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seinen Kopf. Der Eingetretene war einfach aber anständig gekleidet; er hatte einen dunkeln Ueberrock an, einen runden Hut auf dem kopf und einen gewichtigen Stock in der Hand. – "Verzeihen Sie," sagte er, "wenn ich Sie in Ihren arbeiten störe, aber ich möchte gern mit dem Gehilfen des Herrn Blaffer einige Worte im Geheimen sprechen."

August schwang sich von dem Comptoirstuhle herab und stellte sich als erster Gehilfe der Handlung vor.

"Das ist wohl möglich und Sie sehen allerdings so aus," meinte der Fremde, "aber da mein Auftrag an eben diesen Gehilfen von besonderer Wichtigkeit ist, so verzeihen Sie mir, dass ich mich vorher überzeuge, ob Sie auch der rechte sind."

"Wenn das beliebt," entgegnete August einigermassen gekränkt, "so müssen Sie warten, bis Herr Blaffer nach haus kommt, damit er Bürgschaft für mich stellt. – Im Uebrigen," setzte er etwas hochmütig hinzu, "habe ich Sie ja gar nicht gerufen und ich bin auch nicht zu Ihnen gekommen, sondern Sie zu mir."

"Na, na," machte lächelnd der Fremde, "wir können uns leicht verständigen. Bitte, seien Sie so gütig und nennen Sie mir den Namen des besten Freundes, den Sie je gehabt."

Der Lehrling schaute den Andern verwundert an, doch erinnerte er sich augenblicklich seines ehemaligen Vorgesetzten und rief mit Lebhaftigkeit: "Ach! mein einziger und bester Freund ist Herr Beil. Bringen Sie mir Nachricht von ihm?"

"Herr Beil; – ganz recht!" erwiderte der Fremde. "Direkte Nachrichten bringe ich gerade nicht."

"Und wo ist Herr Beil? Ist er in der Stadt? – Gewiss nicht, denn sonst hätte er mich aufgesucht."

"Daran zweifle ich auch nicht," sagte der Andere, "und desshalb ist Ihre Vermutung die richtige; Herr Beil ist nicht in der Stadt, aber er lässt Sie durch mich freundlich grüssen."

"Wie mich das freut!" rief August. "In der Tat, recht sehr freut es mich. Ach! mein lieber Herr Beil! Es geht ihm hoffentlich gut?"

"Vortrefflich; und er wünscht das Gleiche von Ihnen zu erfahren."

"Ich habe seine Stelle angetreten," entgegnete der Lehrling, indem er sich in die Brust warf, "ja, ich führe eigentlich das ganze Geschäft, da der Herr Blaffer häufig abwesend ist."

"Das kann ich mir denken," sprach der fremde Mann mit einem lächelnden Gesichtsausdruck. "Herr Beil hat auch nie daran gezweifelt, und wenn ich ihm das bestätige, so wird's ihn freuen. – Aber wenn Sie erlauben, sage ich Ihnen nun den Auftrag, den ich an Sie habe. Darf ich vielleicht bitten, mit mir in's Nebenzimmer zu treten? Mein Auftrag ist ziemlich geheimnissvoll und ich möchte nicht, dass man mich vom Gange aus hörte."

"O unbesorgt," entgegnete August, der sehr geschmeichelt war, einen geheimen Auftrag zu vernehmen; "es wird uns Niemand hier belauschen. Aber wenn es Ihnen gefällig ist, so gehen wir in's Nebenzimmer!"

"Ich bitte darum."

Damit traten die Beiden in das Arbeitszimmer des Herrn Blaffer, der fremde Mann betrachtete es, indem er sich auf seinen Stock stützte und sagte: "Sie haben hier eine vortreffliche Comptoirgelegenheit. Dies ist wohl das Arbeitszimmer des Herrn Prinzipals? – Sehr geschickt, sehr geschickt. Ja, diese Herren verstehen sich ihr Leben einzurichten. – Die tür dort" – er zeigte auf eine andere, als durch welche sie eingetreten waren – "führt wohl in die Wohnzimmer? – Sehr geschickt, sehr geschickt!"

"Nein," erwiderte August, "diese führt auf die Treppe und zu einer Hintertüre, durch welche man in den Hof geht."

"Ah!" machte der Fremde und streichelte sein Kinn mit der Hand. "Aber jetzt meinen Auftrag! Herr Beil wohnte mit Ihnen längere Zeit zusammen in diesem haus, oben unter dem Dach; Herr Beil verliess dies Haus in einer stürmischen Nacht mit etwas verwirrtem kopf."

"Ach ja, das ist wahr."

"Sehen Sie, wie genau ich unterrichtet bin! Er verliess also das Haus eilig und vergass, etwas mitzunehmen."

"Davon hat er mir nichts gesagt."

"Natürlicherweise; da er es vergass, konnte er Ihnen nichts davon sagen. Aber jetzt werden Sie es von mir hören. Herr Beil liess nämlich unter dem dach in einem Winkel, den er mir genau bezeichnet, eine Börse mit Geld liegen."

"Eine Börse mit Geld? – Das hätte ich nimmermehr vermutet!"

"Ganz gewiss, es waren langjährige Ersparnisse. Mich hat er nun ersucht, diese Börse für ihn zu holen. Er wäre selbst gekommen, aber erstens ist er nicht in der Stadt und zweitens, wie Sie am besten wissen, würden ihm die unangenehmen Verhältnisse zu seinem bisherigen Prinzipal einen solchen Besuch etwas peinlich machen. – Sie haben mich doch vollkommen verstanden?"

Nach dem verblüfften Gesichtsausdruck des Lehrlings zu schliessen, schien dies nicht der Fall zu sein. Er schaute den Fremden mit aufgesperrtem mund an und sein Kopf schien sich mit dem Gedanken, Herr Beil habe hier Geld zurückgelassen, nicht recht befreunden zu können. Aber der Fremde behauptete es, wollte ihm das Faktum beweisen