Hier, beim Grafen Fohrbach, hatte sein erscheinen indess nicht zur Belebung der Unterhaltung beigetragen. Der Hausherr lehnte ziemlich verdriesslich an dem Kamin und liess grosse Rauchwolken aus seiner Cigarre aufsteigen; der Major war still und einsylbig geworden, und während sich der Assessor bei einer soliden Restauration mit Champagner und kaltem Geflügel beschäftigte, tauchte der Baron von Brand verschiedene Bisquits in Zuckerwasser – au fleur d'orange.
Der kleine Mann rauchte seinen Tabak prüfend aus der langen Pfeife, sog den Dampf ein, verschluckte ihn unter verschiedenen Grimassen, trank eine Tasse Tee darauf und liess eine Weile nachher den Tabaksrauch nach ächter orientalischer Manier wieder dem Magen herauf steigen, um ihn hierauf von sich zu blasen.
"Der Latakia ist gut," sagte er nach einer Pause, "ich möchte sagen, fast so gut wie der meinige, und wenn es Ihnen recht wäre, mein lieber Graf, so machten wir einen kleinen Tausch. – Apropos," fuhr er nach einem abermaligen tiefen zug fort, ohne vorher eine Antwort abzuwarten, "um vom Tauschen zu reden, so kennen Sie, lieber Major, gewiss den kleinen Fuchsen des Prinzen A. Halten Sie ihn von einer guten Zucht, von einer unverfälschten Race, würden Sie zum Beispiel zu einem Tausche zwischen jenem Pferde und meinem Schimmel raten?"
Der Major blickte einigermassen erstaunt empor und entgegnete: "Der Fuchs ist ein vortreffliches Pferd, und bei allem Respekt vor Ihrem Schimmel begreife ich doch nicht, wie einem Kenner hiebei ein Tausch einfallen könnte."
"Es ist vielleicht dem Prinzen darum zu tun," meinte der Baron von Brand mit einem süssen Lächeln, "etwas zu bekommen, was dem Herrn von Dankwart gehörte; wie man auch sonst wohl die unbedeutendsten Sachen, wenn sie grossen Männern angehören, in hohem Werte hält."
Der Graf Fohrbach lächelte in sich hinein, und Herr von Dankwart blickte verwundert auf den Sprecher; doch da er dessen gleichmütiges, unbewegliches Gesicht sah und sich gnädigst erinnerte, man müsse dessen beschränktem verstand schon etwas zu gute halten, so begnügte er sich damit, die Achseln zu zucken, die Backen aufzublasen und alsdann aus seinem Pfeifenkopfe eine Menge Rauch zu stossen.
"Es wird spät," sagte der Major, "ich gehe nach haus. – Du kannst morgen nicht auf die Jagd?" wandte er sich an den Grafen.
"Herrendienst!" erwiderte dieser; "ich bin morgen in das Vorzimmer gefesselt. Wenn du Nachmittags zurück kommst, kannst du mir erzählen, wie es draussen ausgesehen."
"Ich komme gegen Abend und werde dich besuchen," versetzte der Major, indem er sich erhob. "Nun, Assessor, du fährst doch mit mir?"
"Ich hatte auf einen Platz bei Ihnen gerechnet, lieber Major," sagte Herr von Dankwart, "und schickte desshalb meinen Wagen nach haus."
"Daran haben Sie bei diesem Wetter sehr unrecht getan," entgegnete der also Angeredete. "Den Teufel auch, man muss im Winter nicht so unvorsichtig sein! – Ich könnte Ihnen nur ein kleines Bänkchen in meinem Coupé anbieten, aber es ist voll Pelzfusssäcke und dergleichen."
"Lassen Sie sich eine Droschke holen, Herr von Dankwart," meinte der Baron von Brand. "Sie können sich denken, dass ich Ihnen mit grossem Vergnügen einen Platz bei mir anbieten würde, aber erstens habe ich da den Maler aufgeladen, und zweitens fahren wir nicht ganz direkt nach haus. – Sie waren auch einmal ein fröhlicher Garçon und werden mich schon verstehen." Bei diesen Worten hatte er seinen Hut genommen und Artur leicht angestossen, als er bei diesem vorüber kam.
Unter dem allgemeinen Aufbruch, der nun erfolgte, schien das ziemlich lange Gesicht des kleinen Mannes, mit dem er diese Abweisungen erhalten, nur von dem Hausherrn bemerkt zu werden. Dieser führte den Major wie absichtslos in eine Ecke, und sagte dort leise zu ihm: "Rückt in Gottesnamen zusammen und nimmt mir den Kerl mit fort, sonst sitzt er mir dahin, langweilt mich noch eine Stunde, und ich muss ihn am Ende nach haus fahren lassen."
"Recht!" erwiderte der Andere, indem er den Mund zum lachen verzog, "wir wollen ihn in die Mitte nehmen." Dann wandte er sich an Herrn von Dankwart und sagte ihm: "Sie werden hoffentlich so gut von unserer Galanterie denken, dass wir Sie nicht bei Nacht und Nebel allein und zu Fuss nach haus gehen lassen. Wenn Sie den Mittelplatz zwischen diesen respektabeln Körpern einnehmen wollen" – dabei zeigte er auf den Assessor und sich selbst – "so wird's uns freuen."
"Das ist mir wahrhaftig angenehm," entgegnete hierauf Herr von Dankwart mit grosser Lebhaftigkeit; "und ich versichere Sie, den Weg zu Fuss zu machen, wäre mir eine Kleinigkeit, da ich bedingungsweise die kühle Nachtluft liebe; aber ich habe Ihnen einiges nicht Unwichtiges mitzuteilen. Ihre Hoheit nannte beim Frühstück Ihren Namen und – doch davon später! Bringen wir also diesen guten Assessor nach haus, er wohnt nicht weit von hier, und dann fahren wir äusserst angenehm zu mir." – Bei diesen Worten erhob sich Herr von Dankwart stolz und beruhigt, zog seinen schwarzen Frack in die Taille hinein, warf den Kopf mehr als gerade nötig war, in die Höhe und reichte seine Finger mit vieler Grazie rechts und links zum Abschiede. Da aber zufälliger Weise Niemand