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Sie haben mich gesehen, Herr?"

"Du lässt mich nicht ausreden; das ist ein Beweis für meine Behauptung. Der Wald hat dich etwas verwildert; man nimmt sich in Acht und reisst nicht nur so mit seinem Wehrgehäng einen ganzen Orangenzweig voll Blüten und Früchten herunter."

"Bei Gott! das geschah mir," sagte der Jäger, tief Atem holend.

"Aber weiter! – In dieser Soirée –"

"– Traf mein Herr, der Herr Graf, mit jener Dame zusammen und allein im Zimmer neben dem Glashause."

"Und wo warst du?"

"Hinter dem Vorhange, der in's Neben-Kabinet führt."

"Bravo, Franz Karner, du übertriffst den Josef."

"Ich kann das Lob nicht annehmen," sagte mit festem Tone der Jäger. "Bei Gott im Himmel! ich wollte meinen Herrn nicht belauschen; ich war ganz zufällig da."

"Nun, das Resultat wird das Gleiche sein," versetzte der Andere in nachlässigem Tone. "Die Beiden waren also allein, und –"

"Es erfolgte eine Liebeserklärung."

"Und sie nahm sie an?"

"Gern, Herr," sagte der Jäger mit froher stimme. "Und ich begreife das."

"Ei der Tausend!"

"Ja, Herr, es gibt wenig Kavaliere wie Seine Erlaucht der Graf Fohrbach, wenig Herren, denen Jedermann, der sie kennen lernt, so zugetan sein muss."

"Wenige!" lachte der Andere laut hinaus. "Also steht der Graf doch nicht einzig da? Wen würdest du zum Beispiel neben ihn setzen? Sei aufrichtig, Josef."

"Sie, Herr," erwiderte der Jäger nach kurzer überlegung, wobei er den jungen Mann mit seinem festen Blicke ansah. – "Sie, Herr," wiederholte er, "wenn –"

"Nun! weiter! weiter! Gerade heraus, Josef, wie wir es immer gegen einander hielten."

"WennwennManches anders wäre," sagte der Jäger mit ganz leiser stimme.

Dies Wort musste den Andern ziemlich schwer betroffen haben, denn obgleich er ein Lächeln versuchte, wurde es doch gleich darauf von einem wehmütigen zug verdrängt. Er liess den Kopf in die Hand sinken und verharrte so einige Sekunden. "Allons!" rief er alsdann nach einer Pause in seinem gewöhnlichen heiteren Tone, "du hast mir gewiss noch mehr zu sagen, Josef, denn wegen einer Bagatelle, wie diese, lässt du dich nicht bei mir sehen."

"Sie haben Recht, Herr," erwiderte der Jäger; "es trieb mich, aufrichtig gesagt, nach langem Kampfe, hiehernicht aus Furcht vor Ihrem Zorn, Herr, obgleich ich wohl weiss, dass mich derselbe in einem Nu zermalmen könnte, obgleich ich weiss, dass es Sie nur einen Zug an jener Klingel kostet und ich sehe das Tageslicht nie wieder. Aber ich komme aus Dankbarkeit, für Alles, was Sie an mir getan. Und dies Gefühl ist es auch, welches mich zwingt, Ihnendiesen Brief zu übergeben. – Es ist ein Verrat an meinem Herrn, aber ich kann nicht anders."

"Ei, ei, ein zierliches Briefchen!" lachte der Andere, indem er das Schreiben entgegen nahm. "Die Aufschrift kann ich mir denken. – fräulein Eugenie von S. – Dergleichen wirst du viele zu überbringen haben, Josef?"

"Es ist der Erste, Herr," versetzte der Jäger sehr ernst; "und desshalb dachte ich mir, Sie werden einen Wert darauf legen."

"Vielleicht," sagte der Andere achselzuckend; "doch wird nicht viel Interessantes darin steheneinige Liebesbeteuerungen, Versprechen ewiger Treue, so was dergleichen. Wann schrieb es der Graf?"

"Seine Erlaucht kamen vor einer Stunde mit dem Herrn von Steinfeld von einer Whistpartie, ich glaube bei dem Herrn Major von S. Der Herr Graf waren verdriesslich und erregt, und sprachen, während sie sich umkleideten, viel mit dem Herrn von Steinfeld."

"So, so! Und was zum Beispiel?"

"Seine Erlaucht sagten: der Herzog wird wahrhaft unerträglich; hast du je so etwas erlebt? Bietet mir dafreilich unter vier Augeneine so unsinnige Wette aneine Wette, die, wenn er vielleicht mein verhältnis zu Eugenie ahnt, an's Unverschämte grenzt."

"Brav, Josef! Du hast gut behalten. – Und die Wette?"

"Sie betraf fräulein von S. Der Herr Herzog wollte es nämlich von heute bis über acht Tagen dahin bringen, dass bei dem grossen Maskenballe, der am hof stattfindet, das fräulein in ihrem Anzuge Bänder von den Farben des Herrn Herzogs tragen solle."

"Ah! Seine Durchlaucht sind leichtsinnig im Wetten, aber geniren sich nicht um den Teufel; das muss biegen oder brechen. Er ist ein gefährlicher Mensch." – Diese Worte murmelte er vor sich hin, so dass der Jäger nicht im stand war, sie zu verstehen. – "Nun zu dem Briefe!" sagte er nach einigen Augenblicken mit lauter stimme. – "Na, Josef," fuhr er lächelnd fort, "du wirst nicht Alles verlernt haben. Oeffne den Brief geschickt und vorsichtig. Du weisst, dort im Wandschrank befindet sich das Nötige dazu."

Der Jäger zauderte.