kenne das! und möchte um Alles in der Welt damit nichts zu tun haben. Lasst die armen, unschuldigen Geschöpfe! – Ist denn die Welt so arm geworden an guten Freunden, die keine Ehre aber viel Geld haben? Wendet euch dahin, aber lasst mir jenen niederträchtigen Handel; ich weiss wohl, der Schwemmer war die Haupttriebfeder. Nun, er ist dahin, also lasst's bleiben!"
"Es soll unterbleiben," erwiderte Matias mit fester stimme, "verlassen Sie sich darauf, Herr."
"Schön. – Wie ist mir doch," fuhr er nach einer Pause in leichtem, gefälligem Tone fort, während er mit der Hand über die Stirne strich, "da habe ich einen guten Bekannten, dem könnte ein Besuch nichts schaden, er ist ein Buchhändler und ein sehr schlechter Kerl, er heisst Johann Christian Blaffer. – Hast du den Namen zufällig gehört?"
"Sie sprachen neulich mit mir darüber und gaben mir Befehl, mich nach den Verhältnissen des Hauses zu erkundigen."
"Richtig! ich hatte das vergessen. – Wird da für euch was zu holen sein?"
"In einigen Tagen eine artige Summe; Herr Blaffer beabsichtigt sein Haus zu verkaufen und will baar bezahlt sein."
"Ah! Meister Matias, desshalb hast du wahrscheinlich meinen Befehl so genau befolgt! – Nun, wer ist in dem haus?"
"Zuerst der Prinzipal, Herr Blaffer, dann ein sehr dummer Lehrling –"
"An den ich dir eine Rekommandation verschaffen will," warf der Andere leicht ein.
"Ferner eine alte Magd," fuhr Matias mit einer Verbeugung fort, "und ein recht schönes Mädchen."
"Aha, Meister! du nennst das Mädchen zuletzt; das muss einen Haken haben."
"Und einen tüchtigen, Herr. Der alte Buchhändler wandte ihr seine Liebe zu, und dafür betrügt sie ihn so tüchtig als möglich."
"Teufel! das musst du mir erzählen," sagte der Andere aufmerksam und setzte dann mit leiser stimme hinzu: "Armer Beil! Das soll ihn vollends kuriren."
"Es ist da ein junger, hübscher Kerl, – ich kenne ihn ziemlich –"
"Also ein leichter Patron, ein Taugenichts?"
"So etwas der Art, aber zum Sterben in das Mädchen verliebt. Er wohnt im Nebenhause, hat sie scharf angesehen, sie ihn auch, er spielt den grossen Herrn und das hat ihr gefallen."
"So, so, also ziemlich leichte Waare!"
"Wohl möglich, Herr; ich muss aber zu ihrer Entschuldigung sagen, dass sie gezwungen den ersten Schritt tat und sich desshalb zum zweiten und zu den folgenden leicht überreden liess."
"Der junge Mensch kommt in's Haus?"
"Ja, Herr; über das Dach des Nebenhauses; er klettert und schleicht wie 'ne Katze. Ich glaube nicht, dass ihn der Buchhändler so leicht erwischen wird."
Der Andere machte nachdenkend ein paar rasche Gänge durch's Zimmer. – "Schön, schön," sagte er alsdann; "sieh dir das Haus genau an, namentlich erforsche, wo der Buchhändler wohnt und wo das Mädchen wohnt. Melde mir, wenn die Gelder eingelaufen sind, und dann lass dich sehen und hole deine Instruktionen. Aber, Matias, befolge sie auf's Wort!"
"Wenn aber Zwischenfälle eintreten, die man nicht vorher sehen kann?"
"So zieht ihr euch unverrichteter Sache zurück. Wenn an der Ausführung meines Planes ein Jota fehlt, so ist die ganze geschichte nichts wert. – Hast du mich verstanden? – Weiter habe ich nichts. Josef wird draussen sein; er soll herein kommen."
Matias, der die erhaltenen Befehle nur mit einem Kopfnicken beantwortet hatte, verliess das Zimmer, und gleich darauf trat Josef, der Jäger des Grafen Fohrbach, herein. Er trug einen grauen, unscheinbaren Jagdrock, doch war sein voller, schwarzer Bart sorgfältig geordnet.
"Ah! du bist da, Josef – Franz Karner? Du machst dich rar; in eurem haus muss wenig Besonderes vorfallen, dass du keinen Stoff zu berichten findest. Wie ist's damit, Herr Josef – Franz Karner?"
Der Jäger erschien einigermassen befangen, doch richtete er sein Auge fest auf den jungen Mann, der, während er sprach, ruhig sitzen blieb und mit den Fingerspitzen auf dem Tische trommelte. – "Gewiss, Herr," sagte er darauf, "es gibt dort in der Tat wenig zu berichten, sonst wäre ich häufiger gekommen. Wenn Sie auch den Franz Karner noch nicht genau kennen, so wissen Sie doch, dass Ihnen Josef mit Leib und Seele ergeben ist und dass er hält, was er verspricht."
"Selbst wenn ihm das Kummer machen sollte?" sprach der Andere mit Betonung.
"Selbst wenn ihm das Kummer machen sollte," wiederholte der Jäger achselzuckend, aber mit unterwürfigem Tone.
"Davon nachher," erwiderte der junge Mann leichtin. "Was hast du mir zu melden, Josef?"
"Wir hatten neulich eine grosse Soirée bei Seiner Excellenz dem Herrn Kriegsminister."
"Ich weiss das, Josef, du nahmst dich in deiner neuen Uniform sehr gut aus. Nur hast du es verlernt, dich in der Gesellschaft zu bewegen."
"Ah!" machte der Jäger fast sprachlos vor Erstaunen, "