und so musste er am Ende wohl glauben.
"Haben Sie einen Augenblick Zeit, mit mir in die Dachkammer zu steigen?" sagte dieser nach einer Pause. "Das heisst, wenn es im jetzigen Augenblick angeht. Ich möchte aber nicht gerne dem Herrn Blaffer begegnen: Sie verstehen mich wohl. Er stand mit seinem Commis nicht gut und da könnte auch ich schief angesehen werden."
"Unbesorgt!" erwiderte August. "Herr Blaffer hat Geschäfte; er kommt schwerlich vor Mittag nach haus." Der Lehrling war sicher, dass dem so sei, denn auch Marie hatte unter einem Vorwand das Haus verlassen und er wusste bestimmt, dass der würdige Prinzipal in solchen Fällen nicht früher heimkehrte. Das Mädchen aber kam, einmal ausgegangen, selten vor Essenszeit zurück.
"Wenn es Ihnen also gefällig ist," meinte der fremde Mann mit einer vornehm sein sollenden Verbeugung, die August imponiren sollte und auch ihren Zweck nicht verfehlte, "so wollen wir hinauf gehen!"
"Gehen wir!"
"Apropos, junger Herr," sagte der Andere unter der tür mit einem väterlichen Tone, "nehmen Sie es mir nicht übel, doch Sie sind ein wenig unvorsichtig; Sie lassen da die Kasse offen stehen. O, in jetziger Zeit muss man vorsichtig sein." Er drückte sanft die Augen zu, schmatzte dabei leicht mit den Lippen und zeigte auf einen eisernen Kasten in der Ecke, der früher freilich zum Kassenbehälter gedient hatte, jetzt aber zum Papierkorb heruntergekommen war.
"Darin können sich Diebe amüsiren," antwortete der Lehrling lachend, indem er die tür des Comptoirs hinter sich zuzog. "O, Herr Blaffer ist viel zu ängstlich, als dass er seine Gelder hier unten im haus, wo Niemand schläft, aufbewahrt. Die Kasse hat er im Schlafzimmer hinter seinem Bette stehen."
Der Fremde blieb bei diesen Worten stehen, legte die hände auf seinen Stock und sagte mit Salbung: "Herr Blaffer ist ein kluger Mann, – ein würdiger Mann, das kann ich Sie versichern. Aber steigen wir hinauf, meine Zeit ist etwas gemessen."
Beide betraten nun die Treppen und der Fremde schien sich in das Haus des Herrn Blaffer gänzlich verliebt zu haben. "Das ist ein schönes Gebäude, eine behagliche wohnung," sprach er einmal um's andere Mal. "Alles ist so zweckmässig eingerichtet – vortrefflich. – Da ist die Küche, natürlich da geht es auf die Strasse, hier Comptoir und Nebenzimmer, rechts wahrscheinlich Büchermagazine – habe ich's erraten, junger Herr?"
"So ist's; es sind das zwei grosse Zimmer – das Lager der Handlung."
"Freut mich, dass ich das erraten. Doch jetzt will ich Ihnen einmal einen Begriff davon geben, wie ich die Neigungen Ihres würdigen Prinzipals verstehe. Er liebt die Ruhe – namentlich bei Nacht – das Büchermagazin geht wahrscheinlich auf den Hof hinaus, und über demselben, um durch nichts im Schlafe oder in seinen Betrachtungen gestört zu werden, befindet sich das Schlafzimmer des Herrn Blaffer. – He?"
"Darin haben Sie Recht," versetzte August halb und halb verwundert. Und da sie nun auf dem ersten Stock angekommen waren, so zeigte er auf eine tür und sagte: "Dort ist das Schlafzimmer. Wollen Sie einen blick hinein werfen?"
"O ich bin nicht so unbescheiden. Gehen wir lieber hinauf in die bewusste Dachkammer. Ich versichere Sie, wertgeschätzter junger Herr, meine Zeit ist mir heute kostbar."
Hierauf gingen sie weiter und erreichten die wohnung des Herrn Beil.
"Ja, das ist das Zimmer!" rief der Fremde aus, "wie er es mir beschrieben. Ach, mein guter Herr Beil! Also hier wohnte er? Das könnte mich ganz traurig machen, wenn ich nicht die Hoffnung hätte, ihn in ein paar Tagen wieder zu sehen."
"Ach, das möchte ich auch," sagte August. "Nicht wahr, Sie werden mir seine Adresse geben?"
"Mit dem grössten Vergnügen würde ich es tun, aber das hat er mir ausdrücklich verboten. Gewisse Umstände nötigen ihn dazu, doch wird er Ihnen nächstens schreiben. – Sie können sich fest darauf verlassen! Doch jetzt bleiben Sie an der tür stehen und geben genau achtung; Sie werden sehen, wie schnell ich das Versteckte finde."
Darauf war nun August sehr begierig, denn er setzte einigen Zweifel in das zurückgelassene Vermögen seines Freundes; er war daher nicht wenig erstaunt, als sich der Fremde, nachdem er kurze Zeit hinter einer Vertäfelung der Dachfenster herum gegriffen, nun plötzlich herumwandte und triumphirend einen kleinen Beutel in die Höhe hielt. Er schüttelte den Inhalt in die Hand, und vor des Lehrlings erstaunten Augen funkelte ein kleiner Haufen Dukaten.
"Ich hätte nimmer geglaubt," sagte dieser, "dass Herr Beil solche Schätze besitze. Er sprach mir immer von seiner Armut und wie er ohne alle Hilfe in die Welt hinaus gehe."
"Unerklärlich," murmelte der Fremde; "aber da das Gold einmal da ist, so lässt es sich nicht wegleugnen. Mein Auftrag ist erfüllt, und wenn ich Ihnen herzlich für Ihre gefälligkeit danke, so wage ich ganz schüchtern, einen Wunsch des Herrn Beil auszusprechen. Die Verhältnisse desselben haben sich gebessert, auf das Ueberraschendste gestaltet, und er bittet Sie durch mich, die Hälfte dieser Summe als einen Beweis seiner