Punkt auch mit mir zufrieden sein werden," meinte Artur.
"Vollkommen. – Ich hielt Sie nicht ohne Absicht hier zurück; neulich machte ich einen Besuch bei unserem Polizeidirektor; ich gehe da zuweilen hin, es ist das ein sehr anständiges Haus, doch will ich Ihnen gestehen, dass ich diesmal meinen besonderen Zweck dabei hatte. Ich brachte das Gespräch auf die Zustände unserer Residenz, namentlich was das Departement des Polizeidirektors anbelangt, und erzählte dann leicht hingeworfen die geschichte meines Petschafts, das neulich so rätselhaft verschwand. Der alte Herr riss nach seiner Gewohnheit heftig an der Nase und legte der Sache eine grössere Wichtigkeit bei, als ich gedacht; ja, er erliess mir ein förmliches Verhör nicht und ich musste ihm zu dem Ende auf sein Arbeitszimmer folgen, wohin er auch seinen ersten Sekretär beschied, – unter uns gesagt, ist dieser ein junger, sehr gescheidter Mann, der in seinem kleinen Finger mehr Verstand hat, als Seine Excellenz im ganzen Körper. – Nun gut! Ich muss das Petschaft beschreiben, wo es gelegen, wann ich es vermisst und noch mehr dergleichen für die Polizei so wichtige Kleinigkeiten. – Es sei sonderbar, sagte mir der Sekretär, dass ähnliche Diebstähle so häufig vorkämen, und oft Sachen beträfen, die an und für sich gar keinen Wert hätten, Briefe, ganze Korrespondenzen, Dokumente und dergleichen; auch würden sie mit einer Sicherheit begangen, die an's Fabelhafte streife. Ja, es sei vorgekommen, dass Diesem oder Jenem, namentlich in der höheren Gesellschaft, ein Blatt, ein Brief plötzlich gefehlt habe, irgend eines Inhaltes, aber geeignet, ihn vor einer anderen person schwer zu kompromittiren, und es sei unglaublich, aber wahr, dass man kurze Zeit darauf eben jener andern person das betreffende Papier in die hände gespielt und so wie mutwillig die erbittertsten Feindschaften hervorgerufen habe."
"Unerklärlich."
"Dazwischen hindurch zögen sich, so erzählte der Polizeidirektor, nun eine ganze Menge wirklicher und schwerer Diebstähle, mit einer Sicherheit und einem Mute ausgeführt, wie sie nur durch die wohlorganisirteste Bande geschehen könnten, durch eine Bande, die mit ebenso viel Umsicht als Energie geleitet würde."
"Also endlich glaubt man an die Existenz einer solchen?" sagte Artur. "Es ist gut, dass ihnen droben einmal ein Licht aufgeht. Wir geringeren Leute drunten haben schon lange nicht mehr daran gezweifelt; mein Vater, der viel mit den Vätern der Stadt zu verkehren hat, machte oft darüber Andeutungen und sprach von dem haus, das zwischen uns Beiden neulich auch genannt wurde, dem sogenannten Fuchsbaue, als dem Herde aller dieser Geschichten. – Aber mir scheint, die tür ihres Schlafzimmers wurde geöffnet," unterbrach er sich; "die Vorhänge haben sich soeben bewegt."
"O, es wird mein Jäger sein," entgegnete der Graf und fuhr dann fort: "Dasselbe vermutete man auch auf der Polizeidirektion; doch haben die schärfsten Hausaussuchungen noch nie etwas ergeben; das soll freilich eine solche Verwirrung, ein solcher Knäul von Treppen, Stuben und Gängen sein, dass sich ein Uneingeweihter dort selbst am hellen Tage nicht ausfinden könne. Der Sekretär des Polizeidirektors meinte, man könne da nur durch eine Radikalkur helfen, indem man von Staatswegen die ganzen Gebäulichkeiten ankaufe und niederreisse."
"Das wäre schade für uns Maler," versetzte Artur lächelnd, "denn es hat dort wahrhaft prachtvolle Ansichten, finstere, melancholische Winkel, wie sie die kühnste Phantasie nicht ersinnen kann."
"Richtig!" sagte ebenfalls lachend der Graf; "und diese Winkel und engen Gassen lieben Sie absonderlich. Warten Sie, man kommt hinter Ihre Schliche."
"Wie so?" fragte der Maler.
"Wenn man sich nicht weit vom Fuchsbau am Kanale hin verliert, so kommt man in kleine Strassen, wo Sie, teuerster Artur, eigentlich nichts zu schaffen hätten, und wo man Sie doch häufig herumwandeln sieht."
"Das leugne ich auch ganz und gar nicht."
"Also in der Tat ein kleines verhältnis?"
"Sagen Sie lieber ein g r o ss e s verhältnis, Graf Fohrbach. Ich gestehe Ihnen, dem Freunde, dass mich mehr als eine müssige Laune dortin zieht. Ja, warum sollte ich es leugnen! Ich habe dort ein Mädchen gefunden, das ich unendlich liebe, – das ich Ihnen in vielleicht nicht zu langer Zeit als meine Frau vorzustellen habe."
"Aus jenen engen Gässchen?" sagte der Graf im höchsten Erstaunen. "Was wird Papa Erichsen dazu sagen, und vor Allem, Mama, die sehr strenge Kommerzienrätin?"
"Das ist freilich noch eine schroffe Klippe, die ich umschiffen muss und will. – Gewiss, Graf Fohrbach, ich scherze nicht, ich bin dazu fest entschlossen."
"Und ihr liebt einander, wie es sein soll?" erwiderte der Graf mit wahrer Teilnahme. – "Und wenn das Mädchen gut und anständig ist, woran ich übrigens eben so wenig zweifle, als an ihrer Schönheit, denn Ihr guter Geschmack ist mir bekannt, so haben Sie Recht, sich über unsere kleinlichen Verhältnisse hinwegzusetzen. Sie sind ja ein freier Mann, ein Künstler, – Sie können am Ende handeln wie Sie wollen," setzte er mit einem kleinen Seufzer hinzu.
"Ich wusste wohl," erwiderte Artur mit Wärme, "dass Sie meinen Entschluss billigen würden, und sollten Sie das Mädchen kennen lernen,