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sehen," sprach gravitätisch der Baron, und zupfte seinen Halskragen sanft in die Höhe; "wir wollen unparteiisch entscheiden."

"Meinetwegen!" entgegnete der Maler. "Aber ich ersuche die Herren, meine Verwahrung zu Protokoll zu nehmen." Er erhob sich und nahm aus seiner Mappe, die in einer Ecke lehnte, ein Blatt, welches er dem Herrn von Brand übergab.

Dieser legte seine Cigarre auf das Kamin, wandte den rücken gegen die Lampe, die auf dem Gesims stand, und als nun das volle Licht derselben auf jenes Bild fiel, fuhr ein höchst angenehmes Lächeln über seine Züge. Seine Oberlippe erhob sich kokett und zeigte die blendend weissen Zähne. – "In der Tat vortrefflich!" sagte er nach längerem Betrachten; "superb! – göttlich! Das ist das Bild eines Schimpanse, und hat zugleich grosse Aehnlichkeit mit Herrn von Dankwart."

"Zeigen Sie auch die anderen!" rief Graf Fohrbach.

Und der Maler brachte noch fünf andere Blätter zum Vorschein, worin der Schimpanse und Herr von Dankwart nach der bekannten Spielerei behandelt waren, mittelst welcher man in hundert Abbildungen mit ganz unmerklichen Aenderungen, wodurch zwei Blätter immer vollkommen ähnlich sind, dennoch den grossen Sprung von einem ausgespannten Frosch bis zum Apoll von Belvedere zurücklegen kann. Hier aber genügten vollkommen sechs Blätter, um aus einem gerechten und untadelhaften Schimpanse zur vollständigen Figur des Herrn von Dankwart überzugehen.

"Die Blätter sind kostbar," sagte Herr von Brand nach einer Pause; "ich gäbe was darum, wenn ich sie meinem Album einverleiben könnte. Lieber Herr Erichsen, könnte sie ein armer Mann, wie ich bin, bezahlen?"

"Wenn es eine präsentable Arbeit wäre," erwiderte der Maler, indem er seine Blätter wieder zusammen packte, "so würde ich, mich aller Ihrer Gefälligkeiten erinnernd, mir ein Vergnügen daraus machen, sie in Ihr Album zu stiften. Aber verzeihen Sie mir, in diesem Falle wäre das vielleicht für uns Beide ein gefährliches Wagstück."

"Was geht uns Herr von Dankwart an?" meinte der Baron.

"Aber seine Herrin desto mehr," warf der Major dazwischen, "er steht in der allerhöchsten Gnade; Sie können morgen bei ihm vorfahren und ihm gratuliren; er hat wieder einen neuen Orden bekommen."

"Das würde ich wahrhaftig tun," sagte lachend der Baron, "wenn ich jene sechs kostbaren Blätter hätte, um sie nachher zur Abkühlung präsentiren zu können."

"Das würden Sie nicht tun," versetzte aufmerksam Graf Fohrbach. "Ich kenne und bewundere Ihren Mut in jeder Hinsicht, aber das würden Sie bleiben lassen."

"Das käme auf eine Wette an," entgegnete Herr von Brand in gefälliger Weise.

"Die ich annehmen würde; Zehn gegen Eins!"

"Halt! halt! ihr Herren!" sprach der Major. "Das wär' eine Wette, die uns Alle, wie wir hier versammelt sind, teuer zu stehen kommen könnte."

"Die auch nie stattfinden kann," sagte Artur, "denn ich würde die Blätter nie, namentlich aber nicht zu einem solchen Zwecke, hergeben."

"Genug! genug!" mischte sich Herr von Steinfeld, der bisher in einem Buch geblättert hatte, in das Gespräch, "man muss nicht so in ein Wespennest schlagen wollen. Aber sage mir, vortrefflicher Hausherr, darf ich dich um eine Tasse Tee bitten?"

"Ich weiss nicht, wo er so lange bleibt," erwiderte Graf Fohrbach. Doch hatte er kaum die Klingel gezogen, als auch schon der Kammerdiener, fast unhörbar, in das Zimmer glitt, den Tee in der uns bekannten Art aufstellte, und darauf mit den Bedienten wieder verschwand.

Jeder nahm sich eine Tasse, dann sagte Herr von Steinfeld mit Beziehung auf das Gespräch von vorhin: "Unsereins, der lang in der Fremde war und fast unbekannt geworden ist, könnte sich durch so etwas empfehlen. – Alle Wetter! Wer hat die Wette gemacht? würde es freilich heissen. – Graf Fohrbach, bei sich zu haus in einer kleinen Gesellschaft. – Wer war da? – Nun, Erichsen, der die Blätter gezeichnet, Major von S., Herr von Steinfeld –"

"Ja, ja," sagte der Major, "das könnte uns Allen ein paar verdriessliche Gesichter eintragen."

Der Hausherr hatte achselzuckend zugehört und bedächtig seine Tasse ausgetrunken, dann sagte er: "Ja, wir werden alt, es ist kein Spass mehr da und kein Humor. – Apropos!" fuhr er nach einer Pause fort, "du bist mit deinen Besuchen ziemlich fertig. Man hat dich doch überall gnädig aufgenommen?"

"Darüber kann ich nicht klagen. – Doch da fällt mir etwas ein, worüber ihr mich vielleicht aufklären könnt. – Als ich bei deinem Papa war," wandte er sich an den Hausherrn, – "Seine Excellenz empfingen mich sehr zuvorkommendtraf ich den alten General-Adjutanten Baron von W. mit seiner Frau."

Herr von Brand zuckte, aber fast unmerklich, zusammen.

"Wenn ich sage t r a f , so meine ich damit, ich begegnete ihm an der tür des Salons; er ging, ich kam. Es war so auf der Schwelle, dass ich nicht präsentirt werden konnte. Der Bediente meldete mich, und da war es mir, als wenn sich die Baronin