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so würden Sie mir noch unbedingter Recht geben."

"Ach, lieber Artur," versetzte der Graf nach einer Pause, "diesmal kann meine Zustimmung für Sie eigentlich wenig Wert haben, denn ich befinde mich fast in gleicher Lage und fühle desshalb parteiisch für Sie."

"SieGraf Fohrbach?" fragte Artur erstaunt.

"Ja, bester Freund, auch ich liebe; eigentlich zum ersten Mal in meinem Leben, und auch mir treten die Verhältnisse hemmend entgegen. Doch auch ich bin fest entschlossen, dieselben niederzuwerfen, denn ich liebe, Artur, und vor allen Dingen, werde ebenso wieder geliebt."

"Dann wollen wir uns gegenseitig gratuliren," sprach lachend der Maler, indem er seine beiden hände ausstreckte, welche Graf Fohrbach herzlich schüttelte, und darauf erwiderte:

"Verlassen Sie sich auf mich, Sie werden jederzeit, unter allen Verhältnissen und Lagen einen treuen und ergebenen Freund an mir finden. Haben Sie mir doch beständig die besten Beweise Ihrer Zuneigung gegeben, sogar in Geschichten, an welche nur zu denken ich mich jetzt fast schäme, und wo ich am Ende Ihr Verführer geworden bin, wenn Ihre Liebe Sie nicht geschützt hat, wie mich die meinige."

"O ja, sie schützte mich vollkommen," entgegnete lächelnd der junge Mann. "Richtig! wir sprachen noch nicht darüber, und damit hängt doch auch etwas zusammen, was wieder auf unsern rätselhaften Baron zurückführt."

"Ah! lassen Sie hören; darauf bin ich begierig."

"Sie baten mich damals, Ihnen den Brief zu besorgen an eine gewisse Madame Becker, Kanalstrasse, glaube ich. Das war an jenem Tage, wo Ihr Petschaft verschwand."

"Richtig! richtig! und ich benützte das Siegel des Herrn von Brand."

"Also habe ich doch Recht!" rief überrascht der Maler. "Ich bemerkte wohl arabische Schriftzüge auf demselben, doch fiel es mir erst später ein, dass Ihnen vielleicht der Baron damit aus der Verlegenheit geholfen."

"Und was hat es mit diesem Siegel für ein Bewandtniss?"

"Die bewusste Madame Becker erschrak, als sie es bemerkte; und doch schien sie es wieder anzutreiben, Ihren Wunsch zu erfüllen. Das beschäftigte mich, sobald ich das Haus in der Kanalstrasse verslassen; Ihr Siegelich kannte es jaein einfaches F., sogar ohne Wappen und Krone, konnte unmöglich einen solchen Eindruck auf die Frau machen."

"Sie haben wahrhaftig Recht," sprach der Graf nach einigem Besinnen. "Als ich in jenem Brief von der Frau das Bewusste verlangte, dachte ich selbst nicht, dass es möglich sei, und war in der Tat überrascht, als sie mir einige Zeit nachher anzeigte, die Angelegenheit habe sich arrangirt. Dabei schrieb sie auch von einem hohen Freunde, dem ich sagen solle, wie viel Mühe sie sich gegeben. Damit war offenbar der Baron gemeint, dessen Siegel sie also erkannt; und wenn sie dies erkannt, so muss sie schon in häufige Berührung mit ihm gekommen sein."

"Und nicht bloss in Berührungen, wie die andern vornehmen Herren," meinte Artur lächelnd, "sondern ihr Schreck zeigte mir deutlich, dass sie ihn fürchte."

"Wie ein für sie mächtiges Wesen," sagte der Graf rasch einfallend. – "Bei Gott! Artur, es ist so: ich scheue mich fast, es auszusprechen; aber wenn ich meine Begegnung mit ihm in der Nacht am Fuchsbaue, namentlich den Bericht jenes unglücklichen Geschöpfs im schloss und so all die verschiedenen Sachen zusammenstelle so drängt sich mir die feste überzeugung auf, der sogenannte Baron von Brand stehe an der Spitze einer weit verbreiteten Bande von Fälschern, Dieben, vielleicht Mördern."

"Entsetzlich!" rief Artur ergriffen. "Und wenn dem so wäre, würden Sie zu seiner Entdeckung, zu seiner Bestrafung etwas beizutragen im stand sein? Würden Sie es über sich vermögen, den Mann, der hier unzählige Mal in Ihrem Zimmer gewesen, der von Ihrem Tee getrunken, von Ihren Cigarren geraucht, den vielleicht verdienten Ketten und Banden zu übergeben?"

"Nein, nein, dazu wäre ich nicht im stand, obgleich ich es gewiss nicht ungern sehen würde, wenn wir von diesem wirklich gefährlichen Menschen befreit würden. Ja, ich würde vielleicht meinen kleinen Einfluss aufbieten, um ihm die freie Entfernung von hier zu erleichtern. Aber wie sich mit ihm darüber verständigen? Dass sich langsam ein Garn um seine Füsse zieht, bin ich fest überzeugt, und darum tut es mir leid, wenn ich, wie heute Abend, sehen muss, dass er so unbewusst, sicher, aber unaufhaltsam der Gefahr entgegen geht."

"Und letzteres ist doch noch die Frage," entgegnete Artur. "Ist Baron Brand wirklich der, für den wir ihn halten, so ist er ein aussergewöhnlicher Mensch, dem ich meine Bewunderung nicht versagen kann, und der nicht so unklug sein wird, auf seinem gefährlichen Pfade blindlings dahin zu gehen. Glauben Sie mir, der hat die Augen offen so gut wie wir; und ich bin überzeugt, dass die erste Hand, die sich nach ihm ausstreckt, ihn spurlos verschwinden macht."

"Gewiss, lieber Artur; aber da wir einmal dieses Kapitel begonnen, so ist es vielleicht nicht indiskret, wenn ich Sie frage, wie jenes Rendezvous am Neujahrsabend eigentlich abgelaufen ist; ich muss darauf dringen, da Sie