dass der Baron etwas erwidern wollte, "sind auch meine Forderungen vielleicht sehr hoch – vielleicht aber auch sehr gering."
"Ich verstehe Sie wahrhaftig nicht, bester Herr Erichsen: erklären Sie sich deutlicher, nennen Sie diese Forderungen!"
"Dazu muss ich Einiges vorausschicken," sagte der Maler. – "Ich habe Geschäfte mit einer gewissen Frau Becker, die Sie vielleicht nicht kennen."
"Nein," sagte der Baron mit völlig unbeweglichem Gesicht.
"Die aber Sie kennt," fuhr Artur fort.
"Coeur de rose!" lachte der Baron; "ob das für mich schmeichelhaft ist, weiss ich nicht. Aber gleichviel – gehen wir weiter!"
"Diese Frau muss mir über irgend etwas eine Auskunft geben, eine bestimmte und wahre Auskunft. Und dazu bedarf ich Ihres Fürwortes."
"Meines Fürwortes, bester Herr Erichsen? Wie gesagt, ich kenne die Frau ja nicht."
"Aber sie kennt Sie desto besser."
"Bah! gehen Sie! Sie sprechen in Rätseln. Aber ich will Sie geduldig anhören: worin besteht denn dieses Fürwort?"
"Sie müssten mir auf ein Blatt Papier schreiben," fuhr der junge Mann tief Atem holend fort, "ungefähr so: Der Ueberbringer ist mein Freund – wenn ich mir damit schmeicheln darf? – und ich wünsche, dass Sie ihn als solchen betrachten."
"Das ist ja eine ganz rätselhafte geschichte, eine komische Grille!" lachte überlaut der Herr von Brand. Und sein lachen war so natürlich und ungezwungen, dass man darauf hätte schwören sollen, er sehe wirklich in der Forderung Artur's nur eine komische Grille desselben.
"Die Sie erfüllen werden?" fragte ängstlich der Maler.
"Coeur de rose! das kommt darauf an. Und das Blatt muss ich unterschreiben?"
"Nicht einmal; aber – Ihr Siegel beifügen."
"Mein Siegel! Das wird immer geheimnissvoller."
"Und zwar das Siegel, welches dort neben dem Uhrenschlüssel an der Kette befestigt ist."
"Mein Talisman, bester Herr Erichsen?" rief der Baron lustig. "Das wird wahrhaftig nicht angehen. Nehmen wir meinetwegen ein anderes Siegel."
"Nein, es muss der Talisman sein," bat Artur. "Er soll es auch mir sein, um einen Mund zu öffnen, der wahrscheinlich sonst für mich verschlossen bliebe. – Finden Sie meine Forderung gegenüber meiner Arbeit vielleicht zu hoch?"
"O nein, die ist mir unschätzbar; aber ich verstehe, beim Himmel! nicht, wie mein armer Talisman auf jene Madame – wie haben Sie doch gesagt?" –
"Madame Becker."
"Richtig! – Madame Becker wirken soll. erklären Sie mir doch den Zusammenhang!"
"Ich weiss ihn nicht," entgegnete Artur. Doch sah er den Baron scharf an, als er fortfuhr: "Vielleicht glaubt jene Frau, das Siegel gehöre Jemand, den sie fürchten muss; – den Herrn Baron von Brand kennt sie wahrscheinlich nicht."
"Und woher vermuten Sie das?"
"Erinnern Sie sich, Herr Baron, dass Graf Fohrbach mit demselben Talisman vor einiger Zeit siegelte; es war ein Brief an eben jene Frau, den ich aus gefälligkeit dort abgab. Was der Graf verlangte – weiss ich nicht, – aber so viel weiss ich," fuhr er mit zitternder stimme fort, "dass die Frau nur durch den Anblick jenes Siegels bewogen wurde, seinen Wunsch zu erfüllen. – Ah! und sie erfüllte ihn meisterhaft."
Auf dem Gesicht des baron war nicht die geringste Bewegung zu lesen; sein Lächeln drückte Aufmerksamkeit, Neugierde aus, und als er sagte: "Das ist wirklich seltsam!" klang das, wie im Tone der unschuldigsten Ueberraschung gesprochen.
"Bewilligen Sie meine Bitte," fuhr Artur dringend fort. "Ein Blatt ohne Ihren Namen, was kann es Ihnen schaden? Und obendrein verspreche ich Ihnen feierlich, dass Sie es noch am heutigen Tage zurückerhalten sollen. Was dagegen meine Blätter anbelangt, so bleiben sie in Ihrer Hand und mit ihnen ein teil meiner Zukunft, wenn ich diese je in hiesiger Stadt suchen sollte."
Der Baron schlürfte kopfschüttelnd seinen Kaffee, stiess bedächtig die Asche von seiner Cigarre und sagte alsdann: "Sie sind einer von den Menschen, lieber Erichsen, für welche ich Sympatieen fühle, und desshalb will ich Ihren komischen Wunsch erfüllen. Wenn Sie mir das Blatt zurückbringen, ist mir's recht, ich bin aber auch zufrieden, wenn es nur in Ihrer Hand bleibt." Hierauf erhob er sich langsam, und als er seinem Schreibtische zuging, warf er einen blick in den Spiegel und sprach affektirt: "Wahrhaftig, Sie haben, wenn ich so sagen darf, einen grossen Stein bei mir im Brette, denn Sie durften mich im tiefsten Negligé sehen – mit Papilloten in den Haaren. Coeur de rose! wenn Sie mich je verraten würden! Wissen Sie wohl, dass alle Damen darauf schwören, mein Haar sei natürlich gelockt; ich gebe mich ganz in Ihre Hand." Bei diesen Worten hatte er das verlangte geschrieben, gesiegelt und überreichte es Artur.
"Von Ihnen gilt der Ausspruch Napoleons nicht," entgegnete der Maler lächelnd; "Sie bleiben ein grosser Mann selbst im tiefsten Negligé, ja in jeder Verkleidung." Er hatte das ohne Absicht gesagt, als er gerade sein Papier zusammen