Kamin gedreht, wo er sich damit beschäftigte, die glühenden Kohlen zusammen zu scharren und einen angebrannten Holzblock darauf zu legen. Er konnte desshalb nicht sehen, wie Artur plötzlich so bleich wurde, wie er seine Hand krampfhaft auf das Herz presste, dann über die Augen fuhr und hierauf gezwungen lächelnd mit dem kopf schüttelte. – "O! nein! – nein!" dachte der Maler, "so eine idee ist ja lächerlich. – Aber eine Tänzerin war es, hat er gesagt. – Die schöne Clara. – Wer trägt sonst noch diesen Namen? – Mein ganzes Vermögen, Alles, was ich habe und kann, für eine gute Auskunft!"
"Man darf so ein Kaminfeuer nie ausgehen lassen," meinte Gras Fohrbach. "Finden Sie nicht, dass es hier schon kalt geworden ist?"
"Nein, gewiss nicht – gewiss nicht!" brachte Artur mühsam hervor. "Mir ist es heiss, sehr heiss."
Der Andere hatte den kleinen, zierlichen Blasbalg ergriffen, der am Kamine hing, und fachte damit die Glut von Neuem an.
Artur sass da mit den Gefühlen eines Unglücklichen, über den das Richtschwert gezückt wird. Der blanke Stahl flimmerte ihm schon vor den Augen, er brauchte nur eine Frage zu tun und dann fiel vielleicht der tödtliche Streich, sein Lebensglück für ewig zerstörend. – Sollte er diese Frage tun? sollte er die beiden hände seines Freundes ergreifen, ihm flehend in die Augen blicken und um Gottes und aller Liebe willen um den vollständigen Namen jenes Mädchens bitten? – Dann musste er ihm auch sein ganzes Unglück offenbaren. – Oder sollte er ihn in gleichgiltigem Tone darum ersuchen? – Gewiss! er musste das Letztere wählen. Und er tat es unter den tiefsten Schmerzen, mit der fürchterlichsten Anstrengung. – Ja, er lachte dazu, aber sein lachen klang heiser, fast wie ein Geheul, und wenn der Graf nicht so sehr mit seinem Feuer beschäftigt gewesen wäre, hätte er aufmerksam werden müssen.
"Die – schöne – Clara, sagten Sie," sprach der unglückliche junge Mann. "Ah! – damit haben Sie mir Ihr geheimnis verraten."
"Oh! es soll für Sie gar keines sein," erwiderte der Graf. "Wir kennen uns zu genau, und ich bin fest überzeugt, dass Sie den Namen dieses armen Mädchens Niemanden sagen werden, der vielleicht Interesse an ihr nimmt."
"Nein, das tue ich gewiss nicht."
"Sie haben ihn ja auch schon erraten; und ist sie nicht in der Tat reizend, ja liebenswürdig, die schöne Clara? – Clara Staiger, eine unserer graziösesten Täuzerinnen."
Da war es heraus, und Artur sank momentan in sich zusammen, wobei er übrigens so viel Geistesgegenwart besass, beide hände vor die Augen zu drükken, damit der Andere seine hervorstürzenden Tränen nicht sehen möge. Doch hielt es ihn nicht länger in dem Zimmer; es schien sich mit ihm zu drehen, die Mauern schienen ihm zu wanken; es lag ihm centnerschwer auf der Brust, er musste hinaus in's Freie, in die kalte Nachtluft, um wieder atmen zu können. Und doch durfte er nicht so davon stürzen, das war seine Qual. Obgleich wie im Fieber zitternd, musste er sich langsam und förmlich erheben; obgleich sein Blut in den Adern raste, musste er Ruhe und Müdigkeit affektiren, und musste mit dem Grafen noch einige gleichgiltige Worte wechseln. Glücklicherweise war es ziemlich spät geworden, wesshalb ihn dieser nicht lange zurückhielt. Und doch däuchte es dem Unglücklichen eine Ewigkeit, bis er seinen Hut ergriffen und die tür erreicht hatte. Ja, dort musste er noch einen Augenblick warten, denn Graf Fohrbach machte ihn auf die Mappe aufmerksam, die er vergessen. – Endlich – endlich – öffnete sich ihm die Haustüre, endlich trat er auf die Strasse hinaus, und erst da schöpfte er tief Atem, als ihm die kalte Nachtluft seine brennende Stirne kühlte.
Neunundsechzigstes Kapitel.
Das Siegel des Herrn von Brand.
Wie lange Artur in jener Nacht auf den Strassen umhergeirrt, bald mit den Zähnen knirschend und die Fäuste geballt, bald wieder leise weinend und ihren Namen ausrufend, zuerst mit weichem, liebendem Tone, dann immer heftiger und heftiger, bis ihn wieder die frühere Wut erfasste, das wäre er selbst nicht im stand gewesen anzugeben. Ja, von dem Abend und der Nacht blieb ihm nur der Klang ihres Namens vollkommen gegenwärtig; es war, als wandelte eine Schaar Teufel mit ihm, die: "Clara Staiger – Clara Staiger!" hohnlachend in seine Ohren schrieen. Alles Andere erschien ihm wie ein wüster Traum, – ein wacher Traum, denn er hätte die Personen willkürlich hervorrufen können, mit denen er gesprochen, ja, er erinnerte sich, dass er leibhaftig an den Orten gewesen war, wo er jene Leute hätte finden können, – mit jenem Weib, jener schändlichen Kupplerin hatte er zuerst und lange zu tun gehabt; er wusste, dass er vor ihrem haus am Kanal gewesen, er hatte ihre Fenster gesehen und einen schwachen, ihm unheimlich dünkenden Lichtschimmer: ja unheimlich, denn er zuckte über ein bleiches Gesicht, welches gestern noch in Fülle der Gesundheit geprangt. Er hatte in Gedanken mit jenem weib gesprochen, er hatte sie um Auskunft gebeten, welcher Dämon ihr die Macht verliehen über das bisher so reine und unschuldige geschöpf. Sie hatte gleichgiltig die Achseln gezuckt