S. zugedacht ist. Sorgen Sie darnach für die bewussten Bänder in den Farben, die Sie wollen, sei es als Haar- oder Busenschleife, wenn sie irgend ein vollkommenes Damenkostüm wählt, sei es als Achselbänder, wenn man sie vielleicht zu einer der Ecuyèren Ihrer Majestät bestimmt. Und das bin ich überzeugt bei der prachtvollen Gestalt des jungen Mädchens!"
"Ach ja, bei ihrer prachtvollen Gestalt!" seufzte der Herzog.
"Aber die Schleifen und Achselbänder müssen mir in der von Ihnen bestimmten Farbe vollkommen fertig, auf's Zierlichste gemacht, in drei Tagen, von heute ab, übergeben werden."
"Das werde ich selbst besorgen, bester Baron, und zugleich meinen herzlichen Dank überbringen."
"Mit Letzterem wollen wir warten bis nach dem Hofballe," entgegnete Herr von Brand, "denn ich bin nicht allmächtig; auch mir kann etwas misslingen."
"Nein, nein," rief triumphirend der Herzog, "Ihnen nicht. Glauben Sie mir, ich staune Sie an. Ich bin doch auch mit den Hofintriguen ziemlich bekannt, aber welche Wege Sie gehen, ist mir unerklärlich; über welch' immense Kräfte und Mittel müssen Sie zu verfügen haben!"
"Sie irren, gnädiger Herr," erwiderte der Baron leicht, "die Kräfte, die ich anwende, sind klein und unbedeutend wie ich selbst; es trifft sich nur zufällig, dass ich Ihnen dienen kann."
"Sie sind wahrhaftig zu bescheiden. Doch will ich jetzt Ihre Zeit nicht länger in Anspruch nehmen," versetzte der Herzog; "ich würde Sie einladen, mit mir zu kommen, aber ich muss, wie Sie wissen, bei jener wichtigen Zusammenkunst erscheinen. – Sie waren zu Fuss, wie ich sehe, kann ich Sie irgendwo absetzen?"
"Ich gehe zu Ihrem Rivalen," sagte lachend der Baron von Brand; "Sie sehen, wie ich offenherzig bin. Wenn Sie mich dahin bringen wollen, ist es mir angenehm."
"Und genirt es Sie nicht, wenn Sie in meinem Wagen anfahren?"
"Ganz und gar nicht, gnädiger Herr," versetzte der Baron in sehr harmlosem Tone. – "Coeur de rose! der Graf Fohrbach wird gar kein Gewicht darauf legen, ob ich von Euer Durchlaucht oder von haus komme."
"So fahren wir also!" sprach der Herzog. Er liess die Scheibe des Schlages herab und rief seinem Kutscher zu: "Zum Adjutanten, Graf Fohrbach!"
Dumpf rollte der Wagen dahin, durch erhellte und belebte Strassen, und bog bald rechts, bald links. Zuweilen fielen Lichtstrahlen aus einem der glänzenden Magazine in den Wagen hinein, und dann hätte man sehen können, wie der Herzog zuweilen aber kaum merklich forschend den Baron Brand anblickte, dieser dagegen zum Wagenschlage hinaussah und die erhellten Läden sowie die vorüberhuschenden Spaziergänger angelegentlich zu betrachten schien.
Jetzt hielten die Pferde; Herr von Brand sagte: "Ah! da sind wir schon!" und während er leicht und gewandt auf die Erde stieg, fasste er die dargereichte Hand des Herzogs, welche ihm dieser mit Empressement nachstreckte. Auf einen Zug an der uns bekannten Klingel öffnete sich die kleine tür, der Baron ging durch den Garten in das Haus, wurde von dem alten Diener mit einer steifen, feierlichen Verbeugung empfangen, und trat in den Salon, wo sich der Hausherr befand, auch der Major von S., Artur Erichsen und Herr von Steinfeld.
Sämmtliche Herren blickten auf, als er eintrat, Artur und Graf Fohrbach wechselten einen bedeutungsvollen blick mit einander; doch als hätten sie sich wohl verstanden, winkte der Maler dem Eintretenden freundlich mit der Hand, und Graf Fohrbach, sich gewaltsam von einer kleinen Befangenheit losmachend, rief laut lachend: "Da kommt der Baron! das ist unser Mann, der kann uns au fait setzen." Der Baron grüsste verbindlich der Reihe nach, wobei er den Kopf senkte und mit den Augen nach aufwärts schielte. Er zog bedächtig sein Sacktuch heraus, wischte seinen Bart und wedelte sich hüstelnd einige Wohlgerüche zu. Man konnte ihm das nicht übel nehmen, denn der Dampf der Cigarren in dem Gemach war wahrhaft schrecklich; er konnte auch nichts Gescheidteres tun, als sich selbst eine anzuzünden, was auch sogleich geschah, und dann erst, nach einigen starken Zügen, versicherte er, in der Verfassung zu sein, Rede und Antwort stehen zu können. "Baron Brand ist mir schon recht," meinte Artur, "und ich unterwerfe mich seinem Urteilsspruch." "Um was handelt es sich?" fragte jener geziert. "Sie waren neulich bei mir," fuhr der Maler fort, "oder Sie kamen vielmehr mit Herrn von Dankwart. Sie erinnern sich, dass dieser Protektor aller schönen Künste vorläufig ein Porträt des Herrn Herzogs bei mir bestellte." "Vorher aber sollten Sie an seinem eigenen kopf beweisen, ob Sie auch fähig seien, ein gutes Porträt zu liefern. – Ganz recht," entgegnete der Baron. "Und dies Porträt hat er gemacht!" jubelte der Hausherr. "Vortrefflich! Artur, lassen Sie es sehen." "Sie bringen mich wahrhaftig in Verlegenheit, Graf Fohrbach," sagte lachend der Maler; "ich habe Ihnen eine Zeichnung präsentirt, aber sie nicht als das Bildniss des Herrn von Dankwart ausgegeben. Gott soll mich bewahren! das ginge wider allen Respekt."
"So lassen Sie