von W. bei Nennung meines Namens plötzlich und auffallend von mir abwende."
"Wer weiss, wilder Mensch," sagte der Major, "ob du sie nicht vielleicht früher einmal gekannt, ihr die Cour gemacht oder sie auffallend vernachlässigt hast?"
"Unmöglich!" erwiderte Herr von Steinfeld. "Als ich damals noch hier war, war der alte Baron auf weiten Reisen und heiratete in meiner Abwesenheit. Ich machte natürlich auch in seinem haus meinen Besuch, er empfing mich; Madame, hiess es, sei unpässlich."
"Das ist so seine Art," meinte gleichgiltig Graf Fohrbach, "er ist ein alter, eigensinniger Herr, der sein Haus Niemanden öffnet, und nur genaue Bekannte seiner Frau vorstellt."
"Ihr könnt euch denken," fuhr Herr von Steinfeld fort, "dass das meine Neugierde erregt, und dass ich Alles daran setzen werde, ihre Bekanntschaft zu machen. – Ist sie schön?" –
"O nicht übel, wie soll ich sie dir beschreiben?" sprach der Hausherr, und fuhr gleich darauf lachend fort: "Richtig! betrachte dir dort den Baron Brand."
Dieser war in tiefe Gedanken versunken und starrte in die Teetasse, die er vor sich hin hielt. Als er nun so plötzlich seinen Namen nennen hörte, wäre ihm diese fast aus der Hand gefallen, so schrak er zusammen. Doch fasste er sich augenblicklich wieder, lächelte und sagte: "Was beliebt, Graf Fohrbach?"
Herr von Steinfeld hatte übrigens, der an ihn ergangenen Aufforderung gemäss, seinen blick auf den Baron geworfen und musste in dessen Gesicht etwas gefunden haben, was ihn fesselte, denn er betrachtete ihn eine Zeit lang mit grosser Aufmerksamkeit, dann aber starrte er vor sich hin, augenscheinlich in tiefe Gedanken versunken. – "Wirklich," sagte er darauf, indem er mit der Hand über die Augen fuhr; "also Herr von Brand sähe der Frau von W. ähnlich?"
"Die alte geschichte," entgegnete dieser achselzukkend und süsslich lächelnd, wobei er sich aber nicht entalten zu können schien, einen blick in den Spiegel an seiner Seite zu werfen. – "Das ist die alte geschichte dieses guten Grafen Fohrbach. Das belustigt ihn: man lasse ihm diese Grille."
"Nein, nein, es ist was daran," meinte auch der Major. "Wir haben schon früher darüber gesprochen; haben Sie noch nicht in Ihren Geschlechtsregistern nachgesehen?"
"Spässe! Nehmen Sie nur unsere beiderseitigen Namen."
"Aus welcher Familie ist die Baronin?" fragte Herr von Steinfeld.
"Aus einem grossen sicilianischen haus, auf icci endigend; wer kann das behalten?"
"Aber das blonde Haar für eine Italienerin?"
"Der Vater war ein Engländer oder Schotte. Es liegt noch ein gewisses Düster über ihrer Herkunft."
"Ich muss sie sehen," sagte bestimmt Herr von Steinfeld.
"Lieber Baron Brand," lachte der Hausherr, "ich lasse mir die Aehnlichkeit doch nicht abstreiten. Wer weiss, wie das zusammenhängt!"
"O, mir wäre ein solcher Zusammenhang gar nicht unlieb," sagte der Baron. Dann trank er seine Tasse leer, und stellte sie, Müdigkeit affektirend, auf den Tisch.
Der Major hatte sich erhoben und machte Anstalten zum Fortgehen. – "Ich habe Dienst," bemerkte er lächelnd auf die Frage des Grafen, und setzte hinzu, als ihn dieser ungläubig ansah: "Ich versprach meiner Frau, sie im schloss abzuholen."
"Ah! sie ist auch bei der grossen Beratung! Du Glücklicher, da erfährst du heute Abend schon, welche Kostüme befohlen werden."
"Was mich im grund gar wenig interessirt, denn ich liebe die Maskerade nicht," erwiderte der Major und setzte, sich umschauend, hinzu: "Wer von den Herren geht mit?"
Der Baron von Brand und Herr von Steinfeld nahmen darauf hin ebenfalls von dem Hausherrn Abschied, Artur wollte ihnen folgen, doch bat ihn Graf Fohrbach, zu bleiben und noch eine Stunde mit ihm zu verplaudern.
An der tür wandte sich Herr von Brand um und rief dem Maler mit einem etwas erzwungenen Lächeln zu: "Bester Herr Erichsen, bitte, überlegen Sie es sich ernstlich, ob und zu welchen Bedingungen ich die sechs Blätter bekommen kann."
"Der Teufel auch," sagte der Hausherr, nachdem er gehört, dass die Türen draussen geschlossen worden; "was mag ihm so an dem Porträt des Herrn von Dankwart gelegen sein! Da wären Ihre Blätter in guten Händen. Nehmen Sie sich in Acht! – Ich glaube wohl," setzte er nach kurzem Besinnen hinzu, "dass er einen guten Gebrauch davon machen würde, und ich möchte schon Dankwärtchen einen kleinen Aerger wünschen; aber Sie werden sich um's Himmelswillen nicht mit dem Baron einlassen."
"Aber Sie proponirten ihm doch selbst eine Wette!"
"Weil ich gewiss war, dass Sie die Blätter nicht hergeben würden. – Apropos, Artur, Sie erinnern sich der paar Worte, die wir neulich auf dem Balle zusammen sprachen; ich muss Ihnen wiederholen: nur durch die grösste Behutsamkeit, dem Baron gegenüber, können wir im stand sein, seine Aufmerksamkeit, ja seinen Verdacht nicht zu erregen. Sie werden desshalb auch in meinem Betragen gegen ihn durchaus keine Aenderung merken."
"Ich hoffe, dass Sie über diesen