichtige Freude sehe, Ihr Entzücken, den vermissten Freund wieder zu umarmen, darf ich es Ihnen anvertrauen. Herr Beil ist in der Stadt und wartet nur auf einen günstigen Augenblick, um Sie an sein Herz zu drücken."
"Sprechen Sie! sprechen Sie!" rief August. "Herr Beil ist in der Stadt?"
Der Fremde fuhr sich gerührt mit der Hand über die Augen, dann blickte er den jungen Mann einen Augenblick mit grosser Wärme an und entgegnete: "Ja, Herr Beil ist in der Stadt, und vielleicht morgen schon wird es Ihnen vergönnt sein, ihn zu sehen."
"So käme ich zu ihm?"
"Das verbieten ihm seine Verhältnisse. Aber er kommt zu Ihnen – hieher. Nur möchte er um Alles in der Welt dem Herrn Blaffer nicht begegnen. Aber da es ihn sehr drängt, Sie wieder zu sehen und auch seine ehemalige Behausung, so erbittet er sich einen Rat, wie das anzufangen sei."
"Nichts einfacher als das!" rief August erfreut; "ich öffne ihm Abends die Haustüre, die Herr Blaffer sorgfältig verriegelt. Er kennt ja den Weg hier herauf ganz genau, er wird ihn im Dunkeln finden."
Herr Brander schien sich einige Tränen der Rührung aus den Augen zu wischen; ja sein Gefühl überwältigte ihn und er drückte den Lehrling sanft an sein Herz. "Bei Gott!" sprach er, "mein Freund, Herr Beil, hat sich nicht getäuscht. Sie sind ihm zugetan, wie ehedem. Aber er wusste das und zweifelte nicht daran. Sagte er mir doch: alle meine Ersparnisse hier in diesem Beutel waren für August bestimmt – für August, den ich schätze und liebe. geben Sie ihm, bat er mich dringend, nicht die Hälfte, nein, das Ganze, wenn er sich seines ehemaligen gefährten warm und aufrichtig erinnert. Keine Worte weiter, keine falsche Scham! Nehmen Sie, junger edler Mann, ich schwöre Ihnen, dass ich dieses Gold nie mehr anrühren werde."
Bei diesen Worten drückte er dem Lehrling die kleine Börse mit solcher Energie in die Hand und schritt dabei so hastig der Treppe zu, dass August einsah, es sei überflüssige Mühe, hier noch länger zu wiederstreben. Er folgte also dem Herrn Brander, der mit seinem Gefühl nun absichtlich das Gespräch auf einen anderen Gegenstand brachte, und abermals die zweckmässige Bauart des Hauses bewunderte.
"Vortrefflich!" sagte er; "und sämmtliche Zimmer hier im ersten Stock gehen wohl durcheinander?"
"Verzeihen Sie," entgegnete August; "die zwei Zimmer, welche Herr Blaffer bewohnt, haben ihren eigenen Ausgang, ebenso die meiner Schwester."
"Also Herr Blaffer wohnt nach der Strasse," versetzte der Fremde in einem leicht begreiflichen Irrtum, den aber August alsbald berichtigte, indem er die tür zum Schlafzimmer des Prinzipals öffnete, um zu zeigen, wie er früher schon gesagt, dass die Fenster auf den Hof gingen; worauf Herr Brander einen einzigen blick in das Schlafzimmer warf und dann in's untere Stockwerk hinabstieg.
An der Haustüre angekommen, schüttelte er dem jungen mann herzlich die Hand und ging auf die Strasse. Doch kehrte er gleich darauf wieder zurück und sagte: "Apropos! fast hätten wir vergessen, ein Zeichen abzureden, wenn Sie Herrn Beil erwarten dürfen. Wie machen wir das gleich? – Richtig, sehen Sie hier neben dem haus die Gaslaterne; ihr Licht brennt doch jeden Abend?"
"Jeden Abend, sobald es dunkel wird, zündet man sie an."
"Schön, schön! Betrachten Sie sich also die Laterne. Brennt in ihr das Licht wie gewöhnlich, so ist nichts zu erwarten, bemerken Sie aber, dass es ausgelöscht ist, so kommt Herr Beil. – Haben Sie mich verstanden?"
"Vollkommen! Dann öffne ich langsam die Haustüre."
"Und ziehen sich in Ihr Zimmer zurück. Sie werden mich verstehen: die Freude des Wiedersehens auf der Treppe könnte einigen Spektakel verursachen und den Herrn Blaffer beunruhigen."
"Verlassen Sie sich ganz auf mich."
"Das werde ich, vortrefflicher junger Mann," sagte Herr Brander, worauf er das Haus eilig verliess und dicht an den Häusern vorbei die Strasse hinab schritt.
August kehrte in das Comptoir zurück und überzählte dort seinen Schatz – die Ersparnisse des guten Herrn Beil.
Vierundsiebenzigstes Kapitel.
Johann Christian Blaffer allein.
Am Tage nach dem im