auch in dieser Angelegenheit Auslagen für mich gehabt haben."
"Diese sind so unbedeutend, dass es gar nicht der Rede wert ist. Auch ist Ihr Verlangen durchaus nicht indiskret, denn ich kann Sie versichern, was ich mit dem Mädchen verhandelt, hätte die ganze Welt sehen können. Ich erhielt also Ihren Brief und ging um acht Uhr, wie derselbe von mir oder vielmehr von Ihnen verlangte, an die Ecke der Prinzenstrasse; einen Wagen liess ich mir folgen und im Schatten der Häuser halten. Ich brauchte auch nicht lange zu warten, so sah ich ein Frauenzimmer, obgleich mit ziemlich unsichern Schritten, auf mich zugehen. Sie war in einen langen, dunkeln Shawl gewickelt, so dass man von ihrer Figur so gut wie gar nichts entdecken konnte; um den Kopf trug sie eine schwarzseidene Kapuze mit sehr langen Spitzen, die so dicht auf ihr Gesicht niederfielen, dass es unmöglich war, die Gesichtszüge des Mädchens zu erkennen."
"Das glaube ich wohl, denn es war eine dunkle Nacht."
"Ich hatte mich so aufgestellt, dass sie sehen konnte, wie ich an der Strassenecke auf Jemand zu warten schien."
"Welchen Weg kam sie?"
"Sie schien vom Teater zu kommen."
"Ah!"
"Als ich nahe bei ihr war und sie mir in's Gesicht sah, welches ich mir auch, im Gegensatz zu ihr, gar keine Mühe gab, zu verbergen, stutzte sie und schien sich abwenden zu wollen. Ich sagte ihr: Sie erwarten jemand Anderes als mich zu finden; Graf F. aber ist verhindert und bittet vielmal um Entschuldigung. – Man muss doch höflich sein. – Er wird vielleicht das Vergnügen haben, fuhr ich fort, Sie ein anderes Mal zu sehen; für heute war es ihm gewiss unmöglich."
"Und sie gab keine Antwort?"
"Nicht eine Silbe; ja sie wandte mir fast den Rükken zu und nickte ein paar Mal mit dem kopf, namentlich als ich sie fragte ob sie sich des Wagens bedienen wolle, um nach haus zu fahren."
"Das nahm sie an? – Aber sagte Ihnen keine Adresse?"
"Das war unnötig, wusste ich doch selbst die wohnung der Madame Becker; ich fragte sie, ob sie in die Kanalstrasse fahren wolle, da nickte sie abermals mit dem kopf. Ich hob sie alsdann in den Wagen, sagte dem Kutscher, wohin er fahren solle, und empfahl mich auf's Höflichste."
"Artur," rief der Graf lachend, "ich glaube in der Tat, dass Ihre Liebe aufrichtig und wahr ist. Aber Sie können doch froh sein, dass eben dies Mädchen sich so dicht verschleiert und verhüllt hielt, und in kalter, dunkler Nacht vor Sie hintrat; denn, nehmen Sie mir es nicht übel, ich wollte doch für nichts stehen, wenn es Ihnen mit aller seiner Schönheit im warmen Zimmer beim Schein der Lichter unter den angegebenen Verhältnissen erschienen wäre."
"Also war es ein gutes Abenteuer?"
"Das will ich meinen! Es betraf ein Mädchen, nach der Tausende vergeblich gesehen, die bis jetzt unbescholten dastand."
"Ah! eine Verführung!"
"Nur durch die Macht des Goldes; sonst würde ich mir noch grössere Vorwürfe gemacht haben, als ich damals schon tat, namentlich da sie einer armen Familie angehört und durch ihren Erwerb Vater und Geschwister unterstützen muss."
"Ein sauberer Erwerb!" sagte kopfschüttelnd der Maler.
"Ich meine das nicht, wie Sie es nehmen," entgegnete der Graf. "Ihr Erwerb ist sehr anständig, kann es wenigstens sein; sie ist sogar eine Kollegin von Ihnen, Artur – eine Künstlerin."
"Ah! wenn ich das gewusst hätte, so würde ich ein Gespräch mit ihr angeknüpft haben. – Aber ihre Kunst besteht wohl im Gebrauch der Nadel."
"Gefehlt, Artur! Höher hinauf, oder wenn Sie wollen, tiefer hinab, denn die Kunst dieser jungen Dame besteht im Gebrauch ihrer Füsse; sie ist eine – Tänzerin."
Artur wusste nicht, warum ihn dieses Wort so schmerzlich berührte. War es die leichtfertige Betonung, mit der sein Freund dies Wort aussprach, war es, weil auch s i e eine Tänzerin, und weil es also wieder eine ihrer Kolleginnen war, die hier so zweideutig aufgetreten. Ja, es presste ihm das Herz zusammen, und er hätte viel darum gegeben, wenn Graf Fohrbach dies nicht gesagt hätte.
Dieser aber hatte keine Ahnung davon, wie wehe er Artur damit getan. "Ja," fuhr er fort, "wie ich Ihnen schon vorhin bemerkte, hatte mich der Erfolg meiner Bemühungen selbst überrascht; ich glaubte nicht daran, und wunderte mich sehr, als jener Brief der Madame Becker an mich kam. Wenige Tage nachher schickte sie mir ihre Rechnung, sie war ziemlich stark, aber ich sandte ihr noch mehr, als sie verlangte; es wird jenem armen geschöpf auch zu gut kommen, und – wenn auch in allen Ehren, so interessire ich mich immer noch für die schöne Clara."
"Für die schöne Clara?" sagte der Maler, und trotzdem er diese Worte ganz leise, fast unhörbar sprach, so schien er doch kaum genug Atem gehabt zu haben, um sie heraus zu stossen.
Der Graf hatte bei den letzten Worten seine Cigarre weggeworfen und den Fauteuil gegen das