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So kommen Euer Durchlaucht doch nur, wenn Sie Ihre wichtigen Gründe haben," schloss der Baron von Brand mit dem ihm eigenen süssen Lächeln den Satz. Bei diesen Worten war er in den Wagen gestiegen und liess sich neben dem Herzog auf die weichen Kissen nieder.

"Ich war heute wieder bei dem Major von S.," sagte Seine Durchlaucht.

"Da wurde Whist gespielt," warf der Baron leicht hin.

"nachher rauchten wir unsere Cigarre, der Major zeigte Steinfeld einige Waffen, ich und Graf Fohrbach wir traten an's Fenster."

"Da proponirten Sie ihm eine Wette."

"Woher wissen Sie das?" fragte erstaunt der Herzog.

"Nun, ich weiss es eben, gnädiger Herr; ich erfahre so Manches."

"Teufel auch! so habe Sie den Grafen Fohrbach gesehen!"

"Coeur de rose! – seit mehreren Tagen nicht."

"Oder den Herrn von Steinfeld, oder den Major, denen Graf Fohrbach vielleicht getratscht."

"Ebenso wenig."

"Unbegreiflich!" sagte der Herzog; "nun wenn Sie allwissend sind, so brauche ich Ihnen auch nicht zu sagen, wesshalb wir gewettet."

"Gewiss nicht, gnädiger Herr, denn ich weiss das ganz genau. Die Konversation betraf fräulein von S., und Sie vermassen sichnehmen mir Euer Durchlaucht nicht übelleichtsinniger Weise, das fräulein zu bestimmen, Ihre Farben zu tragen. Ah! Durchlaucht, das ist stark!"

"Alle Teufel! Baron, woher wissen Sie das?" rief der Herzog in höchstem Erstaunen. "Es ist so, wie Sie sagen: ich sehe in ungeheurer achtung zu Ihnen empor. Wahrhaftig, Baron, ich bin glücklich, dass ich Sie Freund nennen darf."

"Weil Sie wahrscheinlich einen Wunsch auf der Seele haben, gnädigster Herr," entgegnete Herr von Brand. Und wenn es in dem Wagen nicht so dunkel gewesen wäre, so hätte der Herzog notwendig sehen müssen, von welch' verächtlichem Lächeln diese Worte begleitet waren.

"Bei Gott! den habe ich auch, Sie Allwissender; und einen ziemlich grossen Wunsch."

"Den ich mir denken kann. Ich soll Ihnen helfen Ihre Wette gewinnen."

"Ja und Nein," sagte Seine Durchlaucht. "Die Wette ist nicht zu gewinnen, denn der Graf nahm sie gar nicht an: aber meinen Willen durchzusetzen, das wäre mein höchster Wunsch."

"Dass das fräulein bei dem Hofball Ihre Farben trägt?"

"Ja, das muss ich durchsetzen," sprach der Herzog eifrig. Dann fuhr er auf vertrauliche Art und sehr leise fort: "Dabei müssen Sie mir helfen; ich versichere Sie, Baron, ich gewinne nicht einen halben Pas bei dem starrköpfigen Mädchen. Was nützt mich das Fürwort des Vaters? – was nützt es mich, dass wir sie von allen Seiten umgarnt haben? – was helfen mich Ihre sonst so vortrefflichen Berichte? über Alles, was ich erfahre, muss ich mich ärgern! – Wo geht sie hin? – Zum Kriegsminister oder zum Major von S. – Wer ist da täglicher Gast? – Graf Fohrbach! – Baron, wir müssen einen Hauptcoup ausführen; ich muss mit einem Mal das verlorene Terrain wieder gewinnen. Sie muss auf dem Hofball meine Farben tragen und sich so kompromittiren."

"Das Letztere kann nicht ausbleiben, wenn wir sie zu dem Ersteren vermögen. Das wird aber sehr, sehr schwer sein."

"Schwer, haben Sie gesagt, bester Baron!" jubelte der Herzog, "also doch nicht unmöglich. O, meine Dankbarkeit wäre unbegrenzt. Sprechen Sie, ist was zu machen?"

"Das will sehr überlegt sein. Und wie lange haben wir Zeit?"

"Noch acht bis zehn Tage, dann ist der grosse Maskenball bei Hof. – Sprechen Sie, Baron, machen Sie mich zu Ihrem ewigen Schuldner!"

"Ich fürchte, gnädiger Herr," erwiderte Herr von Brand lachend, "Ihre Ewigkeiten sind sehr kurz und vergänglich. – Doch will ich's darauf hin wagen. Aber erschrecken Sie nicht, wenn auch ich nächstens anfange, meine Forderungen zu stellen."

"Verlangen Sie!" erwiderte der Herzog bestimmt. "So lieb es mir ist, Ihr Schuldner zu sein, so sollen Sie mich doch jederzeit bereit finden, für Sie zu tun, was in meinen Kräften steht."

"Das höre ich jetzt schon zum zweiten Male, und es wird nächstens die Zeit kommen, wo ich Euer Durchlaucht fest beim Worte nehme."

"Ich hoffe es; aber meine Angelegenheitsprechen Sie, bester Baron!"

"Sollbesorgt werden."

"Bei meiner Ehre! Baron," rief erfreut der Herzog, "versprechen Sie nicht zu viel?"

"Das tue ich nie," erwiderte ruhig Herr von Brand. "Es ist das freilich keine leichte Kommission, aber ich tu' Alles, um Sie mir zu verpflichten. Doch bedarf ich ein klein wenig Ihrer Hilfe; – heute Abend ist bei der Frau Herzogin eine Zusammenkunft, der Sie wahrscheinlich anwohnen werden."

"Ich habe von Mama die gnädige erlaubnis erhalten," lachte der Herzog; "ich als einziger Mann zwischen ein paar Dutzend Hofdamen und Ehrenfräuleins."

"Sie Glücklicher! – Nun also, da werden Sie erfahren, welches Kostüm dem fräulein von