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"Sie überhäufen mich mit Grossmut; und ich soll nicht im stand sein, etwasAnderes für Sie tun zu können, Herr?"

"Ich glaube nicht. – Doch halt! Vielleicht wäre es dir möglich, später einmal einem me i ner Freunde einen Dienst zu erzeigen, ohne dass es dich im Geringsten kompromittirt. Das wirst du tun!"

"O gewiss, Herr!" rief der Jäger freudig aus und fasste mit seinen beiden Händen die Rechte des jungen Mannes, der sie ihm auch ruhig liess und dabei sagte:

"Sollte also später Jemand irgend einen vielleicht auffallenden Dienst von dir verlangen und sagen zu dir, dem Franz Karner, 'es geschieht für mich, J o s e f ' , so wirst du tun, was er wünscht."

"So wahr mir Gott helfe!" erwiderte der Jäger mit leuchtenden Augen; "und sollte es mich meinen Dienst, ja mein Leben kosten." Er zog hastig die Hand des jungen Mannes an seine Lippen und küsste sie innig. Dieser entwand sie ihm aber sanft, und als er Josef darauf anblickte, schüttelte er traurig lächelnd das Haupt, da er Tränen in den Augen des Jägers bemerkte.

"So gehe denn," sagte er mit weicher, fast zitternder stimme; "drunten vor der tür schüttle den Staub von deinen Füssen und wenn du kannst, so vergiss es, dass du je diese Mauern betreten! Für deine Papiere werde ich sorgen, – sowie auch dafür," setzte er leise hinzu, "dass es dir nicht zu schwer wird, dir und deiner Frau einen neuen Hausstand zu gründen. – Jetzt verlass mich!"

Er streckte die Hand gebietend gegen die tür aus und der Jäger befolgte diesen Befehl mit zögernden Schritten. Doch ehe er hinaus ging, wandte er sich nochmals um, stürzte dem jungen mann zu Füssen und sprach, indem er seine beiden hände ergriff: "O verzeihen Sie mir, Herr, so konnte ich nicht scheiden; wenn man sich Jahre lang gekannt, wie wir, so wird es Einem hart, unendlich hart, sich zu trennen. Gott möge Sie behüten und möge es gnädig fügen, dass wir uns einst freudig wieder sehen!" – Damit sprang er auf und war verschwunden.

"Amen!" sagte der junge Mann nach einer Pause, während er sich langsam mit der Hand über das Gesicht fuhr. Darauf blieb er noch einen Augenblick nachdenkend an dem Tische stehen und verliess alsdann das Zimmer auf die früher dem geneigten Leser schon beschriebene Art.

Achtundsechzigstes Kapitel.

Achselbänder und Karrikaturen.

Am gleichen Abend, in dem unser voriges Kapitel schliesst, vielleicht eine starke Stunde später, verliess der Baron von Brand seine wohnung; er trug einen sehr eleganten Paletot von dunklem Tuch, den er fest zugeknöpft hatte; sein blonder Bart war wie immer sorgfältig zugespitzt und parfümirt; er schritt lustig trällernd die Treppe hinab, wobei er seine Handschuhe zuknöpfte, und als er hierauf vor die Haustüre trat, warf er einen blick an den Himmel hinauf, welcher ruhig und klar war und, wie oft im Winter, in glänzender Sternenpracht funkelte. Es lag kein Schnee auf dem Boden, auch war dieser hart gefroren, wesshalb Herr von Brand keinen Wagen befohlen hatte.

Kaum aber wollte er den Fuss auf das Pflaster setzen, so fuhr eine Equipage, die in vollem Trabe aus der Mitte der Strasse abgelenkt war, dicht an das Haus hin, wo die Pferde augenblicklich still standen. Der Baron zog seinen Fuss zurück, und tat wohl daran, denn der Wagen war so nah bei der Türschwelle vorgefahren, dass er den Heraustretenden beinahe in Gefahr gebracht hätte.

"Zum Teufel!" rief dieser dem Kutscher zu, "ist das auch eine Manier, harmlose Fussgänger jählings zu überfallen! Heh! mein Freund! Weiss Er wohl, dass er mich um ein Haar überfahren hätte?"

"Ah! Sie sind es selbst, bester Herr von Brand!" hörte er nun eine laut lachende stimme aus dem Wagen. "Wenden Sie Ihren Zorn von dem Unschuldigen draussen auf mich. Es drängte mich, Sie zu sehen, und desshalb befahl ich, so schnell zu fahren."

"Coeur de rose!" entgegnete der Baron, indem er an den Schlag trat. "Aber, gnädiger Herr, ich versichere Sie, mein kostbares Leben schwebte in augenscheinlicher Gefahr, oder, was fast noch schlimmer ist, meine geraden Gliedmassen. – Wollen Euer Durchlaucht vielleicht aussteigen?"

"Nein, nein," versetzte lachend der Herzog; "Sie wollten eben ausgehen, und da kann ich mich nicht unterstehen, Ihre besetzte Zeit so sehr in Anspruch zu nehmen. Auch bin ich selbst eilig wie immer."

"Wie Sie befehlen, gnädiger Herr. Aber da Sie zu mir wollten, so muss ich mir schon erlauben, Sie zu fragen, womit ich Ihnen dienen kann."

"Ich habe zwei Worte mit Ihnen zu sprechen," sagte der Herzog, indem er den Schlag von innen öffnete, "und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie für wenige Augenblicke in meinen Brougham steigen wollten. – Aber Sie müssen mir im Voraus verzeihen, bester Baron, dass ich Sie zu so ungewohnter Stunde überfalle und meinen Besuch nur halb mache; doch wissen Sie, ich bin immer so ungeheuer beschäftigt, und wenn ich mir auch oft vornehme, nach Ihnen zu sehen –"

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